Schalke-Anleihe: Nur etwas für risikobereite Fans

Der DAX hat heute erneut den Kampf gegen den charttechnischen Widerstand bei 6.400 Punkten verloren und geriet anschließend deutlich unter Druck.

Das Tageshoch lag bei 6.392 Punkten. Die Marke von 6.400 Punkten wollte jedoch nicht fallen. Es folgte der Absturz auf 6.280 Punkte (-1,8%).

Begründungen, die Aktienverkäufe trotz der niedrigen Bewertung rechtfertigen, sind in diesen Tagen leicht zu finden. Das Argument Euro-Krise zieht immer.

Aktuell müssen Italien und Spanien über 6% Zinsen zahlen, wenn sich die beiden Euro-Länder langfristig Geld am Kapitalmarkt leihen wollen. Genau diese 6%-Marke gilt bei Staaten als Schmerzgrenze. Die Refinanzierung der Schulden wird dann zu teuer.

Interessant: Das Land Spanien und der Fußballverein Schalke 04 müssen fast den identischen Zins-Satz am Kapitalmarkt zahlen. Heute, am 30. Mai, beginnt für Schalke das Leben am Kapitalmarkt.

Dortmund und Schalke am Kapitalmarkt vereint

Sportlich lief es für die Fußballvereine Borussia Dortmund und Schalke 04 zuletzt sehr gut. Der BVB verteidigte den Meistertitel in der Bundesliga und holte zum ersten Mal in der langen Vereinsgeschichte das „Double“ (Gewinn von Meisterschaft und Pokal in einer Saison).

Schalke erreichte im Endspurt der Bundesliga den dritten Platz und sicherte sich damit die direkte Qualifikation für die Champions League (CL). Die CL-Teilnahme dürfte in der Saison 2012/2013 mindestens 20 Mio. Euro in die Vereinskasse spülen.

Die sportlichen Erfolge in der Saison 2011/2012 und die regionale Nähe sind jedoch nicht die einzigen Gemeinsamkeiten: Ab Juni sind Dortmund und Schalke die einzigen beiden deutschen Fußball-Clubs, die an der Börse aktiv sind.

Die Aktie des Dortmunder Fußballvereins notiert bereits seit dem Jahr 2000 an der Börse. 12 Jahre später betritt auch der Erzrivale Schalke 04 das Börsenparkett.

Schalke platziert keine Aktien an der Börse, dafür aber die erste börsengehandelte Unternehmensanleihe (es gab schon vorher Fußball-Anleihen in Deutschland, jedoch keine, die börsennotiert waren).

Schalke bietet 6,75% Zinsen

Die Eckdaten der Anleihe, die ab heute gezeichnet werden kann: Schalke will sich für eine Laufzeit von 7 Jahren 50 Mio. Euro leihen. Mit dem Erlös sollen die Alt-Schulden neu finanziert werden. Der Zinssatz liegt bei 6,75%.

Damit auch Kleinanleger zugreifen, wurde ein relativ geringer Nennbetrag (gleichzeitig Mindestgröße) von 1.000 Euro festgelegt. Nach der Zeichnungsphase soll die Anleihe an der Börse Frankfurt notieren (Entry Standard). Die Anleihe kann dann börsentäglich ge- und auch verkauft werden.

Die Konditionen der Anleihe wirken attraktiv. Aber sollten Privatanleger zugreifen? Meine Empfehlung lautet: Meiden Sie börsengehandelte Fußball-Investments!

Das Fußballgeschäft ist unberechenbar

Fußball ist für viele Menschen das schönste Hobby der Welt, aber Geld kann man damit an der Börse nur sehr schwer verdienen.

Fast alle Fußball-Aktien notieren weit im Minus. Selbst der aktuelle Vorzeigeverein Borussia Dortmund bietet an der Börse ein Trauerspiel. Die Aktie wurde zum Preis von 11 Euro an der Börse platziert und notiert aktuell weit unter der 3-Euro-Marke.

Weder die Einnahmen aus der Champions League, noch die explosionsartige Wertsteigerung des Spielerkaders konnten dafür sorgen, dass die BVB-Aktie Richtung Ausgabepreis steigt. Die Profi-Investoren haben schlicht und einfach Zweifel, ob Fußballvereine dauerhaft hohe und berechenbare Gewinne erwirtschaften können.

Sportlicher Abstieg ist auch ein finanzieller Abstieg

Eine Aktie lebt von steigenden Gewinnen. Bei einer Anleihe darf der Emittent nur nicht Pleite gehen und muss „nur“ regelmäßig Zinsen zahlen und am Ende der Laufzeit den Nennwert zurückzahlen.

Doch das hört sich einfacher an als es in der sportlichen Wirklichkeit ist. In der Pressemitteilung wirbt Schalke damit, dass der Verein in den vergangenen 10 Jahren 9 Mal an einem europäischen Wettbewerb teilgenommen hat.

Die Aussage ist korrekt. Aber: Es reicht ein einziges „Seuchenjahr“ (viele Verletzungen, neue Spieler schlagen nicht ein, falscher Trainer), um den Verein finanziell Richtung Abgrund zu treiben.

So wird in der Pressemeldung des Vereins nicht erwähnt, dass Schalke in der Vorjahressaison 2010/2011 nur Platz 14 belegt hat und fast bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpfen musste.

Auf Nachfrage eines Analysten, wie sich ein Abstieg finanziell auf Schalke auswirken könnte, antwortete der Verein: „Ein Abstieg ist nicht Teil unserer Planung.“ Es gibt keinen Plan B.

7 Jahre sind zu lang

7 Jahre (so lange läuft die Schalke-Anleihe) sind aus Sportlersicht ein sehr langer Zeitraum.

Wenn Sie vor 7 Jahren einen Fußballfan in Deutschland gefragt hätten, ob Borussia Dortmund im Jahr 2012 in der 2. Bundesliga spielt oder aber Meisterschaft und Pokal gewinnt, hätte wahrscheinlich die Mehrheit auf Variante 1 (2. Bundesliga getippt).

Sportliche Erfolge sind dauerhaft nicht planbar. Die Finanzkraft der Bundesliga-Vereine steht und fällt mit den Einnahmen aus der 1. Bundesliga und der Champions League.

Daher die Empfehlung: Die Schalke-Anleihe ist nur etwas für waschechte Fans, die im Zweifel auch einen Totalverlust verkraften können.

30. Mai 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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