Schaut Netflix bald in die Röhre?

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Stranger Things bei Netflix: Anleger sehen Dark. Die Aktie fällt außerbörslich um 12 Prozent, weil der Markt offenbar fertig abgegrast ist. (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Haben Sie das auch mitbekommen, wie laut es bei Netflix geknallt hat? Die gerissene Kurslücke ist nicht von schlechten Eltern! Und alles nur, weil plötzlich das Wachstum gesunken ist. Wir sprechen hier immer noch von Wachstum! 2,7 Millionen mehr Kunden konnte der Streaming-Anbieter weltweit dazugewinnen. Das war den Anlegern aber zu wenig. Die Anleger sind mehr gewohnt. 5 Million wurden erwartet.

Außerdem gingen die Kunden in den USA um 130.000 zurück. Das mag auch an der letzten Preisanhebung liegen. Nichtsdestotrotz, das Unternehmen hat außerhalb der USA 152 Millionen zahlende Abonnenten!

Dennoch: Die Enttäuschung war riesig. Die Aktie verlor nachbörslich bis zu 12 Prozent. Auch einen Tag später sieht es nicht besser aus:

Das gehandelte Volumen sehen Sie unter dem Chart. Über 30 Millionen gehandelte Aktien sprechen eine deutlich Sprache. Lohnt sich jetzt ein Einstieg?

Netflix Chartanalyse

Zoomen wir ein wenig heraus und betrachten wir den Wochenchart auf Sicht von drei Jahren. Die 200-Wochenlinie EMA-200 wird nicht einmal berührt. Es zeichnet sich dagegen aber eine Trendlinie ab, die neue Einstiegskurse ermöglichen könnte.

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Warum Netflix seine Content-Strategie ändern willNetflix will in 2017 rund 6 Mrd. US-$ für Content ausgeben und setzt verstärkt auf Eigenproduktionen. Original-Filme könnten daher bald seltener werden. › mehr lesen

Fällt Netflix jetzt in den Bereich um oder unter 300 US-Dollar wird es interessant für die Anleger. Die dargestellte Trendlinie könnte dann erneut ein Sprungbrett für die Kurse sein. Diese haben sich 2016 daran herauf gehangelt. 2017 und 2018 setzten die Aktienkurse von Netflix auch jeweils einmal darauf auf. Danach ging es weiter nach oben.

Spielen wir die Idee weiter, müssen wir also nur auf den nächsten Kontakt mit dieser Linie warten und schon kann die Aktie wieder steigen. Das kann aber noch eine Weile dauern.

Das 62er Fibonacci-Retracement der letzten Aufwärtsbewegung liegt übrigen exakt bei 290 US-Dollar. Im Chart wird diese Kaufmarke die Trendlinie kurz vor Weihnachten treffen.

Schauen wir uns den letzten Abverkauf 2018 an, brauchen die Kurse eine ganze Weile, bis sie den Boden gefunden haben. Sollten die Anleger sich jetzt ähnlich gemächlich von den Aktien trennen, ist die zeitliche Projektion mit Mitte Dezember durchaus denkbar.

Netflix Konkurrenz

Bis dahin ist auch Disney online. Ein großer Konkurrent von Netflix, der den Streaming-Markt neu aufwirbeln wird. Dann kann es genauso gut sein – wenn Disney einen guten Job macht – dass Netflix zum ersten Mal die Trendlinie nach unten durchbricht. Die nächsten Ziele wären dann das Tief von Ende 2018 bei etwa 230 US-Dollar.

Es hier also noch nichts entschieden. Legen Sie sich Netflix ruhig einmal auf Ihre Watchlist. Der Wert ist hochvolatil, da gibt es immer was zu gucken, nicht nur über die Netflix-App.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.