Saudi Aramco: Rekordbörsengang mit Stolpersteinen

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Wertvoller als Apple, erfolgreicher als Alibaba – Saudi Aramco trumpft mit seinem Börsengang groß auf. Dennoch gibt es Schattenseiten. (Foto: Peter Beens)

Saudi Aramco hat es geschafft: Der Schritt ans Parkett geht als der bislang größte Börsengang aller Zeiten in die Finanzgeschichte ein.

Mit Einnahmen von umgerechnet rund 23,1 Milliarden Euro übertrumpfte der IPO den Börsengang von Alibaba. Der chinesische Internetkonzern hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2014 rund 22,5 Milliarden Euro eingefahren.

Es ist nicht der einzige Rekord, den die Saudis knacken konnten: Mit einem Gesamtwert von 1,53 Billionen Euro stellt der Ölkonzern selbst Apple in den Schatten und gilt nun als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt.

Investitionen in Tourismus und Co.

Beide Rekorde streicheln das Ego der Saudis, es geht nicht nur um Einnahmen, es geht auch um Prestige. Immerhin sollen die Gelder genutzt werden, um andere Industriezweige jenseits der Ölförderung zu stärken, den Tourismus etwa. Doch damit Besucher in das Land strömen, ist erst einmal eine Imagekampagne erforderlich. Bislang gilt Saudi Arabien gerade für westliche Touristen nicht unbedingt als Urlaubsziel. Man fürchtet unter anderem die strengen Regeln, die der Kronprinz zuletzt zu lockern begann.

Nicht nur Touristen machen bislang einen Bogen um das Land. Auch an der Börse riss man sich nicht gerade um Aramco Aktien. So blieb der Börsengang trotz der skizzierten Rekorde hinter den eigentlichen Erwartungen des saudischen Königshauses zurück.

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Saudisches Königshaus hatte deutlich mehr erwartet

So hatte Kronprinz Mohammed bin Salman ursprünglich eine Platzierung von 5 Prozent der Unternehmensanteile geplant. Dies hätte etwa 100 Milliarden Dollar eingebracht und den Unternehmenswert auf 2 Billionen Dollar oder 1,8 Billionen Euro gesteigert. Stattdessen gingen nun gerade einmal 1,5 Prozent der Anteile in Streubesitz.

Dass die Aktien bis auf weiteres nicht an großen internationalen Finanzplätzen, sondern lediglich am heimischen Parkett in der Hauptstadt Riad gehandelt werden ist ein zusätzlicher Hinweis auf die Schwierigkeiten, mit denen sich Saudi Aramco am Markt konfrontiert sieht. Es sind vor allem saudische Investoren, die die Chance ergriffen haben, sich beim wichtigsten Unternehmen des Landes einzukaufen. Wohlhabende Familien sollen gedrängt worden sein, Anteile zu erwerben, um eine Blamage beim Börsengang zu verhindern.

Ölgeschäft: Im 21. Jahrhundert ein Risiko

Das Dilemma liegt auf der Hand: Das Unternehmen gilt als intransparent, der Staat dahinter als schwierig, die Golfregion als instabil und das Ölgeschäft als zukunftsgefährdet. Die zunehmenden weltweiten Debatten rund um den Klimawandel und ökologisch nachhaltige Alternativen zu Verbrennungsmotoren setzen die Ölindustrie mächtig unter Druck.

Das schwarze Gold der vergangenen Jahrzehnte droht im 21. Jahrhundert massiv an Wert zu verlieren. Auf dem Geschäft mit dem Rohstoff fußt jedoch die gesamte bisherige Wirtschaftskraft der Region. Der holprige Börsengang von Saudi Aramco und die geplanten Investitionen der so akquirierten Geldmittel in den Tourismus und andere Branchen zeugen von dieser Entwicklung.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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