Schock für Anleger: German Pellets stellt Insolvenzantrag

Von Mitte bis Ende Januar brachen die Anleihen und Genussscheine des weltweit größten Herstellers und Händlers von Holzpellets, German Pellets, innerhalb weniger Tage um rund 75% ein. German Pellets selbst habe damals nach einem Bericht der „Berliner Tageszeitung“ erklärt, „keine nachvollziehbaren Gründe für die aktuelle Entwicklung der Kurse zu kennen“.

Nach einigen Medienberichten ging jedoch schon zu diesem Zeitpunkt aus den Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor, dass German Pellets bei Lieferanten in Zahlungsverzug war.

Ebenfalls berichteten einige Medien bereits Ende Januar, dass die Zulieferer von German Pellets ihre Waren nur noch per Vorkasse an das Unternehmen verkaufen würden.

Am Abend des 25. Januar veröffentlichte German Pellets schließlich eine Meldung, aus der hervorging, dass das Unternehmen die am 31. März 2016 auslaufende Anleihe mit einem Gesamtvolumen von 52,4 Mio. Euro verlängern und den Zinskupon für die Verlängerung von 7,25 auf 5,25% senken wollte. Dazu sollte am 10. Februar (also gestern) eine außerordentliche Versammlung stattfinden.

Zu dieser Versammlung kam es allerdings nicht, da der Termin Tags zuvor (am 9. Februar) abgesagt wurde. Gestern, an dem Tag, an dem ursprünglich die außerordentliche Versammlung stattfinden sollte, wurde dann schließlich bekannt, dass German Pellets einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Welche Konsequenzen Anlegern drohen

Nachdem die German-Pellets-Anleihen weiter an Wert verloren und bei weniger als 1% des Nennwerts notierten, wurde der Handel mit den Anleihen ausgesetzt. Ein wirtschaftlicher Rat, wie Anleger sich jetzt verhalten sollten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben.

Nach dem Insolvenzantrag muss man nun abwarten, bis Erkenntnisse darüber vorliegen, wie es um German Pellets tatsächlich bestellt ist. Allerdings sollten Anleger prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten sie haben., um mit der Situation umzugehen.

Hier kommen vor allem Kündigungsrechte in Betracht. Anlegerschützer Klaus Nieding sagte in einem Interview mit n-tv, dass er in der Behauptung von German Pellets im Rahmen der Veröffentlichung der Einladung zur Gläubigerversammlung, dass die Zinszahlung Ende März/Anfang April sicher sei, durchaus einen Anknüpfungspunkt für eine fehlerhafte Kapitalmarktinformation sehe.

Betrachter halten es für möglich, dass bei German Pellets genügend Substanz vorhanden sein könnte, um die Gläubiger letzten Endes zumindest teilweise zu entschädigen. Es gibt jedoch ein Problem: Anders als im Fall von Prokon (auch darüber habe ich ausführlich berichtet) sind bei German Pellets nicht die Kleinanleger die größte Gläubigergruppe und haben entsprechenden Zugriff auf die Insolvenzmasse.

Bei German Pellets bestehen neben den Verpflichtungen gegenüber den Anleihe- und Genusscheingläubigern auch hohe Bankverbindlichkeiten. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass die Kleinanleger am Ende mehr oder weniger leer ausgehen.

Fazit: Seien Sie vorsichtig bei hohen Zinsversprechen

Das Lockmittel und Werbeargument im Zusammenhang mit Mittelstandsanleihen und -Genussscheinen sind die vergleichsweise hohen Zinsen (im Fall German Pellets über 7%). Das genannte Beispiel zeigt Ihnen jedoch, dass in der aktuellen Niedrigzinsphase derartige Zinsversprechen fast immer mit großer Vorsicht zu genießen sind.

11. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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