Schneller Gewinn: Augen auf beim Aktienrückkauf

In den vergangenen Tagen haben mehrere Unternehmen Aktienrückkäufe angekündigt beziehungsweise gestartet.

Doch nicht bei allen lohnt sich der Einstieg für Anleger, da die Unternehmen ganz unterschiedliche Pläne verfolgen.

3 Beispiele: Europas größter Gabelstaplerhersteller Kion startete vergangenen Donnerstag sein Aktienrückkauf-Programm.

Noch bis zum 15. Oktober will der Wiesbadener Konzern bis zu 70.000 Anteilsscheine erwerben – zum aktuellen Börsenkurs hat dieser Schritt ein Volumen von bis zu 2,7 Mio. €.

Der Grund für den Aktienrückkauf: Kion will mit den zurückgekauften Aktien das unternehmensweite Mitarbeiter-Programm bedienen.

Für die Kion-Aktionäre ändert sich durch diese Maßnahme kaum etwas. Die Kosten für das Programm hatte Kion bereits eingeplant.

Die Aktien selbst wandern jetzt in die Hände der Mitarbeiter, die sie sicherlich aufgrund einer vereinbarten Haltefrist länger halten werden – eine verlässliche Konstanze im unruhigen Börsengeschäft.

Der Nachteil an diesem Programm: Die Gesamtzahl der Aktien bleibt gleich. Eine Kapitalherabsetzung, die ansonsten zumeist mit einem Aktienrückkauf einhergeht, findet also nicht statt.

Rhön-Klinikum zieht eigene Aktien ein

Dies plant jedoch das Unternehmen in meinem zweiten Beispiel: Rhön-Klinikum will fast zehn Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen und vernichten.

Hier beläuft sich der finanzielle Aufwand für die Krankenhauskette auf rund 181 Mio. €.

Am vergangenen Mittwoch hatte Rhön ein öffentliches Rückkaufangebot außerhalb der Börse angekündigt:

Für jede der anvisierten 7,1 Mio. Aktien will Rhön 25,54 € zahlen – das ist ein Aufpreis von über 6% gegenüber dem Aktienkurs zum Zeitpunkt der Bekanntgabe. Seitdem konnte die Aktie bis heute gut drei Prozent zulegen.

Der Vorteil für die Aktionäre: dadurch, dass Rhön die Aktien zwecks Kapital-Herabsetzung einzieht, sinkt die Anzahl der Aktien – auf jede einzelne Aktie entfällt also mehr vom Unternehmensgewinn und von der Dividendensumme.

Was im konkreten Fall gegen Rhön spricht: das Unternehmen ist nach dem Verkauf von über 40 Kliniken in 2014 sehr stark geschrumpft. Momentan stehen die Zeichen eher auf Stagnation.

Syngenta kauft für 2 Mrd. € eigene Aktien zurück

Ganz anders sieht es bei Syngenta aus. Der weltweit führende Pflanzenschutz- und Düngemittelproduzent steigerte im ersten Halbjahr 2015 seinen Umsatz zu konstanten Wechselkursen um drei Prozent auf 7,6 Mrd. Dollar.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 21% auf 2 Mrd. Dollar. Die Tendenz zeigt dabei deutlich nach oben: Das schwächere 1. Quartal wurde von einem starken 2. Quartal mehr als ausgeglichen.

Und die Anleger sollen vom guten Trend profitieren: Für bis zu 2 Mrd. Dollar kauft Syngenta eigene Aktien zurück und vernichtet sie.

Die Syngenta-Aktionäre werden dank der sinkenden Gesamtzahl der Aktien automatisch gewinnen und mehr vom Unternehmens-Gewinn und von der Dividendensumme erhalten. Bereits heute liegt die Dividendenrendite bei attraktiven 3,49%.

Sie sehen: Ein Aktienrückkauf bedeutet nicht direkt einen Vorteil für die Aktionäre. Der stärkste Effekt tritt erst ein, wenn das Unternehmen seine eigenen Anteile nicht nur zurückkauft, sondern zudem auch zwecks Kapital-Herabsetzung vernichtet.

Erst die spürbaren Vorteile – höherer Anteil an Unternehmens-Gewinn und Dividendensumme – sorgen für eine deutlich steigende Aktien-Nachfrage, die den Aktienkurs immer weiter nach oben klettern lässt.

12. September 2015

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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