Das Szenario 2016: Der Zerfall der EU

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2016 ist ein Schicksalsjahr für Europa. Wenn die EU zerfällt, droht ein schreckliches Szenario. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Hoffentlich sind Sie gut in das neue Jahr gestartet. Auch wenn die Vorzeichen für ein “glückliches” Jahr alles andere als positiv stehen.

Wir haben bereits gesehen, dass Experten 2016 als ein Schicksalsjahr für Europa prognostizierten.

Schuld daran ist nicht nur die bis heute ungelöste Finanz- und Wirtschafts-Krise, sondern auch das Flüchtlings-Drama.

In den letzten 3 Beiträgen aus dieser Reihe haben wir Ihnen anhand der System-Theorie und Komplexitäts-Forschung bereits einige Auswirkungen des EU-Zerfalls-Dramas aufgezeigt.

EU-Zerfalls-Szenario: 2016 als Schicksalsjahr

Die europäische Währungs-Einheit scheitert aufgrund des finanziellen Missmanagements verschiedener Regierungen.

Staatsschulden können nicht mehr bedient werden. Alle Instrumente der EZB erweisen sich als wirkungslos.

Der Euro weicht weiter auf. Bürger, Sparer und Steuerzahler verlieren das Vertrauen, Investoren fliehen in andere Währungen.

Der Euro-Währungsflucht folgt ein Abwertungskampf, der den europäischen Binnenmarkt vollends in den Abgrund reißt. Die Investoren und Märkte geraten in Panik.

Die nationalen Wirtschaften brechen zusammen. Mit ihnen die Euro-Zone und damit auch die Europäische Union. Tausende Unternehmen gehen Pleite.

Die (einstigen) südeuropäischen Krisenländer erklären den Staatsbankrott. Die EZB, die in den vergangenen Jahren hunderte Mrd. € an faulen Staatskrediten aus diesen Ländern aufkaufte, wird aufgelöst.

Die Regierungen müssen neue Milliarden-Kredite im Ausland aufnehmen. Manche Staaten erhöhen drastisch die Steuern.

Andere wiederum enteignen die Bürger mit einer Hyper-Inflation, um die Staatsschulden zu schmälern.

Die früheren Mitgliedsländer der EU kehren zu ihren einstigen nationalen Währungen zurück, die allerdings erheblich von ihrer früheren Kaufkraft verloren haben.

Immer mehr Menschen kehren den von Bürgerkrieg, Hungersnot und Arbeitslosigkeit bedrohten und kollabierten Euro-Ländern den Rücken. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien rückt in den Fokus der neuen Wirtschafts-Flüchtlinge.

Aufgrund des ungebrochenen Ansturms von mittellosen Immigranten macht die Insel ihre Grenzen dicht. Großbritannien, der frühere Zankapfel in der EU, wird plötzlich zu einem neuen “gelobten Land”.

“Run” auf Großbritannien

Nachdem auf Anordnung des britischen Außenministeriums britische Staatsbürger und Botschafts-angehörige aus den Krisenherden auf dem Festland ausgeflogen worden sind, wird zunächst auch der Luftverkehr komplett eingestellt.

Bereits Jahre zuvor befürchtete die Regierung im Fall eines Euro-Zusammenbruchs einen regelmäßigen “Run” auf die Insel.

Allerdings kommen auch auf die Briten schwere Zeiten zu, denn einst legten einheimische Banken hunderte Milliarden Pfund in den EU-Währungsländern an.

Mit deren Staatsbankrott lösen sich diese Investitionen praktisch über Nacht in Luft auf und bringen viele britische Geldinstitute an den Rand des Kollapses.

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Nun muss London Pläne für eine massive Bankenrettung ausarbeiten, bevor auch der Inselstaat im Chaos versinkt.

Und dies bedeutet für die britische Bevölkerung noch mehr Sparreformen und Sozialkürzungen.

Flucht & die Auswirkungen auf die gecrahste Euro-Zone

Auch die Regierungen in der gecrashten Euro-Zone reagieren auf die Welle von Wirtschafts-Flüchtlingen und die massive Kapitalflucht: Kurzerhand setzen sie das Schengen-Abkommen außer Kraft.

Einst garantierte es für die Länder im Schengenraum Reisefreiheit ohne stationäre Zollkontrollen des Personenverkehrs an den Binnengrenzen und ohne Zoll-Formalitäten.

Teilweise sind diese jedoch bereits aufgrund der Flüchtlings-Ströme aus dem Nahen Osten und Afrikas wieder eingeführt worden.

Hauptsächlich in den Balkanstaaten, die auf der sogenannten Balkan-Route liegen.

Grenz- und Kapitalverkehrs-Kontrollen werden wieder eingeführt, um illegale Waren- und Geldein- und -ausfuhren zu reglementieren. Vor allem aber, um die Kapitalflucht zu verhindern.

Die ehemaligen EU-Länder lösen die einheitlichen Umweltschutz-Bestimmungen wieder durch nationale Vorschriften ab.

Auswirkungen auf die globale Realwirtschaft

Aufgrund ökonomischer Domino-Effekte hat der Euro-Crash auch schwere Auswirkungen auf die globale Realwirtschaft:

Sie rasselt in eine schwere globale Rezession, die zu heftigen, teils dramatischen Turbulenzen an den weltweiten Börsen führt.

Der Zusammenbruch stürzt Europa nicht nur geradewegs ins Chaos mit schweren ökonomischen Konsequenzen in den europäischen Volkswirtschaften, tiefen sozialen Spannungen und politischen Instabilitäten, sondern löst auch eine neue Weltwirtschaftskrise aus.

Weltweite Wirtschaftskrise

Der weltweite wirtschaftliche Schaden der Total-Erosion der Euro-Zone beträgt annähernd 20 Bio. €.

Die Vereinten Nationen starten für die ehemalige Euro-Zone ein Wiederaufbau-Programm. Oberste Priorität ist dabei die Bekämpfung der Hungersnot.

Eine internationale Schulden-Konferenz zur Umstrukturierung der Schulden der insolventen Staaten wird einberufen.

Die deutschen Auslands-Forderungen belaufen sich mittlerweile auf mehrere Bio. (ehemalige) €. Doch die Schuldner-Staaten sind nicht in der Lage diese zu bedienen.

Unter den ehemaligen EU-Finanzministern bricht Streit darüber aus, welches Land welche alten Euro-Schulden – umgerechnet in die neuen Landeswährungen – zu bezahlen haben.

Die Gefahr eines neuen Krieges droht …

Erschreckendes Szenario

Das Szenario eines EU-Zerfalls ist wahrlich erschreckend. Hoffen wir, dass es soweit nicht kommt – v. a. nicht unter diesen Vorzeichen.

Die finanzpolitischen und wirtschaftlichen Probleme, samt der Flüchtlings-Krise müssen zeitnah gelöst werden. Sonst sieht es wahrhaft düster aus – für Europa, für uns alle.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.