Schweizer Aktien und die Kernfrage

Am vergangenen Donnerstag hat die Schweizer Nationalbank ihre im August 2011 getroffene Entscheidung, den Franken an den Euro zu koppeln, wieder aufgehoben.

Der Kurs des Schweizer Franken (CHF) unterliegt damit wieder dem „freien Spiel“ der Märkte. Ihr ursprüngliches Ziel, die Flucht aus dem Euro in den „sicheren Hafen“ des Franken zu bremsen, haben die Währungshüter mit ihrer Franken-Fixierung verfehlt.

Die gigantische Währungswanderung als Folge der sich an die Finanzkrise anschließenden Euro-Krise führte von 2008 bis 2011 zu einer Aufwertung des CHF von rund +60%. Mit entsprechenden Folgen für die Schweizer Wirtschaft:

Die Schweiz ist stark exportorientiert

Exportartikel im Ausland verteuerten sich eklatant und waren immer weniger wettbewerbsfähig. Die Koppelung des Franken an den Euro war mithin auch die Bemühung, die heimische Wirtschaft zu schützen.

Um eine Vorstellung zu bekommen, um was es dabei überhaupt geht, hier einige ausgewählte Fakten über die Schweizer Wirtschaft (Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung EZV):

–       Im Jahr 2013 betrug die Exportquote der Schweiz 33,4% des Brutto-Inlands-Produkts (BIP) in Höhe von 603 Mrd. CHF.

–       Die Schweiz exportierte 2013 Waren im Wert von 201 Mrd. CHF und importierte Waren im Volumen von 178 Mrd. CHF.

–       Wichtigste Handelspartner auf der Exportseite waren Deutschland mit 38 Mrd. CHF, die USA mit 23 Mrd. CHF und Italien mit 15 Mrd. CHF.

–       Wichtigste Handelspartner auf der Importseite waren Deutschland mit 52 Mrd. CHF, Italien mit 18 Mrd. CHF und Frankreich mit 15 Mrd. CHF.

–       Die drei größten Exportbranchen sind Chemie und Pharmazeutika (81 Mrd. CHF), Präzisionsinstrumente wie Uhren (45 Mrd. CHF) und Maschinen, Apparate, Elektronik (33 Mrd. CHF). Sie vereinen rund 79% der gesamte Exporte auf sich.

Der Anstieg des Schweizer Franken gegenüber dem Euro und anderen Währungen nach der „Wieder-Freigabe“ zeigt indes, dass der Zustrom in die Eidgenossen-Devise auch in den vergangenen 3 Jahren ungebrochen war und wohl auch bleiben wird.

Die Folgen für die Schweizer Wirtschaft

Was sich ohne die Koppelungs-Maßnahme ohnehin ergeben hätte, schlägt nun also mit voller Wucht auf die Schweizer Wirtschaft zurück. Experten rechnen mit Ergebnis-Rückgängen für die Schweizer Exportunternehmen im Bereich von -15% bis -20%.

So verwundert es nicht, dass der Schweizer Leitindex, der SMI Kursindex, nach der Notenbank-Entscheidung um knapp -15% einbrach:

smi kursindex (schweiz)-20-01-2015

SMI Kursindex (Schweiz): Panikartige Verkäufe nach der Entkoppelung des Franken vom Euro

Die extrem hohen Umsätze am vergangenen Donnerstag und Freitag zeugen von panikartigen Verkäufen. Auch wenn das in der aktuellen Lage schwierig zu beurteilen ist:

Die Kernfrage

Dieser Ausverkauf dürfte das oben beschriebene Horror-Szenario für die Schweizer Unternehmen bereits weitgehend eskomptiert haben. Die Frage, die sich nun ergibt, lautet indes:

Ist damit vom Aktienmarkt auch über 2015 hinaus die Problematik für die Schweizer Wirtschaft ausreichend eingepreist worden? Denn machen wir uns nichts vor:

Ergreift die Schweizer Nationalbank keine anders gearteten Gegenmaßnahmen, um die Flucht in den Franken und damit seine fortgesetzte Aufwertung einzudämmen, dann würde sich die Lage für die heimische Wirtschaft auch über 2015 hinaus nicht wirklich verbessern.

20. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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