Sartorius-Aktie: Laborausrüster setzt Höhenflug ungebremst fort

Sartorius: Laborausrüster schraubt Prognose nach starken Zahlen nach oben. Aktie setzt Höhenflug ungebremst fort (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Geduld der Anleger hat sich bei Sartorius mehr als ausgezahlt. Wer vor 15 Jahren in den deutschen Laborausrüster investiert hat, zählt jetzt zu den großen Gewinnern. Während der Umsatz seither um knapp 220% zugelegt hat, explodierten die Gewinne regelrecht um 2.775%. Die starke operative Entwicklung ging auch an der Aktie nicht spurlos vorüber.

Alleine seit Jahresbeginn verdoppelten sich die Papiere. Beim Blick auf den Langfristchart dürften dem ein oder anderen Anleger Freudentränen in die Augen treten. War die Aktie vor fünfzehn Jahren noch für unter 1,50 Euro zu haben, müssen Sie jetzt bereits 156 Euro pro Anteilsschein auf den Tisch legen. Nach der sensationellen Entwicklung steht die Aktie nun kurz vor dem Sprung in den M-DAX.

Göttinger Traditionskonzern zählt zu den Weltmarktführern

Die 1870 gegründete Sartorius AG zählt heute zu den weltweit führenden Zulieferern der Biopharma- und Laborbranche mit Sitz in Göttingen und über 6.000 Mitarbeitern. Die Lösungen tragen dazu bei, dass komplexe und qualitätskritische Prozesse in der Produktion wie im Labor effizient realisiert werden können.

Zum Portfolio gehören Produkte in den Bereichen Zellkulturmedien, Fermentation, Zellernte, Pufferlösungen sowie Laborinstrumente wie Pipetten und Verbrauchsmaterialien. Darüber hinaus stellt Sartorius Industriewaagen für verschiedene Anwendungen in der Chemie-, Pharma- und Nahrungsmittelindustrie her.

Beherrschende Position in Nischenmärkten

Dabei ist die Markstellung des Konzerns wirklich beeindruckend. Bei Produkten und Technologien zur Herstellung von biologischen Medikamenten ist Sartorius weltweit führend. Über 85% vom Umsatz werden aus Positionen als Nr. 1-3 generiert; ca. 75% vom Umsatz ist wiederkehrend.

So ist Sartorius weltweit die Nr. 1 bei Fermentation und Fluid Management, die Nr. 3 bei Filtration und war ein Vorläufer bei Einwegtechnologie, die beständig Marktanteile hinzugewinnt. Bei Laborwaagen, dem Ursprung des Unternehmens, ist Sartorius weltweit die Nr. 2, neben der Nr. 4 bei Pipetten, Nr. 3 bei Laborfiltration und Nr. 2 bei membrangestützten mikrobiologischen Analysen.

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Starkes erstes Halbjahr – Wachstumsdelle wieder ausgebügelt

Nach einer vorrübergehenden Wachstumsverlangsamung im vergangenen Jahr drücken die Göttinger wieder auf die Tube. So kletterten die Erlöse im ersten Halbjahr um 8% auf 759 Millionen Euro in die Höhe. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich auf rund 190 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von fast 10%. Das bereinigte Ergebnis legte unterdessen auf knapp 80 Millionen Euro zu. Das entspricht einem Plus von 14,2% und einer Gewinnmarge von 10,5%.

Firmenboss legt Messlatte höher

Nach der starken Entwicklung im ersten Halbjahr schraubt Firmenchef Dr. Joachim Kreuzburg die Ergebnisse nach oben. Im Gesamtjahr soll der Umsatz nun um etwa 12 bis 15% klettern, wie der Konzern mitteilte. Zuvor hatte Sartorius noch eine Steigerung um etwa 9 bis 12% angepeilt.

Besonders imposant erscheint dabei die Langfristplanung: Bis zum Jahr 2025 will der Sartorius-Chef die Erlöse seines Unternehmens auf rund 4 Milliarden Euro steigern. Für Sie zum Vergleich: Das wäre fast eine Verdreifachung der Umsätze im Vergleich zum Jahr 2017, als der Umsatz des Spezialisten für Laborausrüstung noch bei 1,4 Milliarden Euro lag.

MDAX-Aufstieg kurbelt die Nachfrage an

Nach dem beeindruckenden Kursanstieg liegt der Börsenwert der Firma mittlerweile bei gut 10 Milliarden Euro. Auch wenn der Aufstieg in den MDAX damit so gut wie sicher ist, erscheint der momentane Höhenflug etwas bedenklich. Keine Frage: Es handelt sich bei dem Unternehmen um eine exzellent geführte Firma mit einer herausragenden Marktposition.

Dennoch ist die Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis 55) ausgesprochen sportlich. Größere Enttäuschungen kann sich der Traditionskonzern auf diesem Niveau keine leisten. Das sehen auch die Analysten so: Von 29 Analysten, die sich mit der Aktie befassen, rät derzeit lediglich einer zum Kauf der Aktie.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.