Schafft die Deutsche Bank diesmal die Trendwende?

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Die Deutsche Bank verordnet sich einen Radikalumbau: 18.000 Mitarbeiter weltweit müssen sich einen neuen Job suchen. (Foto: Vyautas Kielaitis/ shutterstock.com)

An Tagen wie diesen zeigt sich die Börse von ihrer unmenschlichen Seite. Zumindest im ersten Moment.

Das Management der Deutschen Bank hat am Sonntag schwerwiegende Maßnahmen beschlossen:

Das Kreditinstitut trennt sich vom eigenen Aktienhandel. Eine gigantische Zahl von 18.000 Mitarbeitern wird sich daher in den kommenden Wochen und Monaten einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen. Traurig, traurig!

Als ehemaliger Angestellter der Deutschen Bank gilt den betroffenen Bankern mein besonderes Mitgefühl. Aber: Die Kosten müssen dramatisch gesenkt werden – ansonsten droht dem einstigen Renommier-Institut der Kollaps. Wenigstens müssen auch 3 Vorstandsmitglieder ihren Hut nehmen.

Der Aktienmarkt belohnt dies  – zumindest in den ersten Vormittagsstunden – mit einem kräftigen Kursanstieg. So grausam kann Börse sein – doch hier zählt nicht der betroffene Mensch, sondern nur, was die Erwartung auf künftige Gewinnpotenziale stützt.

Wir schauen auf die Charttechnik, ob die in den vergangenen Jahren schon unzählige Male angenommene, aber nie vollzogene Trendwende für den Deutsche Bank-Kurs diesmal möglich erscheint.

Das macht mich einfach nur wütend!

Bei dem bloßen Gedanken daran steigt in mir eine unbändige Wut auf: Wieder einmal müssen viele, an dem Desaster völlig unschuldige Mitarbeiter für die Taten ihrer Ex-Chefs büßen.

Noch schlimmer: Die Verursacher, die eigentlich Verantwortlichen der zahllosen illegalen Machenschaften, in welche die Bank seit Jahren verstrickt ist, bekamen ihren Tritt in den Allerwertesten nicht selten noch mit einer schicken Abfindung versüßt!

Die riesige Entlassungswelle ist dabei nur beim Blick durch die rosarote deutsche Brille halbwegs erträglich: Es ist vor allem der Bereich Investmentbanking betroffen. Und da sitzen die meisten Mitarbeiter im Ausland mit Schwerpunkt London und New York.

Der Radikalumbau kostet Geld – viel Geld!

Die Trennung von 18.000 Mitarbeitern ist allerdings nicht zum Nulltarif zu haben. Tatsächlich kostet es die Bank richtig viel Geld: Von 7,4 Mrd. Euro ist die Rede, die der Konzernumbau bis 2022 die Deutsche Bank kosten dürfte. Warum?

Weil insbesondere die Mitarbeiter aus dem Investmentbanking Arbeitsverträge besitzen, die mit teils enormen Bonuszahlungen verknüpft sind. Das ist seit Jahrzehnten Usus in diesem Geschäft und aus Wettbewerbsgründen (leider) gar nicht anders machbar.

Doch diese Verträge nun aufzulösen, bedeutet für die Deutsche Bank, enorme Abfindungszahlungen aufwenden zu müssen. Für das 2. Quartal wurde auch schon einmal ein Milliardenverlust angekündigt.

Finanziert werden soll der Umbau unter anderem durch Streichung der Dividende für die kommenden 2 Geschäftsjahre. Lobenswert!

Ich werde es ohnehin nie verstehen, warum Aktiengesellschaften, die Verluste schreiben, dass auch noch mit einer Dividendenzahlung belohnen? Besser wäre es doch wohl, das Geld zu sparen bzw. so zu investieren, dass künftig wieder Gewinne erwirtschaftet werden können?!

RSI: Nur ein schwaches Kaufsignal

So erfreulich Kostensenkungsmaßnahmen vom Aktienmarkt auch immer aufgenommen werden: Schließlich ist es die Aussicht – oder in diesem Fall besser gesagt die „Hoffnung“ – auf zu erzielende Gewinne, die den Aktienkurs nach oben treiben.

Doch der Chart sagt Ihnen, ob solche Erwartungen auch realistisch sind. Schauen wir daher gemeinsam auf einen Monats-Chart:

Deutsche Bank: Relative-Stärke-Index mit schwachem Kaufsignal

Den Chart hatte ich Ihnen übrigens schon am 20. Mai dieses Jahres bei meiner letzten Deutsche Bank-Analyse präsentiert. Hier noch einmal meine seinerzeitige Einschätzung:

„Die in meiner Analyse vor Jahresfrist beschriebene Seitwärts-Bewegung im Relative-Stärke-Index hält an (blaues Rechteck). Tatsächlich bewegt sich der Trend-Intensität-Indikator am unteren Ende der Spanne. Von einem Ausbruch nach oben ist der RSI also noch weit entfernt.“

Diese Einschätzung ist auch heute noch gültig. Mit einem kleinen Zusatz: Seit Ende Mai zeigt der Relative-Stärke-Index (RSI) nach oben – möglicherweise zeichnet sich nun ein Bruch des seit Ende 2017 bestehenden Abwärtstrends im Trend-Intensitäts-Indikator ab (grüner Ring).

Und noch etwas macht dieser Monats-Chart sichtbar: Der Anstieg von in der Spitze immerhin +23% seit dem Mai-Tief fällt in der Gesamtbetrachtung kaum ins Gewicht.

Großinvestoren nicht wirklich überzeugt vom Trendwechsel

Auch die folgende Grafik präsentierte ich Ihnen im Mai. In diesem Tages-Chart ist das On-Balance-Volumen (OBV) eingeblendet:

Dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Schlusskursänderungen mit den dazugehörigen Umsätzen und erlaubt Ihnen so, das Verhalten der Großinvestoren zu verfolgen.

Deutsche Bank: Großinvestoren nicht wirklich überzeugt vom Trendwechsel

Sie sehen es selbst: Das OBV zeigt seit Mai eine kleine Aufwärtsbewegung. Allerdings muss sich diese noch gewaltig verstärken, bevor der (beschleunigte) Abwärtstrend seit Anfang 2017 auch nur in Gefahr gerät, nach oben durchbrochen zu werden (blauer Kreis).

Der Aktienkurs lugte selbst nach der anfänglichen Euphorie am Montagmorgen nur gerade eben aus dem Abwärtstrend seit 2017 heraus (gelber Kreis). Für mich wäre das eher ein Punkt für schnelle Gewinnmitnahmen – das sehen die Aktionäre offensichtlich inzwischen genauso.

Fazit

Die Deutsche Bank verabreicht sich – ich bin geneigt zu sagen: endlich – eine Radikalkur. Das ist hart für die (bis heute) rund 18.000 Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden, während die Schuld dafür gut bezahlte Manager tragen.

Damit nicht genug, ist der Umbau mit immensen Kosten verbunden. Eine schnelle Änderung hin zu dauerhaften und soliden schwarzen Zahlen geht damit nicht einher.

Das sieht offensichtlich auch die Börse so: Der anfängliche Freudensprung des Aktienkurses hat sich bis zum Mittag in ein Minus von rund -2% verändert.

Die Charttechnik gibt – noch immer – keine Entwarnung für die Deutsche Bank-Aktie. Sie verpassen daher wohl vorerst noch nichts, wenn Sie sich auch weiterhin von dem Bankwert fernhalten!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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