Schlumberger-Aktie: Ölkonzerne investieren wieder

Er ist ein echtes Problem für die Branche – und er könnte sich zum Boomerang entwickeln:

Der sinkende Ölpreis hat die jahrelang erfolgsverwöhnten Konzerne aus der Ölförder-Branche kräftig durcheinandergebracht.

Nach jahrelang hohen Preisen waren die entsprechenden Gewinne quasi schon einkalkuliert.

Als der Ölpreis dann im Sommer 2014 abzustürzen begann und von mehr als 110 US-Dollar je Barrel auf einen mehrjährigen Tiefstwert von unter 30 Dollar Anfang des Jahres 2016 fiel, erwischte diese Entwicklung viele Firmen auf dem falschen Fuß.

Ölfirmen kürzen Investitionen

Sie sahen sich gezwungen den Rotstift anzusetzen; insbesondere geplante Investitionen fielen den Sparmaßnahmen zum Opfer.

Experten warnen schon heute, dass sich das in ein paar Jahren rächen könnte. Denn dann werden sich die fehlenden Beträge bemerkbar machen.

Und in der Folge könnte es zu eben jener Verknappung und damit verbundenen Preissteigerung kommen, welche die OPEC gerade so händeringend wie erfolglos zu erzwingen versucht.

Die OPEC-Staaten hatten mit einem aufsehenerregenden Kompromiss Ende 2016 gemeinsam mit weiteren Staaten, darunter Russland, beschlossen ihre eigenen Ölfördermengen zu begrenzen.

Damit sollte die weltweite Ölflut eingedämmt und stabilisierend auf den Ölpreis eingewirkt werden; funktioniert hat dieses Prozedere bekanntlich nur bedingt:

Zwar schoss der Ölpreis kurz nach Bekanntwerden der Einigung in die Höhe und hält sich seither recht stabil oberhalb der 50-Dollar-Marke.

Doch der erhoffte Ausbruch nach oben ist ausgeblieben – nicht zuletzt, weil US-Fracking-Firmen die Lücke gerne auffüllen und für sich selbst erschließen.

Die OPEC ist also quasi dazu gezwungen dabei zuzusehen, wie sie Marktanteile an die US-Konkurrenz verliert.

Für die Firmen, die im klassischen Ölförder-Geschäft jenseits des Fracking stark positioniert waren, ist die Durststrecke unterdessen noch nicht beendet, doch sie reagieren unterschiedlich.

Schlumberger-Aktie: Aufhol-Potenzial dank hoher Investitionen

Schlumberger beispielsweise hat zwar – ebenso wie die Wettbewerber – seine Investitions-Ausgaben gekürzt, allerdings in wesentlich geringerem Ausmaß als die anderen.

2016 steckte die Firma immerhin noch 0,9 Mrd. US-Dollar in Forschung und Entwicklung – und damit mehr als die Konkurrenten Halliburton, Baker Hughes und Weatherford zusammen.

Diese Strategie dürfte sich mittelfristig auszahlen. Beobachter gehen davon aus, dass Schlumberger dank seiner Investitionskraft besser aufgestellt sein wird als die Mitbewerber, wenn der Ölpreis wieder anzieht.

Bis dahin allerdings müssen sich Schlumberger und seine Anleger noch etwas gedulden.

Die Schlumberger-Aktie stand zuletzt wieder unter Druck und notierte zuletzt leicht unterhalb ihres Vorjahreswertes – und auch tiefer als 2015, als das Barrel Öl in etwa so viel kostete wie heute.

Die Geschäftsbilanz für 2016 fiel erwartungsgemäß eher ernüchternd aus. Immerhin zeichnete sich im Schlussquartal eine leichte Stabilisierung bei der Umsatz-Entwicklung ab.

Anleger werden mit hoher Dividende bei Laune gehalten

Um die Anleger bei Laune zu halten, zahlte Schlumberger eine hohe Dividende von 50 Cent pro Quartal oder 2 Dollar je Aktie für das Gesamtjahr.

Das war mehr als zu Spitzenzeiten, als der Ölpreis noch hoch war und die Geschäfte besser liefen.

In diesem Fall ist die Dividende also weniger als Erfolgs-Beteiligung zu werten, sondern eher als Trostpflaster.

2017-04-21 Schlumberger

21. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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