Schweizer Bank Sarasin wird nach Brasilien verkauft

Der DAX konnte heute erneut zulegen.

Die ersten Investoren greifen wieder zu, weil sie die Hoffnung haben, dass sich Europa aus der Schockstarre der Kreditkrise lösen kann.

Ein wichtiger Faktor ist das europäische Banken-System: Können die angeschlagenen Banken im Jahr 2012 ausreichend große Risiko-Puffer aufbauen und das Eigenkapital nachhaltig stärken?

In Deutschland sucht die Commerzbank händeringend nach Lösungen. Neueste Gerüchte besagen, dass die Tochtergesellschaft Eurohypo verkauft werden soll. In den vergangenen Jahren hat sich der Immobilienfinanzierer zum Sorgenkind im Commerzbank-Portfolio entwickelt.

Aber wer soll Eurohypo kaufen? Wie gestern hier im Schlussgong geschrieben: Große Hoffnungen ruhen auf die finanzstarken BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China). Die niederländische Rabobank zeigt in diesen Tagen, dass das große Geld nicht nur in China zu finden ist.

Auch die aufstrebende Volkswirtschaft Brasilien wird als Kapitalquelle immer attraktiver.

Safra-Gruppe kauft Schweizer Privatbank Sarasin

Es war ein Paukenschlag in der Bankenbranche: Der niederländische Finanzkonzern Rabobank verkauft seine Beteiligung an der Schweizer Privatbank Sarasin an die brasilianische Safra-Gruppe.

Bis zur Veröffentlichung der Verkaufsmeldung waren sich die Insider sicher, dass es eine europäische Lösung geben würde. Ganz oben auf der Käuferliste standen Schweizer Banken. Die Überlegung war, dass es die Schweizer Finanzinstitute nicht zulassen werden, dass ein neuer, finanzstarker Konkurrent den Markt betritt.

Die Rabobank war das jedoch relativ egal. Da Safra den besten Preis bot, bekamen die Brasilianer den Zuschlag für das Aktienpaket (46,07% des Kapitals, 68,63% der Stimmrechte).

Übernahme-Spekulation ging nicht auf

An der Börse wurde der Deal nicht gefeiert. Direkt nach Veröffentlichung der Übernahme-Vereinbarung brach der Kurs der Sarasin-Aktie um fast 20% ein. Die Übernahme-Spekulanten hatten sich gleich doppelt verschätzt.

Zum einen galt als sicher, dass ein europäischer Vermögensverwalter neue Marktteilnehmer überbieten würde. So galt in der Schweiz der Sarasin-Konkurrent Julius Bär als Top-Favorit im Übernahmekampf. Das Wettbieten blieb aber aus.

Zum anderen nutzt Safra bei der Übernahme eine Schweizer Besonderheit: In der Schweiz ist es erlaubt, dass unterschiedliche Übernahmepreise gezahlt werden.

Der Verkäufer Rabobank bekommt relativ viel Geld für die Sarasin-Aktien, die Kleinaktionäre dagegen rund 25% weniger. Die Anleger hatten gehofft, dass alle Sarasin-Aktionäre gleich behandelt werden.

Der Käufer aus Brasilien sieht dafür aber bisher keinen Grund.

Übernahme macht strategisch Sinn

In Europa ist der Name Safra noch nicht sehr bekannt. Dabei gehört die Banco Safra zu den größten Privatbanken in Brasilien. Die Safra-Gruppe ist schon jetzt weltweit vertreten (auch in Europa). Der Schwerpunkt liegt aber in Süd- und Nordamerika.

Die Schweizer Privatbank Sarasin ist dagegen in Europa und in Asien gut vertreten. Es gibt kaum Überschneidungen. Daher dürften die Wettbewerbsbehörden keine großen Schwierigkeiten machen.

Ein weiterer Vorteil für Safra: Der wirtschaftliche Aufschwung in Brasilien sorgt dafür, dass die Oberschicht rasant wächst. Die „Neureichen“ haben erfahrungsgemäß eine Vorliebe für klassische Anlageziele.

Mit der Schweizer Nobelbank Sarasin kann Safra zukünftig genau diese Kundengruppe bedienen.

Die Übernahme hat Vorbildcharakter

Die Kräfteverhältnisse wandeln sich. Bis zur Finanzkrise war es typisch, dass europäische Banken die Wachstumsmärkte erobert haben. Spanische Banken haben zum Beispiel Südamerika sehr intensiv bearbeitet.

Seit 2008 dreht sich der Kapitalfluss. Banken aus Südamerika oder Asien sichern sich Marktanteile in Europa. Die europäischen Banken sind auf die neue Konkurrenz im heimischen Markt kurzfristig sogar angewiesen. Aufgrund der verschärften Bilanzregeln müssen viele Banken aus dem EU-Raum Sparten verkaufen.

Die europäische Konkurrenz hat dafür kein Geld. Das Geld muss aus den Wachstumsregionen kommen.

Der Safra-Deal in der Schweiz hat daher Vorbildcharakter. Weitere spektakuläre Übernahmen werden (nicht nur in der Banken-Branche) folgen.

29. November 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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