Schuldenschnitt und Währungsreform 2012: Argentinien macht Mut

Krise? Welche Krise?, mögen sich die Argentinier für 2012 inzwischen denken.

Vor ziemlich genau 10 Jahren haben die Argentinier Konkurs angemeldet – faktisch jedenfalls, da sie im Dezember 2001 vor gesperrten Bankkonten standen.

Mehr als 60 Mrd. Dollar hatten Banken und Staaten „eingefroren“.

Zur überlebensnotwendigen Hilfe durften die Südamerikaner pro Woche lediglich noch 250 US-Dollar von den Konten abheben.

Chaos auf den Straßen

Nur wenige Tage später stürmten die Menschen Supermärkte, plünderten sie trotz polizeilicher Überwachung aus und gingen sogar auf Banken los. Die Bilder sind Vielen heute noch präsent.

Grund für diese dramatische Entwicklung war die extreme Verschuldung Argnentiniens.

Diese war wiederum Folge der missglückten Währungspolitik Anfang der 90er-Jahre. Der damalige Präsident Carlos Memem hatte die Wertentwicklung des argentinischen Peso an den Dollar gebunden.

Das bedeutete: Der Dollar-Anstieg in den 90ern hatte katastrophale Schulden. Da eine Währung nicht einfach an eine andere „gebunden“ werden kann, brauchte Argentinien viel Geld, um diese Parität aufrechtzuerhalten; die Verschuldung wuchs rasant.

Gleichzeitig hatte die Bevölkerung dank der neuen Kaufkraft der eigenen Währung ein Konsumniveau erreicht, dass nur schwer zu reduzieren war.

Schließlich sanken weltweit die Preise für Agrarprodukte, wie sie für Argentinien überlebensnotwendig sind. Denken Sie alleine an die Fleischprodukte aus dem südamerikanischen Land!

Panik: Wie in Griechenland, wandert Geld ab

Daher floh vor gut 10 Jahren das Geld aus dem Land; wie in Griechenland heute in ähnlicher Situation. 1,5 Mrd. US-Dollar alleine am 30.11.2001 zeigen, wie groß der Druck auf die Regierung wurde.

Der internationale Währungsfonds (IWF) sollte und wollte einspringen, ähnlich wie heute. Nur ist die Macht des IWF heute noch größer.

Vor knapp 10 Jahren lehnte Argentinien jede Hilfe ab und ließ die Wirtschaft auf „natürlicherem“ Wege gesund schrumpfen.

Das Ergebnis lässt sich sehen:

  • Statt verordneter Sparprogramme haben die Argentinier selbst zunächst das Pro-Kopf-Einkommen auf 3.300 US-Dollar jährlich mehr als halbiert.
  • Der Hunger sowie Proteste wurden in Kauf genommen.
  • Der Peso, die argentinische Währung, wertete drastisch ab.
  • In der Folge wuchs die Exportwirtschaft Argentiniens wieder stark an. Die Nachfrage nach den inzwischen günstigen Agrarprodukten wie Weizen oder Soja kam besonders aus den Schwellenländern wie China.
  • Grundlage für den neuen Boom aber war v. a. die Abwertung des Peso.

GeVestor meint

In diesem Sinne weist Argentinien Staaten wie Griechenland faktisch den Weg. Eine Währungsabwertung könnte mögliche Exportvorteile Griechenlands hervorbringen.

Da Griechenland – anders als Argentinien – keine weltweit begehrten Agrar-Rohstoffe besitzt, wäre eine Abwertung vielmehr mit einer Aufwertung als Urlaubsland und Industrie-Ansiedlung verbunden.

Der Preis: eine eigene schwache Währung wie der Drachme würde Armut hervorbringen.

Proteste müsste die aktuelle Regierung zunächst überstehen – und auf die immerhin fehlende Fremdbestimmung verweisen. In diesem Sinne wäre ein Austritts Griechenlands aus der Eurozone 2012 theoretisch der richtige Schritt.

28. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt