Schaeffler-Aktie kommt günstig an die Börse

Das Umfeld hätte nicht viel schlechter sein können, doch am Ende hat es Schaeffler dann doch noch geschafft. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Das Umfeld hätte nicht viel schlechter sein können, doch am Ende hat es Schaeffler dann doch noch geschafft. Der Auto- und Industriezulieferer legte heute ein gelungenes Börsendebüt hin: seine Aktie startete mit 13,50 Euro deutlich oberhalb des Ausgabepreises von 12,50 Euro je Wertpapier. Im Laufe des Tages stieg die Aktie in der Spitze sogar bis auf 13,75 Euro.

Der IPO-Preis für die insgesamt 75 Mio. Vorzugsaktien lag also im unteren Bereich der bereits reduzierten Angebotsspanne von 12 bis 14 Euro. Der Bruttoerlös aus dem Börsengang belief sich damit auf 938 Mio. Euro – davon fließen Schaeffler 825 Mio. Euro zu.

Angesichts des VW-Dieselgates hatten Analysten einen schwachen Börsenstart befürchtet. Zumal Schaeffler wegen des Abgas-Skandals bei Volkswagen und der unsicheren Börsenstimmung in den Vorwochen seine Börsenpläne schon deutlich reduziert hatte.

Im Frühjahr folgt der zweite Schritt

Die Papiere waren bei dem holprigen Börsengang lediglich institutionellen Investoren angeboten worden, die nur zögerlich zugriffen. Erst als das Schaeffler-Management seine ursprünglichen Erwartungen herunterschraubte, griffen die Investoren. Dennoch musste der Wälz- und Kugellagerhersteller den ersten Handelstag seines Papiers um einige Tage verschieben.

Heute hat Schaeffler nur einen Teil der geplanten Anteilsscheine an die Börse gebracht. Aus dem insgesamt 166 Mio. Stück umfassenden Aktienpaket haben nun 75 Mio. Stück einen neuen Besitzer gefunden – das bedeutet, dass sich jetzt 11 Prozent des Gesamtkapitals in Streubesitz befinden.

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Im kommenden Frühjahr sollen die restlichen 91 Mio. Wertpapiere platziert werden – das Schaeffler-Management hofft dann auf ein deutlich freundlicheres Börsenumfeld.

Börsengang dient zur Schuldentilgung

Schaeffler-Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann betonte unterdessen, dass das Unternehmen auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben werde. „Als Gesellschafter übernehmen wir unverändert Verantwortung, damit sich unsere Unternehmensgruppe im Interesse unserer Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter weiterentwickelt.“

Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will Schaeffler vor allem seine immensen Schulden (rd. 10 Mrd. Euro) abbauen. Das Unternehmen hatte sich während der Finanzkrise 2008 mit der Beteiligung am Wettbewerber Continental finanziell übernommen, indem es zu einem Garantiepreis Conti-Aktien erwarb, die nach der Lehmann-Krise nur noch einen Bruchteil dessen wert waren.

Mittlerweile ist es Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld gelungen, das Unternehmen auch in finanzieller Hinsicht neu aufzustellen.

Nach dem erfolgreichen Börsengang sollte die Schaeffler-Aktie in den kommenden Tagen zusätzlich von der allgemein breiten Erholung der Auto- und Zuliefereraktien profitieren.


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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.