Schon wieder steht ein Megaprojekt vor dem Aus

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Beim Pebble Projekt in Alaska zieht sich Anglo American nun zurück – damit steht der Projektbetreiber Northern Dynasty vor großen Herausforderungen. (Foto: Willy Barton / shutterstock.com)

Die Welt braucht Rohstoffe. Daher werden auch in vielen Teilen der Welt neue Projekte vorangetrieben.

Doch wenn die Projekte zu groß werden, steigen auch die Risiken massiv an. Und bei dem aktuell angespannten Marktumfeld bei den Metallen, kommt es dann immer häufiger zu Projektverschiebungen.

Dieses Schicksal droht nun dem Pebble Projekt von Northern Dynasty in Alaska. Bei dem Megaprojekt geht es um riesige Vorkommen Kupfer, Gold und Molybdän.

Der in der Ressourcenschätzung ausgewiesen Goldgehalt von mehr als 60 Mio. Unzen liegt weit über der Masse der neuen Projekte in der Welt.

Aber bei dieser Größe gibt es eben auch enorme Risiken – vor allem auch hinsichtlich der Umweltverträglichkeit einer neuen Mine.

Das gilt speziell in westlichen  Staaten wie den USA und dann ganz besonders noch in einem Bundesstaat mit sehr viel Natur wie eben Alaska.

Und nach einer Abwägung des aktuellen Chance-Risiko-Profils hat sich Projektpartner Anglo American nun entschieden, aus dem Projekt auszusteigen.

Immerhin war der Minengigant seit 2007 ein 50/50-Partner bei dem Projekt für den eigentlichen Betreiber Northern Dynasty.

Nun steht das kleinere Unternehmen wieder ohne Partner da und Anglo American nimmt eine Abschreibung von 300 Mio. Dollar auf dieses Projekt vor. Sie können sich vorstellen, was eine solche Meldung für die Northern Dynasty Aktie hat:

An nur einem Handelstag ist sie um mehr als 35% eingebrochen. Mit 1,10 Euro notiert die Aktie auf dem niedrigsten Stand seit 2004.

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Noch Anfang 2011 erlebte die Aktie einen regelrechten Boom: Damals lagen detaillierte Ressourcenschätzungen vor und der Goldpreis klettert stetig weiter.

Damit stieg auch das Interesse an solchen Megaprojekten wie eben dem Pebble Projekt in Alaska. In der Spitze notierte die Aktie bei 15 Euro und so wurde dann das Projekt mit 1,42 Mrd. Euro bewertet.

Northern Dynasty: Kursrutsch von mehr als 90% in weniger als drei Jahren

Davon ist heute nicht mehr viel übrig: Northern Dynasty bringt es heute nur noch auf einen Börsenwert von 105 Mio. Euro. Ich erinnere mich noch gut an Infoveranstaltungen von Northern Dynasty in Deutschland vor ungefähr fünf Jahren.

Schon damals wurden die Verantwortlichen des Unternehmens nicht müde, die großen Chancen herauszustellen und die Risiken als gut kalkulierbar darzustellen. Auch damals war ich schon skeptisch: Mir war das Projekt schon immer zu groß. Da liegen einfach zu viele Stolpersteine im Weg.

Und in den vergangenen Jahren hat sich auch ein breiter Widerstand gegen das Projekt formiert. Daher erklärt jetzt einer der Gegner, dass der Ausstieg von Anglo American eine gute Entscheidung für den Lachs in Alaska ist.

Damit klingt an, dass es nun auch möglich ist, dass Northern Dynasty das Projekt gar nicht mehr an den Start bringt.

Diese Befürchtung teilt Northern Dynasty nicht. Aber nach dem Absturz ist es mit schon ein Rätsel, wie das Unternehmen jetzt neue Partner auftreiben will, um die Finanzierung von insgesamt 4,7 Mrd. Dollar auf die Beine zu stellen.

Grundsätzlich ist diese Entwicklung nur ein weiterer Beleg dafür, dass selbst weit fortgeschrittene Megaprojekte keine besondere Sicherheit bieten.

Für Sie als Investor heißt das: Konzentrieren Sie sich bei den Rohstoffaktien auf die ertragreichen Produzenten. Dort warten genügend Chancen – sollte der Goldpreis wieder klar durchstarten.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.