IMMOFINANZ: Schnäppchen oder Value-Falle?

Wenn Unternehmen unter ihrem Bilanzwert gehandelt werden, ist etwas im Busch. Was es bei IMMOFINANZ ist, lesen Sie in diesem Beitrag: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Immobilien sind eine solide Anlageklasse. Doch der Markt wirkt überhitzt.

In manchen Regionen Deutschlands klettern die Preise in den Himmel und das, obwohl die demografie eine klare Sprache spricht.

Wiederum in anderen Regionen kommen die Preise nicht vom Fleck.

Doch Experten sind sich einig: Im Vergleich zum Ausland hat Deutschland noch Nachholbedarf bei den Immobilien-Preisen.

Doch ob sich die Preise so schnell angleichen, wie viele Privat-Investoren hoffen?

Das ist IMMOFINANZ

Als europaweit tätiger Investor und Entwickler hat IMMOFINANZ die Preise in Deutschland sicher genau im Blick.

Doch anders als viele deutsche Privat-Anleger setzt der Konzern überhaupt nicht in 1. Linie auf Wohnimmobilien – doch der Reihe nach:

Die IMMOFINANZ Gruppe ist ein gewerblicher Immobilien-Konzern mit Fokus auf Europa. Das Unternehmen ist seit 25 Jahren in der Bewirtschaftung und Entwicklung von Immobilien tätig.

Die Fokussierung auf gewerbliche Immobilien wurde durch die Abspaltung der BUWOG AG im Jahr 2014 entscheidend vorangetrieben.

IMMOFINANZ-Aktie notiert unter NAV

Das gute Ergebnis war durch außerordentliche Erträge bei den Beteiligungen an CA Immo und BUWOG geprägt. Der operative Gewinn sank von 50 auf 34 Mio. €.

Die schwache operative Entwicklung war auf höhere Aufwendungen in der Immobilien-Entwicklung zurückzuführen.

Die Miet-Erlöse wurden trotz des fortschreitenden Verkaufs von Immobilien nahezu auf Vorjahres-Höhe gehalten.

Bereinigt um Zukäufe, Fertigstellungen und Verkäufe sind die Mieten um 4,6% gestiegen.

In der Vermögens-Verwaltung erzielte IMMOFINANZ einen Umsatz-Zuwachs von rund 10%.

Die zufriedenstellenden Leistungen in der Vermietung und der Vermögens-Verwaltung wurden durch einen Verlust in der Immobilien-Entwicklung verhagelt.

Hintergrund waren ungeplante Mehrkosten bei den Vorrats-Immobilien. Der Nettovermögenswert (NAV) der Immobilien legte in der Berichts-Periode um rund 9% auf 3,3 Mrd. € zu.

Der NAV pro Aktie sank jedoch im Zuge der höheren Aktien-Anzahl und der potenziellen Verwässerung durch Wandelanleihen von 3,12 auf 2,90 €.

Damit notiert die IMMOFINANZ-Aktie deutlich unter dem NAV.

Allerdings ist nicht klar, ob und inwieweit stille Lasten beim Verkauf des russischen Immobilien-Portfolios realisiert werden müssen. Diese stehen mit 976 Mio. € in den Büchern.

Wo wir Risiken sehen

Das Management befindet sich derzeit in fortgeschrittenen Gesprächen mit Kaufinteressenten und will die Transaktion bis Jahresende zum Abschluss bringen.

Danach steht die Fusion mit CA Immo auf der Agenda. Angesichts der bestehenden Risiken raten wir dazu, die Finger von dieser Aktie zu lassen.

Die IMMOFIINANZ ist auf den 1. Blick ein Schnäppchen, doch ein trügerisches. Das Eigengeschäft schwächelt und in der Bilanz schlummern Risiken – Finger weg!

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.