Schweiz soll im Handelsstreit vermitteln

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Erfahren Sie jetzt, wie es im Handelsstreit zwischen den USA und China weitergeht und welche Rolle die Schweiz dabei spielen könnte. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Nachdem es über eine längere Zeit Entspannungssignale im Handelsstreit zwischen den USA und China gab und ein Deal zum Greifen nah schien, hat es sich US-Präsident Donald Trump auf der Zielgeraden doch noch anders überlegt und ist Anfang Mai wieder in den Angriffsmodus gegenüber den Chinesen gegangen.

Ein US-Kollege, den ich auf meiner Reise zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway Anfang des Monats traf, verglich den Aufschrei von Trump mit einem Kleinkind, das mit seiner Mutter im Supermarkt einkaufen geht.

Die Einkaufsliste wurde abgearbeitet, die Mutter steht mit Einkaufswagen und Kind an der Kasse und plötzlich schreit das Kind laut los, weil es im Regal an der Kasse noch einen Schokoriegel gesehen hat. Das ist zunächst ein großer Nerv-Faktor, aber am Ende wird der Großeinkauf daran nicht scheitern.

Es gibt meines Erachtens gleich mehrere Gründe dafür, dass es trotz des jüngsten Säbelrasselns durch Donald Trump schlussendlich zu einer Einigung zwischen den USA und China kommen wird. Ein wichtiger Grund: Die USA leiden selbst viel stärker unter dem Handelskonflikt als es Trump lieb sein kann.

USA leiden ebenso wie China unter Handelskonflikt

Das wird auch am Beispiel des neuen Lieblings-Gegners von Trump (dem chinesischen Telekomausrüster Huawei) deutlich: Trump hat vor wenigen Tagen den nationalen Notstand ausgerufen, damit die US-Regierung entscheiden kann, welche ausländischen Unternehmen Telekommunikationstechnologie in die USA liefern dürfen.

Trump dachte wahrscheinlich, dass dieser Frontalangriff auf einen führenden chinesischen Technologiekonzern im US-Technologiesektor einen Freudensprung auslösen würde. Das Gegenteil war der Fall! Die US-Börsen gaben nach. Besonders betroffen: Die Technologiebörse Nasdaq.

Dafür gibt es 2 wesentliche Gründe: Erstens arbeiten viele US-Unternehmen mit chinesischen Unternehmen zusammen. Die US-Konzerne sind auf chinesische Lieferungen angewiesen. Zum Teil gibt es in den USA keine Alternativ-Anbieter. Darüber hinaus setzten Ängste vor Vergeltungsaktionen der Chinesen die US-Börsen unter Druck.

Da Trump seinen politischen Erfolg vor allem über den Verlauf der US-Börsen definiert, kann er kein Interesse an weiter fallenden Kursen von US-Aktien haben!

Die Schweiz als Vermittler?

Der jüngste Schlag gegen Huawei zeigt, dass es bei dem Konflikt mit den Chinesen schon länger nicht mehr nur um Einfuhrzölle und Handelsschranken geht. Auch bei der Technologie beginnt ein Kräftemessen.

Seitdem Huawei auf der schwarzen Liste der USA ist, dürfen US-Unternehmen nur noch eingeschränkt mit dem chinesischen Telekomausrüster Geschäfte machen. Das ist, wie bereits geschrieben, ein Problem für beide Seiten. Nun berichtet die Schweizer Handelszeitung, dass die Telekombranche die Idee lanciert habe, die Schweiz als Vermittlerin einzusetzen.

Der Branchenverband Asut schlägt vor, in der Schweiz ein internationales Zentrum für Netzwerksicherheit zu gründen. Dieses soll die Sicherheit von Komponenten prüfen. Experten würden die Vertrauenswürdigkeit von Routern, Kabeln und anderer Telekomausrüstung testen und Schwachstellen oder Einfallstore aufdecken.

Ich halte die Idee für spannend und werde Sie sowohl darüber als auch ganz allgemein über den Fortgang des Handelskonflikts zwischen den USA und China auf dem Laufenden halten. Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass ich eine friedliche Einigung für wahrscheinlich halte und es daher auch nicht als klug erachte, zyklische Werte in diesen Tagen zu teils absurd niedrigen Preisen aus den Depots zu kehren.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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