Sauerei: US-Bürger kassieren – Deutsche zahlen

Lieber Leser,

sind Sie Deutscher? – Pech gehabt! Überweisen Sie doch in vorauseilendem Gehorsam gleich ein paar Scheinchen an VW.

Nein, nein: natürlich nicht, um erfolgte oder noch bevorstehende Millionen-Zahlungen – z. B. an den langjährigen VW-Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piëch, den Ex-VW-Chef Martin Winterkorn oder andere VW-Manager – zu finanzieren.

Aber Sie müssen auch überhaupt nichts überweisen, das geht automatisch. Ein Griff in Ihr Portemonnaie erledigt das.

Denn die Finanzierung von VW läuft z. T. über die Sozialkassen. Da müssen Sie zahlen. Dazu gleich mehr.

Sie sind Deutscher und kein VW-Kunde? – Trotzdem Pech gehabt! Auch Sie zahlen Ihren Solidaritäts-Beitrag an VW.

Sind Sie US-Bürger und VW-Fahrer? – Glückwunsch! Sie können Ihr Portemonnaie ebenfalls öffnen – ganz weit. Auf Sie wartet aber ein netter Geldsegen.

Denn VW schiebt Ihnen da ein paar Tausender rein, wenn Sie einen der von den Abgas-Manipulationen betroffenen VWs fahren.

Der Hintergrund

  1. US-Fahrer bekommen Tausende – Deutsche gehen leer aus

VW-Abgas-Skandal in den USA: VW hat Abgastests manipuliert und die Schuld eingestanden. Die US-Justiz hat mit VW einen milliardenschweren Deal ausgehandelt.

Die Medien berichten von 15 Mrd. US-Dollar Kosten für VW. Betroffene VW-Fahrer in den USA können sich auf bis zu 10.000 US-Dollar Entschädigung freuen.

VW-Abgas-Skandal in Deutschland: Dieselbe Manipulation, aber deutsche VW-Fahrer bekommen nichts – fertig! So weit, so schlecht…

  1. VW muss sparen – Deutsche zahlen

Derzeit beherrscht der Zulieferer-Streit die Schlagzeilen um VW. Ein Zulieferer liefert nicht. Nach seinen Angaben wehrt er sich gegen eine frist- und grundlose Kündigung von Aufträgen seitens VW. VW sieht das anders.

Soll mir egal sein. Hier streiten 2 Geschäfts-Partner. Die sollen sich einigen oder auch vor Gericht ziehen. Ich will damit nichts zu tun haben und schon gar nicht dafür bezahlen.

Nun spart VW Geld dadurch, dass Zulieferer „just in time“ direkt ans Fließband liefern.

  • Wenn es klappt, verdient VW Milliarden. Der Vorstand kassiert Millionen.
  • Wenn es nicht klappt, stehen die Bänder still und VW verliert Milliarden. Der Vorstand kassiert trotzdem Millionen.

Jetzt stehen die Bänder bei VW durch den Streit still. Nun kommt der Trick. VW hat Kurzarbeit angemeldet.

Die vom Bandstillstand betroffenen VW-Arbeiter erhalten für einen Teil des Lohnausfalls Kurzarbeiter-Geld von der Arbeitsagentur. Den betroffenen VW-Arbeitern sei es von Herzen gegönnt. Die können nichts dafür.

Kurzarbeitergeld wird aus Sozialkassen (das ist das Geld der Beitragszahler) finanziert. Beitragszahler sind alle Arbeitnehmer; also Sie und ich, soweit Sie Beitragszahler sind, waren oder werden.

Warum, so meine unbeantwortete Frage, warum soll ich für einen Streit unter Geschäfts-Partnern bezahlen? Und nun sage keiner, irgendwo müsse das Geld für die Schadensersatz-Zahlungen in den USA und Manager-Bezüge ja herkommen!

Unzulässige Vermischung mehrerer Vorgänge?

Ich vermische hier 3 Vorgänge:

  1. Abgas-Skandal
  2. Bezüge leitender VW-Manager
  3. Zulieferer-Streit

Sauerei

Aber wenn Sie in Ihr Portemonnaie schauen, ist es egal, durch welchen Vorgang ein paar tausend Dollar hinein (USA) oder etliche Scheinchen hinaus (Griff in Sozialkasse, in die Sie einzahlen) wandern.

Der eine hat mehr Geld, der andere weniger. Insofern halte ich diese Vermischung für zulässig. Vermutlich ist juristisch alles korrekt. Am Stammtisch würde ich aber sagen: Die Vorgänge halte ich für eine Sauerei.

23. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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