Sartorius-Aktie: Wie es nach der fulminanten Kursrally weitergeht

Sartorius-Aktie: Währungseffekte sorgen für Bremsspuren. Firmenboss zeigt sich zuversichtlich und peilt weiteres Wachstum an. Bewertung sportlich - Analysten zeigen sich zunehmend zurückhaltend (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Beim Blick auf den Aktienkurs des Laborausrüsters Sartorius dürfte Langfristanlegern ganz warm ums Herz werden. Wer zum Jahresanfang 2009 bei dem Familienunternehmen einstieg, konnte sich die Papiere noch für unter 2 Euro je Stück ins Portfolio legen. So günstig kommen Sie heute nicht mehr zum Zug. Kürzlich markierte die Aktie bei 140 Euro ein neues Rekordhoch, bevor eine kleine Korrektur die Papiere auf 125 Euro runterdrückte.

Sartorius im Porträt

Die 1870 gegründete Sartorius AG zählt heute zu den weltweit führenden Zulieferern der Biopharma- und Laborbranche mit Sitz in Göttingen und über 7.500 Mitarbeitern. Die Lösungen tragen dazu bei, dass komplexe und qualitätskritische Prozesse in der Produktion wie im Labor effizient realisiert werden können.

Zum Portfolio gehören Produkte in den Bereichen Zellkulturmedien, Fermentation, Zellernte, Pufferlösungen sowie Laborinstrumente wie Pipetten und Verbrauchsmaterialien. Darüber hinaus stellt Sartorius Industriewaagen für verschiedene Anwendungen in der Chemie-, Pharma- und Nahrungsmittelindustrie her.

Weltweiter Marktführer in Nischengebieten

Dabei ist die Markstellung des Konzerns wirklich beeindruckend. Bei Produkten und Technologien zur Herstellung von biologischen Medikamenten ist Sartorius weltweit führend. Über 85% vom Umsatz werden aus Positionen als Nr. 1-3 generiert; ca. 75% vom Umsatz ist wiederkehrend.

So ist Sartorius weltweit die Nr. 1 bei Fermentation und Fluid Management, die Nr. 3 bei Filtration und war ein Vorläufer bei Einwegtechnologie, die beständig Marktanteile hinzugewinnt. Bei Laborwaagen, dem Ursprung des Unternehmens, ist Sartorius weltweit die Nr. 2, neben der Nr. 4 bei Pipetten, Nr. 3 bei Laborfiltration und Nr. 2 bei membrangestützten mikrobiologischen Analysen.

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Starker Euro trübt Quartalsergebnis ein

Zum Jahresbeginn konnte der Konzern die Anleger aber nicht komplett überzeugen. Sowohl Umsatz als auch das Ergebnis lagen, vor allem durch negative Wechselkurseffekte, unter den Erwartungen der Analysten. So legte der Konzernumsatz um 6% auf 365 Millionen Euro zu. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um knapp 5% auf fast 89 Millionen Euro – auch hier lagen die Schätzungen höher. Unter dem Strich stand ein Gewinn von gut 37 Millionen Euro – das sind 8% mehr als ein Jahr zuvor.

Konzernchef zeigt sich zuversichtlich

Dennoch zeigt sich Firmenboss Joachim Kreuzburg zuversichtlich. Sowohl die Herstellung von Biopharmazeutika als auch das Geschäft mit Laborausrüstung entwickelt sich erfreulich. Für 2018 peilt Sartorius weiterhin einen Zuwachs beim Konzernumsatz von etwa 9 bis 12% und ein Plus von rund 0,5 Prozentpunkten für die operative Ertragsmarge (Vorjahr: 25,%) an. Bis 2025 hat sich das Unternehmen eine Verdreifachung der Umsätze auf bis zu 4 Milliarden Euro vorgenommen. Die operative Marge soll im selben Zeitraum auf rund 28% zulegen.

Analysten senken den Daumen

Nach der beeindruckenden Kursrally der vergangenen Monate senken die Analysten aber langsam den Daumen. Von 16 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, rät lediglich einer zum Kauf der Papiere. Die überwiegende Mehrheit (10 Analysten) sehen in dem Titel eine Halteposition, während 5 der Banker sogar den Verkauf der Aktie empfehlen.

Der Grund für die defensive Sichtweise dürfte vor allem in der Bewertung liegen. Denn bei einem erwarteten Gewinn von 2,27 Euro je Aktie liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis immerhin bei 64. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt momentan bei 104,27 Euro und damit 17% unter dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.