Schwacher Jahresauftakt, Konzernumbau und wackliger Chefsessel – wohin treibt dieser Baukonzern?

4 Wechsel auf dem Chefsessel in 2 Jahren:

Was sich zunächst nach dem Trainer-Irrsinn im Profi-Fußball anhört, ist bei Bilfinger blanke Realität.

Zustand bei Bilfinger erinnert an Trainerkarussell des Profi-Fußballs

Bei dem Mannheimer Bau- und Industrie-Dienstleister musste im August 2014 Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch den Posten als Vorstandsvorsitzender räumen.

Für kurze Zeit übernahm Kochs Vorgänger Herbert Bodner die Geschäfte, bevor Per Utnegaard antrat – und anschließend nicht einmal 1 Jahr lang im Amt war.

Seitdem nimmt Finanzvorstand Axel Salzmann übergangsweise auch die Chefrolle ein.

Spätestens im 3. Quartal 2016 soll dann der bisherige Linde-Manager Thomas Blades den Vorstandsvorsitz übernehmen. Was ihn dann aber erwartet, ist heute unklarer denn je.

Bilfinger entwickelte sich unter der Ägide des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner nach zahlreichen Übernahmen vom klassischen Bauunternehmen zu einem Bau- und Dienstleistungs-Konzern für Industrie-Anlagen, Kraftwerke und Immobilien.

Jetzt wird aber die Trennung von zahlreichen Bereichen überprüft.

Jahresstart fällt, wie erwartet, schwach aus

Zunächst jedoch noch ein Blick auf die Nachrichten dieser Woche, die sich bei Bilfinger überschlugen:

schwacher Jahres-Auftakt, Stellen-Streichungen, Konzern-Umbau und dazu noch 2 Aufsichtsräte, die kurz vor der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch zurücktraten.

Was unter dem Strich positiv ist: Die veröffentlichten Zahlen zum 1. Quartal fielen wie erwartet aus.

Zwar sank der Umsatz in den ersten 3 Monaten des Jahres um 5% auf 1,35 Mrd. €, der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 7 Mio. € jedoch auf dem Niveau des Vorjahres.

Entsprechend bestätigte der Bilfinger-Vorstand auch seine Prognose von Mitte März:

Im Gesamtjahr 2016 soll der Umsatz deutlich zurückgehen, das bereinigte EBITDA soll aber bei höherer Marge, genauso wie das bereinigte Konzern-Ergebnis, leicht zulegen.

Konzern-Umbau sorgt für Spannung

Kurs-Chancen erwarte ich mir zudem durch das am Montag angekündigte Sparprogramm. V. a. mit Stellen-Streichungen will Bilfinger jährlich Kosten in Höhe von 100 Mio. €. einsparen.

Für Spannung wird jedoch v. a. das Thema Konzern-Umbau sorgen:

In den kommenden 2 bis 3 Wochen will Bilfinger-Übergangs-Chef Axel Salzmann über die Zukunft des wichtigen Bau- und Gebäudedienstleistungs-Geschäfts entscheiden.

Gestern meldete bereits der österreichische Bau-Konzern Porr für den Fall eines Verkaufs des Geschäfts an eine Beteiligungs-Gesellschaft Interesse an der Hochbau-Sparte an.

Porr-Generaldirektor Karl-Heinz Strausssagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass Bilfinger und Porr im Hochbau ähnliche Schwerpunkte hätten, die Mitarbeiter seien sehr gut, und die Unternehmen passten zueinander.

Sie sehen, liebe Leser: Bei Bilfinger wird es auch in den kommenden Monaten spannend bleiben – nicht nur in Sachen Chefsessel.

14. Mai 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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