Schockierend schwache Daten aus China

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Aktuelle Wirtschaftsdaten belegen, dass auch in China eine konjunkturelle Verlangsamung festzustellen ist. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Seit Jahren, wenn nicht schon seit Jahrzehnten, wird China als Zugpferd der Weltwirtschaft gefeiert. In jüngster Vergangenheit kam das Riesenreich der Mitte wieder verstärkt durch die Handels- und Zollpolitik der Administration von Donald Trump ins Visier der Medien. Abseits dieses Scharmützels sind es aber allen voran eher durchwachsene, mitunter für chinesische Verhältnisse extrem schlecht ausfallende Wirtschaftsdaten, die für „Furore“ sorgen. Das stimmt schon bedenklich.

Zum einen ist China nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt; zum anderen ist es immer noch so, dass die offiziell von den chinesischen Behörden publizierten Daten sehr, sehr „wohlwollend“ ausfallen. Andere würden aufgehübscht bzw. frisiert dazu sagen.

Schockierend schwache Daten

In der vergangenen Woche kamen einige Daten in die Öffentlichkeit, die selbst für chinesische Verhältnisse extrem schwach ausfielen. Die Agentur Reuters meldete, dass die Anlageinvestitionen – etwa in Fabriken und Maschinen – von Januar bis Mai nur noch um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zulegten. Das sei der kleinste Zuwachs seit mindestens 1996 gewesen.

Das Wachstum der Industrieproduktion fiel auch unerwartet schlecht aus. Im Mai 2018 kam es hier nur zu einer Steigerung von 6,8 Prozent. Von der Agentur Bloomberg befragte Experten hatten damit gerechnet, dass sie wie zuletzt um 7 Prozent anzieht. Last but not least kamen auch aus dem chinesischen Einzelhandel schwache Zahlen. Ein Plus beim Umsatz in Höhe von nur noch 8,5 Prozent ist für China extrem ernüchternd. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Erwartungslatte ziemlich hoch lag. Schon im April legte der Umsatz ja nur um 9,4 Prozent zu.

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Für die Mai-Umsätze wurde erwartet, dass diese endlich wieder in Richtung zehn Prozent Wachstum marschieren. Prozentual zweistellige Zuwachsraten waren ja in den letzten Jahren für China normal. Ein so geringes Wachstum hat es im chinesischen Einzelhandel seit 15 Jahren nicht mehr gegeben.

Ja, liebe Leser, kein Wunder also, dass die Volkswirte der Rabobank von schockierend schwachen Daten schrieben. Wenig überraschend auch, dass die chinesische Zentralbank sich angesichts der Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung dafür entschied, ihre Zinsen für Interbankengeschäfte nicht anzutasten.

Im Vorfeld hatten laut Reuters Marktteilnehmer mit einer leichten Erhöhung gerechnet, nachdem die US-Notenbank ihren Leitzins zuvor wie erwartet auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent angehoben hatte. Alles in allem zeichnet sich nun nach den schwachen Mai-Daten ab, dass Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal 2018 an Fahrt verloren hat und als Zugpferd für die Weltwirtschaft zumindest schwächer wird.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.