Schrottimmobilie: Rückabwicklungen und weitere Urteile

Bei der Rückabwicklung einer Schrottimmobilie sind erhaltene Vorteile zu versteuern. Dies belegt ein Urteil des hessischen Finanzgerichts. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Zu Schrottimmobilien urteilte das Hessische Finanzgericht: Der Kläger hatte 1997 eine Eigentumswohnung für 100.000 € gekauft. Die Summe war über Darlehen finanziert. Vor der Übergabe sollte die Verkäuferin die Wohnung noch sanieren. Doch sie wurde insolvent. Wegen Unvermietbarkeit konnte der Kläger die Darlehensraten nicht zahlen.

Finanzamt setzt höheren Betrag bei Rückabwicklung der Schrottimmobilie an

Im Jahr 2002 erklärte sich die Bank zur Rückabwicklung des Kaufs der Schrottimmobilie bereit und erließ dem Kläger 50.000 €. Sie erlaubte, die Wohnung auf ihre Rechnung zu verwerten.

Im Jahr 2004 kaufte sie eine Tochter der Bank. Sie zahlte für die Wohnung lediglich einen Preis von 6.000 €, die der Kläger dann an die Bank überwies. Für 2004 machte er 22.000 € Verlust geltend. Das Finanzamt dagegen setzte 32.000 € Veräußerungsgewinn an.

Den Schulderlass im Jahr 2002 berücksichtigte es als Verkaufserlös. Das akzeptierte der Kläger nicht.

Kläger muss höhere Besteuerung bei Rückabwicklung der Schrottimmobilie hinnehmen!

Das muss der Kläger aber, so das Finanzgericht. Bei Besteuerung privater Veräußerungsgeschäfte gelte das Zuflussprinzip nicht. Der Veräußerungsgewinn des Jahres 2004 müsse auch die wirtschaftlichen Vorteile aus 2002 enthalten. Die 50.000 € Erlass sind deshalb ebenso zu versteuern wie in Anspruch genommene Abschreibungen. Das Urteil ist rechtskräftig (Az. 3 K 299/10).

Es gibt noch ein verbraucherfreundliches Urteil zu Schrottimmobilien

Eine Eigentumswohnung zur Altersvorsorge: Der 36jährige Käufer einer sogenannten Schrottimmobilie suchte die langfristige Anlage, Steuern wollte er außerdem sparen.

Ein Anlagevermittler hatte da was für ihn, ein Darlehensvertrag und ein Notar waren auch schnell zur Stelle. Doch die Wohnung war überteuert. 

Vermittler, Notar, Bank – Schrottimmobilie

Wenn ein Vermittler windiger Immobiliengeschäfte, ein Notar und eine Bank allzu eng zusammenarbeiten, muss das nicht immer der Anleger ausbaden. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des BGH hervor (Az.: XI ZR 67/07).

Der Fall: Ein Anlagevermittler hatte einem 36-jährigen Mann ein Studentenappartement in Trier vermittelt. Der Preis war überhöht, die Wohnung minderwertig. Erklärte Ziele des Kaufs waren Steuerersparnis und Altersvorsorge. Ergebnis war der Kauf einer Schrottimmobilie.

Enges Verhältnis Vermittler, Notar, Bank

Noch beim Vermittler unterschrieb der Anleger den Darlehensvertrag der HypoVereinsbank zur Finanzierung. Die Bank zahlte die Darlehenssumme auf Veranlassung des beteiligten Notars direkt auf ein Treuhandkonto aus.

Trotz niedriger Zinsen: keine Hektik beim ImmobilienkaufDie Hypothekenzinsen in Deutschland sind noch historisch niedrig. Doch sie sollten nicht zum überstürzten Immobilienkauf verleiten. › mehr lesen

Der betreffende Notar beurkundete dann auch den Immobilienkauf. Als sich herausstellte, dass das Appartement völlig überteuert war, ging die Sache vor Gericht.

In der Vorinstanz, vor dem Oberlandesgericht Koblenz stellte sich heraus: Der Notar hatte noch nicht einmal eine Vollmacht, um die Auszahlung des Darlehens zu veranlassen.

Das sahen die Richter als klares Indiz dafür an, dass zwischen dem Vermittler, dem Notar und der Bank ein allzu enges Verhältnis bestanden hatte.

Schrottimmobilien-Urteil: Bank muß Zinsen zurückzahlen

Prompt zog das Gericht daraus auch die Konsequenz: Wenn der Mann die Auszahlung nicht selbst veranlasst hat, schuldet er der Bank auch nicht den Darlehensbetrag. Im Gegenteil: Dann muss die Bank ihm die darauf entrichteten Zinsen sogar wieder zurückzahlen (Az.: (10 U 182/03).

Die Richter des BGH folgten dieser Einschätzung und nahmen den Fall gar nicht mehr zur Entscheidung an. Der Anleger ist mit einem blauen Auge davongekommen.

Immobilienkauf: Einzelne Geschäfte trennen

Trennen Sie stets streng zwischen einzelnen Geschäften. Kümmern Sie sich separat um das Aussuchen der Immobilie, um die Finanzierung und deren Abwicklung, sowie um die Beurkundung.

Dann ist die Gefahr geringer, auf einen Verbund fragwürdiger Geschäftemacher hereinzufallen – und am Ende auf einer Schrottimmobilie zu sitzen.


Passives Einkommen 2018

Sichern Sie sich jetzt gratis den Sonder-Report: “Wie Sie mit diesen 3 dividendenstarken ETFs gleich doppelt verdienen” und erfahren Sie exklusiv, welche Aktien in Ihrem Depot nicht fehlen sollten!

Hier klicken und erfahren wie Sie gleich doppelt verdienen und Gewinne vor dem Staat schützen...


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt