SAP: Cloud-Boom contra Währungseffekt

Der schwache US-Dollar drückt derzeit das Wachstum von SAP. Für vorausschauende Anleger eine günstige Einstiegsgelegenheit. (Foto: photobyphm / Shutterstock.com)

Europäische Unternehmen, die einen hohen Anteil ihres Umsatzes im Dollarraum machen, haben es derzeit nicht leicht, denn der schwache US-Dollar drückt die Ergebnisse. Dies zeigte sich auch bei den jüngsten Quartalszahlen von SAP. An den guten Aussichten von Europas größtem Softwarekonzern ändert dieser kurzfristige Effekt freilich nichts.

Schwacher US-Dollar reduziert das Wachstumstempo spürbar  

Die Zahlen, die SAP für 2017 präsentierte, waren solide, mehr jedoch nicht: Wie erwartet drückte der schwache US-Dollar die Ergebnisse von Europas größtem Softwarekonzern. Statt den wechselkursbereinigten 6% Umsatzwachstum konnte SAP seine Erlöse im 4. Quartal in Euro lediglich um 1% auf 6,81 Mrd. Euro steigern. Dabei war die Cloud-Sparte mit einem Wachstum von 20% erneut der Erfolgsgarant der Walldorfer.

Beim Nettogewinn schaffte SAP im 4. Quartal einen überdurchschnittlichen Zuwachs von +22% auf 1,87 Mrd. Euro bzw. 1,55 Euro je Aktie. Beide Werte lagen im Rahmen der Erwartungen.

Bei den Jahreszahlen für 2017 fiel der negative Währungseffekt geringer aus: Hier kletterte der Umsatz um 6% auf 23,46 Mrd. Euro und der Nettogewinn um 12% auf 4,06 Mrd. Euro.

SAP blickt optimistisch in die Zukunft

Wichtiger als die Ergebnisse für 2017 ist für SAP jedoch der Ausblick auf die zukünftigen Wachstumschancen. Hier blickt SAP dank des Cloud-Booms weiterhin optimistisch nach vorn. So sind die neuen Cloud-Buchungen um 31% gestiegen.

Währungsbereinigt will SAP 2018 mit seinem Cloud-Geschäft um 27 bis 33% wachsen und mit dieser Sparte einen Jahresumsatz von 4,8 bis 5,0% erzielen. Der Gesamtumsatz soll währungsbereinigt um 5 bis 7% wachsen, das Betriebsergebnis um 8 bis 11%.

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Deutlich ehrgeiziger fallen die langfristigen Wachstumsziele aus: Für das Jahr 2020 peilt SAP ein Umsatz in Höhe von 28 Mrd. bis 29 Mrd. Euro an, davon soll die Cloud-Sparte 8,0 bis 8,5 Mrd. Euro beisteuern. Das Betriebsergebnis soll in einer Spanne zwischen 8,5 Mrd. und 9,0 Mrd. Euro liegen.

Übernahme soll künftiges Wachstum sichern

Mit Vorlage der Zahlen kündigte SAP eine Übernahme in den USA an: Die Walldorfer kaufen für 2,4 Mrd. US-Dollar den Cloudanbieter Callidus Software. SAP-Chef Bill McDermott erklärte gleichzeitig, dass dies nicht der Beginn einer Übernahme-Welle sei. “Im Gegensatz zu unseren kalifornischen Mitbewerbern wollen wir organisch wachsen,” so McDermott.

Analysten bewerten den Deal positiv. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit einigen Jahren im Rahmen einer Vertriebsvereinbarung zusammen. Mit der Cloud-Software von Callidus ergänzt SAP seine breite Produktpalette und grenzt sich als Anbieter von umfassenden Lösungen aus einer Hand von der Konkurrenz ab.

Kursschwäche bietet Langfristanlegern günstige Einstiegschance

Keine Frage: 1% Umsatzwachstum sind mager, der schwache US-Dollar macht SAP zu schaffen. Doch der Währungseffekt dürfte nicht von langer Dauer sein. Der positive Effekt des Cloud-Booms dürfte hingegen noch Jahre anhalten und SAP auf Dauer wieder zweistellige Wachstumsraten bescheren. Denn mit steigendem Anteil des Cloud-Geschäfts am Gesamtumsatz, steigt gleichzeitig auch der positive Einfluss der Cloud-Sparte auf die Wachstumsraten des Konzerns.

Aus meiner Sicht bietet daher die aktuelle Kursschwäche vorausschauenden Investoren mit langfristigem Anlagehorizont eine günstige Einstiegsgelegenheit in Europas größten Software-Konzern.


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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.