SAP: Bald auch charttechnisch in den Wolken

Gestern drückte der DAX 30 noch auf die Stimmung der Anleger.

Ich muss gestehen, auch bei mir hat der erneute Rücksetzer unter die 10.000er-Marke  – der wievielte eigentlich? – zu einem kurzen „Genervt-sein“ geführt. Denn:

Während die Wall Street seit letzter Woche immer neuen Rekorden zustrebt, kriegt der DAX nicht mal die Kurve über die inzwischen doch recht lästigen 10.000-Punkte.

Mal ganz abgesehen davon, dass die absolute Bestmarke von 12.390 Zählern noch in weiter Ferne liegt. Doch heute Vormittag schaut die Welt sprich: der DAX schon wieder richtig freundlich aus.

VW und SAP treiben den DAX an

Für den Anstieg sogar über die 10.100 Punkte-Marke stehen v. a. 2 Unternehmen: Volkswagen und SAP. Beide überraschten Analysten und Investoren mit guten Halbjahres-Zahlen.

Wobei die SAP-Zahlen am Ende wohl nachhaltiger wirken werden: Denn die finanzielle Zukunft von VW aufgrund des Abgas-Skandals ist ja noch immer mit diversen Fragezeichen versehen: Grad heute wurden neue US-Klagen bekannt.

SAP stärker als VW UND DAX

Davon abgesehen, hat SAP in Bezug auf die Relative Stärke zum deutschen Leitindex seit Jahresbeginn klar die Nase vorn, wie Ihnen die nachfolgende Grafik belegt:

sap vs. vw vs. dax-20-07-2016

SAP vs. VW vs. DAX: SAP hat seit Jahresbeginn klar die Nase vorn

Während der DAX, trotz des heutigen Anstieges, noch immer ein Minus von fast -8% aufweist, beträgt der Kursverlust bei den Vorzugs-Aktien (VZ) von VW etwas mehr als -10%.

SAP war mit plusminus 0 also klar die beste Wahl unter den dreien seit dem 31. Dezember 2015. Konzentrieren wir uns daher auf den Software-Entwickler aus Walldorf:

Wolkige Halbjahres-Zahlen

Mit 9.964 Mio. € konnte SAP den Umsatz im 1. Halbjahr um +5% gegenüber dem entsprechenden Vorjahres-Zeitraum steigern. Das ist nicht schlecht, „haut einen aber auch nicht gerade vom Hocker“.

Deutlich besser liest sich da schon die Ergebnis-Entwicklung: Der Gewinn pro Aktie explodierte förmlich um +57% von 0,74 € in den ersten 6 Monaten 2015 auf nun 1,16 €!

Da es sich bei Chartanalyse-Trends um einen charttechnisch orientierten Newsletter handelt, werde ich hier nicht auf weitere Details eingehen.

Nur ein Punkt ist jedoch noch interessant: 342 Mio. € des 497 Mio. € umfassenden Umsatz-Anstiegs stammen aus dem noch vergleichsweise jungen Geschäftsbereich Cloud-Subskriptionen und -Support.

Cloud heißt zu deutsch „Wolke“. Unter Cloud Computing versteht man die Ausführung von Programmen, die nicht auf dem lokalen Rechner installiert sind, sondern auf einem über das Internet erreichbaren Rechner irgendwo in der Welt.

Das macht deutlich, wo bei SAP die Zukunfts-Chancen liegen.

Spannende Charttechnik

Kommen wir zur Charttechnik der Aktie:

sap-20-07-2016

SAP schert aus monatelanger Seitwärts-Bewegung nach oben aus.

Der Chart macht Ihnen zunächst einmal 2 Dinge sichtbar: Mit dem heutigen Kursschub ist die SAP-Aktie aus einer 7 ½ Monate andauernden, leicht abwärts gerichteten Seitwärts-Bewegung nach oben ausgebrochen (gelber Kreis).

Bei 75,75 € wartet das Hoch aus dem Dezember 2015. Über dieser Marke notierte SAP übrigens nur 2-mal: im Februar / März 2000 und noch einmal im September desselben Jahres. Das Allzeithoch liegt bei 91,03 €.

Wenn Sie diesen Faktor mit einbeziehen, dann wissen Sie als Charttechniker: Über 75,75 € wartet de facto kaum mehr Widerstand. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass noch teurer eingekaufte Uralt-Bestände aus dem Jahr 2000 abgegeben werden, ist doch eher gering.

Großinvestoren dürften jetzt verstärkt einsteigen

Interessant ist zum Abschluss noch der Blick auf das On-Balance-Volumen (OBV). Dieser Indikator verknüpft bekanntlich die täglichen Kursveränderungen mit den dazugehörigen Umsätzen und kumuliert die Resultate.

Aus diesem Grund können Sie mit Hilfe des OBVs die Aktivitäten der Großinvestoren nachvollziehen. Dazu ein Hinweis:

Der Chart oben wurde gegen 12.00 Uhr erstellt. Daher kann die Grafik naturgemäß nur den Kursverlauf und die Umsätze bis dahin berücksichtigen.

Aber: Schon gegen Mittag erreichten die Umsätze den Durchschnitt der vergangenen 50 Tage. Sie dürfen also davon ausgehen, dass die Kurve des On-Balance-Volumens heute Abend eine deutliche Aufwärts-Bewegung im Chart hinterlassen wird.

Ich gehe daher davon aus, dass mit dem Überwinden der 75,75 € zugleich auch das OBV aus seiner Seitwärts-Bewegung nach oben austreten wird. Beides wären dann noch einmal zusätzliche Kaufsignale.

20. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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