Schreckgespenst BrExit geht wieder um – DAX holt etwas Luft

Der befürchtete harte BrExit, also der Austritt von Großbritannien aus der EU, wird wohl das 1. große Finanz-Thema 2017 werden.

Ob und wie viel wirtschaftlicher Schaden dabei angerichtet wird, ist natürlich keinem wirklich klar.

Fakt ist: Der BrExit wird immer realistischer. Das hat jetzt auch Englands Premierministerin Theresa May erklärt.

Bislang wurden immer noch Hintertürchen gesucht, um das scheinbar Unmögliche doch noch zu verhindern. Dies – das wird aber so langsam jedem klar – ist wohl nicht mehr zu vermeiden.

Wenn Großbritannien es wahr macht, was die Mehrheit der Wähler wollten, dann gelten ab dem BrExit keine Urteile des Europäischen Gerichtshofes mehr im Königreich.

Wenn BrExit, dann hart

So klingt es zumindest nach Aussagen der britischen Premierministerin.

Vielleicht ist es auch besser – wie mit dem Ende ohne Schrecken; ein sauberer Schnitt und v. a. Klarheit darüber, was tatsächlich Sache ist, wäre schon ein kleiner Traum.

Das konstante Hin und her ist v. a. für Anleger oftmals eine Zerreißprobe für die Nerven.

Sonst könnte jedes juristische Schlupfloch, das sich in den Nachrichten breit macht, wieder für schwankende Märkte sorgen – und das wollen vermutlich die Wenigstens…

Unterm Strich ist dennoch wichtig zu wissen: Der BrExit ist immer noch nicht hundertprozentig beschlossene Sache.

Theresa May hat wohl viel eher Klartext gesprochen, wenn es um die neuen Verhandlungen mit der EU geht. Hier soll es keinen Rosinenpicken geben.

Das wiederum könnte für Deutschland teuer werden. Wenn sich England dem wirtschaftlichen Versorgen der anderen EU-Länder entziehen kann, müssen wir den Geldbeutel etwas weiter aufmachen.

Noch einmal: Der BrExit ist sehr wahrscheinlich – und wenn er zustande kommt, dann wird es ein harter Schnitt werden. Wenn dies geschieht, gilt eine Mehrbelastung für Deutschland zudem als sicher.

Noch ist allerdings nichts in trockenen Tüchern!

Bis zum letztlich finalen Entscheid werden noch zahlreiche Spekulationen durch die Nachrichten geistern, die insbesondere für Bewegung auf dem Währungsmarkt in Verbindung mit dem britischen Pfund sorgen werden.

Eurozone bleibt im Trend

Der DAX pendelt weiterhin, heute ging es 1/2 Prozentpunkt nach unten. Gleichzeitig sind die offizielle Arbeitslosen-Zahlen in der Eurozone weiter gesunken.

Auch Staaten mit vielen Arbeitslosen können an Wettbewerbsfähigkeit zulegen.

Allerdings geht der Grad der Verschuldung weiter nach oben. Mehr Staatsverschuldung bedeutet immer weniger Chancen auf sanierte Haushalte oder funktionierende Banken-Systeme.

Italien ist dabei ein besonderes Problemkind:

Das südeuropäische Land hinkt weiter hinter Deutschland her. Besonders werden dort die Bankschulden auf den Staat abgelegt, was selbst Optimisten an einer baldigen Gesundung zweifeln lässt.

Auch wenn die deutschen Banken bei Weitem nicht vor Stärke strotzen – Italien geht es noch einmal eine ganze Ecke schlechter.

Doch die Rettung naht vielleicht: Einen Ausweg aus der Misere könnten sogenannte Accountability Bonds bieten. Dieses Konstrukt von Staatsanleihen kann als Rettungsanker benutzt werden.

Der Vorteil: Diese Bonds fallen tatsächlich aus, wenn es bei den normalen Staatsanleihen zu Ausfällen kommt.

16. Januar 2017

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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