Scheidender Bundesfinanzminister warnt vor neuer Finanzkrise

Vor der Bundestagswahl wollte Wolfgang Schäuble die EZB nicht kritisieren. Nun warnt der Noch-Bundesfinanzminister vor einer neuen Krise: (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Erinnern Sie sich noch daran?

Vor der Bundestagswahl sagte der scheidende Kassenwart des Bundes im Wahlkampf, dass das aktuelle Zinsniveau für die Euro-Staaten in Südeuropa nötig sei.

Er merkte insofern ausdrücklich an, dass er die Geldpolitik der EZB nicht kritisiert.

Abschieds-Interview in der Financial Times

Höchst beachtlich ist aber, was Herr Dr. Schäuble nun im Oktober in seinem letzten Interview als Bundesfinanzminister mit der Financial Times zu sagen hatte.

Interessant ist in dem Kontext auch, dass das Interview in der deutschen Medienwelt fast überhaupt keine Beachtung fand.

Alles in allem ist hier zu konstatieren, dass sich Herr Schäuble mit Blick auf die aktuelle Lage sehr besorgt zeigte.

Er ging sogar so weit, dass er eine explizite Warnung aussprach. Konkret warnt Schäuble vor einer neuen, globalen Finanzkrise.

Zentralbanken pumpen Billionen ins System

Konkret merkte der Minister im Interview an, dass die Zentralbanken weltweit Billionen an Dollars in das Finanz-System gepumpt hätten.

Folglich bestehe die große Gefahr, dass sich deshalb neue Blasen bilden werden.

Richtig ist, dass die sogenannten „Währungshüter“ seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008 mehr als 14.000 Mrd. Dollar mit sogenannten „Quantitative-Easing-Programmen“ ins Finanz-System geschleust haben.

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Gleichzeitig sind die Zinsen weltweit auf ein extrem tiefes Niveau, das es in der Geschichte der Zivilisation so noch nie gab, abgesenkt worden.

Dieser Exzess führt dazu, dass selbst konkursreife Städte wie Offenbach am Main sich mit negativen Zinsen refinanzieren können.

Ja, die Stadt Offenbach macht „Gewinn“ mit der Aufnahme von Kassen-Krediten – kein Wunder, dass Herr Schäuble wirklich besorgt ist.

So sagter er in dem Interview:

„Ökonomen auf der ganzen Welt sind besorgt über die erhöhten Risiken aus der Akkumulation von mehr und mehr Liquidität und das Wachstum der öffentlichen und privaten Schulden. Ich selbst bin auch besorgt darüber.“

Euro-Zone nicht über dem Berg

Ferner zeigte sich Schäuble besorgt wegen akuter Gefahren für die Stabilität der Euro-Zone. Diese hätten ihren Ursprung in den faulen Krediten, insbesondere in den südeuropäischen Ländern.

Folglich setzt sich der scheidende Bundesfinanzminister auch für die Fortführung der Austeritäts-Politik in Südeuropa ein.

Wörtlich merkte er an, dass das Wort Austerität nichts anderes als der angelsächsische Ausdruck für eine „solide Finanz-Politik“ sei.

Ja, liebe Leser, zum Abschied als Finanzminister zeigt sich Herr Schäuble sehr besorgt – zweifelsohne, die Sorge ist vollumfänglich berechtigt.

Daher ist es schon extrem verwunderlich, dass das Treiben an den Aktienmärkten mit Blick auf die Volaltilität aktuell von einer historischen Sorglosigkeit geprägt ist – noch…


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.