Schau mal, wie die Großen es machen!

Wer meine Investment- und Anlagestrategie kennt, weiß, dass ich ein sehr konservativer Investor bin. Nicht jeder kann mit Immobilien reich werden. (Foto: Alexander Raths / Shutterstock.com)

Wer meine Investment- und Anlagestrategie kennt, weiß, dass ich ein sehr konservativer Investor bin, der keineswegs verspricht, dass jeder „irgendwie“ in Immobilien investieren sollte und dann mehr oder weniger reich würde.

Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß ich, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, auch wenn der Boom der letzten Jahre dies zu versprechen scheint und -auch das ist wahr- einige Investoren sehr schnell und sehr viel Geld verdient haben.

Wer vor 10 Jahren einigermaßen marktüblich gekauft hat, dürfte je nach Standort auf dicke Buchgewinne blicken.

Buchgewinne sind aber, wie der Name schon sagt, Gewinne auf dem Papier, nicht auf dem Konto.

Das sagen sich wohl auch einige Big Player des Immobilienmarktes.

Darüber, wie Immobilienunternehmen auf die Anzeichen einer möglicherweise nahenden Zinswende reagieren, schreibt der IMMOBILIEN MANAGER 4-2018.

So habe die Wertgrund AG Ende 2017 etwa 35 % des Wohnungsbestandes des offenen Fonds Wohnselect D verkauft, sagte Thomas Mayer,  Vorstand der Wertgrund Immobilien AG.

Einen deutlichen Preiseinbruch erwarte er zwar nicht, doch in Metropolen und Schwarmstädten sei eine Korrektur durchaus möglich.

Unter der Überschrift „Den Verkauf wagen“ äußert er die Ansicht,  Manager von Immobilienfonds sollten nicht mehr allzu lange warten, sich von Assets zu trennen.

Er bergründet dies nicht nur mit Kapitalmarktzinsen, sondern führt aus:

„Schließlich sind die deutschen Portfolios voller Objekte, die vor einigen Jahren angekauft und deren Rendite daraufhin optimiert wurde. Diese inzwischen voll entwickelten Immobilien haben in der Regel eine gute Wertsteigerung erfahren, und es ist unwahrscheinlich, dass die Preise in Zukunft noch deutlich weiter steigen werden.

Das gilt beispielsweise für Städte wie Leipzig und Düsseldorf, aber auch für zahlreiche B-Standorte, die in den vergangenen Jahren eine besonders dynamische Marktentwicklung durchlaufen haben. Inzwischen bewegen sich diese allerdings auf ein Preisplateau zu. Mehr noch: Sobald erst einmal Preisrückgänge einsetzen, werden viele potenzielle Investoren abwarten und darauf spekulieren, später noch billiger ankaufen zu können.

James D. Slater: "The Capitalist"James D. Slaters bevorzugte Investment-Strategie verfolgt die vom Markt unterschätzten wachstumsschwachen Unternehmen. › mehr lesen

Wenn es einmal soweit ist, wird der günstige Moment zum Verkauf endgültig verstrichen sein.“*

Was ist für uns, private Immobilieninvestoren daraus zu lernen?

Das muss jeder für sich und seine individuelle Situation einordnen. Ich meine, dass der alte Börsenspruch „an Gewinnmitnahme ist noch keiner gestorben“, hier nicht ganz fehl am Platze ist.

Zumindest dann, wenn die Cash-Quote sehr niedrig ist und der Immobilienbestand eine Teilliquidation ermöglicht.

Das bedeutet höhere Flexibilität und weniger Abhängigkeit vom Markt und der Bank, ohne sich aus dem Markt komplett zu verabschieden.

Warum eine nicht zu knappe Cash-Quote z.B. bei Wertberichtigungen so wichtig ist?

Da kann ein Blick in den Darlehensvertrag unter dem Stichwort Nachbesicherung helfen.

Aber auch generell gilt: Cash is King – war so, bleibt so!

Und beruhigend, ein fettes Polster auf dem Konto zu haben, ist es auch noch!

2018 bleibt es bei dem Grundsatz:

Investieren Sie, aber investieren Sie klug.


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Von: Andreas Sell. Über den Autor

Andreas Sell ist heute als Investor, Geschäftsführer verschiedener Grundstücksgesellschaften, Beiratsmitglied einer Münchener Fondsgesellschaft und Autor tätig.