SAP: Softwareriese tritt beim Wachstum auf die Bremse

SAP Zentrale RED – shutterstock_676640443 photobyphm

SAP: Lizenzerlöse brechen weg - Cloud-Geschäft dafür mit starkem Wachstum. Anleger feiern trotz gesenkter Prognose und schieben Aktie kräftig an (Foto: photobyphm / Shutterstock.com)

Jetzt kommt auch der Walldorfer Softwarespezialist SAP um eine Gewinnwarnung nicht mehr herum. Auf Grund der Auswirkungen der Corona-Krise stutzt der Konzern seine Umsatz- und Ergebnisprognose zusammen. Die Anleger störte die auf den ersten Blick negative Nachricht nicht. Ganz im Gegenteil: Die SAP-Papiere setzten mit einem Plus von über 4% am Freitag ihre Erholungsbewegung weiter fort. Offenbar waren die Anleger von deutlicheren Einschlägen bei der Geschäftsentwicklung ausgegangen.

SAP im Portrait

SAP zählt weltweit zu den führenden Anbietern von Unternehmenssoftwarelösungen, die die verschiedenen Prozesse innerhalb der Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinweg organisieren. Das Portfolio umfasst Geschäftsanwendungen für große und mittelständische Betriebe sowie Standardlösungen für kleine und mittelgroße Firmen.

Darüber hinaus unterstützt SAP mit branchenspezifischen Lösungen Kernprozesse in den Industriezweigen Handel, Finanzen, High-Tech, im Gesundheitswesen und öffentlichen Verwaltungen. Das Flaggschiff des Konzerns stellt dabei die SAP Business-Suite dar, die auf die jeweiligen Anforderungen und Geschäftsziele exakt zugeschnitten werden kann. Basis dieser Anwendung ist die von SAP entwickelte Datenbanktechnik Hana, bei der Daten nicht mehr auf der Festplatte, sondern im Arbeitsspeicher abgelegt werden und so schneller zur Verfügung stehen.

Lizenzerlöse brechen ein….

Auch die Walldorfer spüren die einbrechende Investitionszurückhaltung der Kundschaft. Zum Ende des ersten Quartals brachen die Lizenzumsätze regelrecht ein. Auf Sicht des kompletten ersten Quartals steht ein Rückgang von 31% auf 0,45 Milliarden Euro in den Büchern. Es ist davon auszugehen, dass krisenbedingt ein Großteil der Neuabschlüsse verschoben wurde.

…..aber Cloud-Geschäft reißt es raus

Dass die konzernweiten Umsätze trotzdem um 7% auf 6,52 Milliarden Euro nach oben kletterten, lag vor allem an den weiterhin hohen Zuwachsraten im Cloud-Geschäft. Dort erhöhten sich die Umsätze nämlich um beeindruckende 29% auf 2,01 Milliarden Euro. Zusammen zogen die Cloud- und Softwareerlöse um 7% auf 5,4 Milliarden Euro an. Insgesamt sank das Betriebsergebnis um Währungseffekte bereinigt um 1% auf 1,48 Milliarden Euro.

Wiederkehrende Erlöse sorgen für hohe Visibilität

Damit macht sich die Stärke der Fokussierung auf das Cloud-Geschäft bemerkbar. Immerhin erzielt SAP inzwischen 76% seiner Umsätze über wiederkehrende Erlöse. Das sind 4 Prozentpunkte mehr als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Bis 2023 soll dieser Anteil, der das Geschäft deutlich besser planbar macht, auf 80% hochgefahren werden.

Prognose leicht reduziert

Auf Grund der bestehenden Unsicherheit hat SAP nun seinen Ausblick angepasst, wenn auch nur leicht. Der Software-Konzern peilt im Gesamtjahr jetzt einen währungsbereinigten Umsatz von 27,8 bis 28,5 Milliarden Euro an. Für Sie zum Vergleich: Vorher hatten die Walldorfer eine Bandbreite von 29,2 bis 29,7 Milliarden Euro avisiert. Auch mit der gesenkten Prognose würde SAP aber immer noch ein Wachstum aufweisen.

Das Betriebsergebnis soll voraussichtlich in einer Spanne zwischen 8,1 Milliarden Euro und 8,7 Milliarden Euro liegen. Hier hatte SAP zuvor 8,9 bis 9,3 Milliarden Euro als Prognose in den Raum gestellt. Das wären am unteren Ende 1% weniger, am oberen Ende aber sogar 6% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Fazit: Die leicht reduzierte Prognose konnte weder die Analysten noch die Anleger verunsichern. Offenbar hatten beide Parteien bereits im Vorfeld mit einer stärkeren Anpassung gerechnet. Vor allem die gute Entwicklung im Cloud-Geschäft mit dem hohen Anteil an wiederkehrenden Erlösen macht den Anlegern derzeit Mut. An der Mittelfristplanung hält SAP derzeit ohnehin fest. Auf Grund der Robustheit des Geschäftsmodells dürfte der Softwarekonzern deutlich besser durch die Krise kommen als viele andere DAX-Unternehmen.

Dax30 – SAP Trading-Idee!!

Dax30 – SAP Trading-Idee!!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte. Morgens starten wir immer mit dem Blick auf den… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rene König. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz