Schwacher Jahresauftakt für die deutsche Wirtschaft

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Der Dauer-Boom der deutschen Wirtschaft gehört der Vergangenheit an. Die deutsche Industrie begann das neue Jahr mit einem glatten Fehlstart. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

In diesen Februar-Tagen des Jahres 2019 wird immer offensichtlicher, dass nach dem jahrelangen Schein-Boom der deutschen Wirtschaft ein scharfer Abschwung wohl schon begonnen hat. Jüngst wurde ja der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie veröffentlicht.

Und einmal mehr ist die Stimmung unter den 500 Chefeinkäufern der Industriefirmen drastisch schlechter geworden. Reuters meldet, dass es zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren zu einem Fall unter die berühmt-berüchtigte Marke von 50 gekommen sei. Der Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts fiel im Januar um 1,8 auf 49,5 Punkte. Damit liegt der Index unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Neubestellungen stark rückläufig

Besonders dramatisch sei die Lage bei neuen Aufträgen. Die Neuaufträge seien so stark wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr gefallen. In der vergangenen Woche meldete ja schon das Statistische Bundesamt eine dramatische Verschlechterung bei den Neubestellungen im verarbeitenden Gewerbe. Im Dezember gingen die Aufträge gegenüber dem Vorjahresmonat um sieben Prozent zurück. Im Vergleich zum November sank der Auftragseingang im Dezember abermals um 1,6 Prozent.

Sehr spannend ist auch, welche konkreten Ursachen das Markit-Institut aufführt. Die Unsicherheit bei den Kunden der deutschen Unternehmen, Handelskonflikte sowie die schwächelnde Automobilindustrie seien nach wie vor die Hauptgründe, die nicht nur die Nachfrage bremsten, sondern auch die Geschäftsaussichten trübten. Apropos schwächelnde Autoindustrie; diese Schlüsselindustrie steht ja schon seit geraumer Zeit unter massivem Druck. Langsam aber sicher schlägt das auch auf die Produktion in deutschen Landen durch. Jüngst meldete der VDA (Verband der Automobilindustrie) erschreckend schlechte Zahlen.

Demnach haben die deutschen Pkw-Hersteller zum Jahresauftakt, sprich im Januar 2019, nur noch 367.300 Neufahrzeuge gefertigt. Das entspricht einem gewaltigen Minus von sage und schreibe 19 Prozent. Ähnlich desaströs sah es im Exportgeschäft aus. Im Januar wurden nur 285.800 Autos ausgeführt. Der Rückgang gegenüber dem Januar 2018 lag hier bei gewaltigen 20 Prozent. Damit setzt sich also im neuen Jahr der scharfe Einbruch des vierten Quartals 2018 fort. Schon im Schluss-Quartal des vergangenen Jahres lag der Rückgang der PKW-Produktion bei 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Im gesamten Jahr 2018 wurden in Deutschland fast zehn Prozent weniger Autos produziert.

Ja, liebe Leser, der Abschwung der deutschen Wirtschaft ist real und insbesondere bei den Autobauern angekommen. Und der Abschwung wird mit einer gewissen Verzögerung auch am deutschen Arbeitsmarkt ankommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, ehe keine Jubelmeldungen mehr über die Beschäftigungslage in Deutschland kommen werden. Wenn die deutsche Schlüsselindustrie, die Auto-Industrie hustet, kommt der grippale Infekt früher oder später auch in fast allen anderen Branchen an. Alles nur eine Frage der Zeit.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.