Schneider Electric: Hartnäckige Gerüchte um 30-Mrd.-Dollar-Offerte

Der französische Siemens-Konkurrent Schneider Electric befindet sich offenbar in Übernahme-Gesprächen mit dem Unternehmen Tyco International.

Schneider Electric ist der weltweite Spezialist für Energiemanagement. Das Unternehmen, welches in rund 190 Ländern vertreten ist,  bietet Lösungen für die Märkte Energie und Infrastruktur, Gebäude, Industrie, Rechenzentren, die Energie effizient und produktiv machen.

Obwohl die Franzosen in Bezug auf die Übernahme-Gespräche prompt reagierten und erklärten, dass „derzeit“ keine Verhandlungen stattfinden, hält sich das Gerücht hartnäckig.

Die Formulierung „derzeit“ ist für die Marktteilnehmer kein klares Dementi, so dass die mögliche Übernahme schon einmal durchgespielt wird. Derzeit ist Tyco an der Börse mit etwa 25 Mrd. Dollar bewertet.

Wenn Schneider die Übernahme durchführen will, müsste der Elektronik-Konzern über 30 Mrd. Dollar auf den Tisch legen.

Schneider Electric: Aktionäre stemmen sich gegen Übernahme-Plan

Für die Schneider-Aktionäre steht fest: Ein 30-Mrd.-Dollar-Deal wollen sie nicht unterstützen. Die Schneider-Aktie verliert nach Aufkommen der Übernahme-Gerüchte rund 10%. Damit ist das Unternehmen etwa 2 Mrd. Dollar weniger wert als noch vor einer Woche.

Die Anleger befürchten, dass die Übernahme nicht genug Vorteile bringen könnte, um den hohen Übernahme-Preis zu rechtfertigen. Unter anderem würde sich die Kapitalstruktur wesentlich verschlechtern.

Ohne eine Kapitalerhöhung oder dem Verkauf anderer Unternehmensteile kann Schneider die notwendigen Milliarden nicht aufbringen.

Schneider Electric: Zustandekommen des Deals ist hoch spekulativ

Beim Übernahme-Kandidaten Tyco International sorgte das Interesse aus Frankreich natürlich für Begeisterung. Die Aktie verteuerte sich binnen kurzer Zeit um rund 12%. Gerade das Fehlen eines klaren Dementis von Schneider lässt die Aktionäre auf eine großzügige Offerte  hoffen.

Ob es jedoch letztendlich wirklich zu der Milliarden-Übernahme kommt, ist fraglich. Tyco wird eine 30-Mrd.-Dollar-Offerte wahrscheinlich zunächst ablehnen und dann versuchen, den Preis in die Höhe zu treiben.

Das Schneider-Management, das schon jetzt von den Aktionären ganz klar signalisiert bekommen hat, was von einer Offerte zu halten ist, wäre gut beraten, von der gigantischen Übernahme abzusehen.

Und als dritter Punkt sind da noch die Wettbewerbsbehörden, die den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen können.

Schneider Electric: 30-Mrd.-Offerte stellt bisherige Deals in den Schatten

Schneider ist schon seit einem halben Jahr auf „Shopping-Tour“ und hat insgesamt acht  (kleinere) Zukäufe getätigt. In diesem Jahr wurden bisher schätzungsweise 700 Mio. Dollar für Übernahmen ausgegeben. Im Vergleich zur Tyco-Offerte sind diese 700 Mio. Dollar jedoch nur „Klecker-Beträge“.

Die geplante Übernahme würde die anderen großen Deals in der Branche deutlich in den Schatten stellen. In den vergangenen Jahren beliefen sich die markanten Übernahmen im Industriesektor auf gut 10 Mrd. Dollar.

2003 kaufte General Electric für 11 Mrd. Dollar Amersham und 2007 kaufte Ingersoll für 11,2 Mrd. Dollar Trane.

15. April 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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