Schweizer Hörgerätespezialist Sonova steigt mit Übernahme ins Geschäft mit Kopfhörern ein

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Sonova schluckt für 200 Millionen Euro die Kopfhörersparte von Sennheiser und steigt in lukrativen Wachstumsmarkt ein: Analysten sehen strategische Vorteile durch den Zusammenschluss (Foto: Kavalenkava / Adobe Stock)

Eine interessante Übernahme gab es zuletzt aus der Schweiz zu berichten: Der Weltmarktführer für Hörgeräte, Sonova, steigt ins stark wachsende Kopfhörergeschäft ein und baut sich damit ein neues Standbein auf. Für die Übernahme der Consumer Division von Sennheiser Electronic legen die Schweizer 200 Millionen Euro auf den Tisch.

Sonova- der Platzhirsch unter den Hörgeräteherstellern

Bevor wir auf die Details der Übernahme kommen, möchte ich Ihnen den Käufer Sonova erst einmal näher vorstellen: Die global tätige Firmengruppe Sonova ist einer der drei größten Hersteller von Hörsystemen weltweit, Marktführer in der drahtlosen Kommunikation für audiologische Anwendungen und Anbieter professioneller Lösungen zum Schutz des Gehörs. Die bisherigen Sonova-Abteilungen heißen Hearing Instruments (u. a. das Geschäft mit Hörgeräten), Audiological Care (Detailhandel) und Cochelar Implants (Implantate für gehörlose Menschen).

Dabei wirtschaften die Schweizer hochprofitabel. Im zurückliegenden Geschäftsjahr kletterten die Umsätze um 5,5% auf 2,91 Milliarden Schweizer Franken. Am Ende stand ein Gewinn von 502 Millionen Schweizer Franken in den Büchern, was einer Nettogewinnmarge von 16,57% entspricht.

Übernahme baut viertes Standbein auf

Nun schluckt Sonova die Kopfhörersparte von Sennheiser für 200 Millionen Euro. Mit dem Zukauf wollen sich die Schweizer ein weiteres Standbein in einem lukrativen Wachstumsmarkt aufbauen. Zuletzt erwirtschaftete die Consumer Division-Sparte von Sennheiser mit rund 600 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 250 Millionen Euro.

Zum Geschäft zählen vor allem Premium-Kopfhörer, aber auch Produkte für milden Hörverlust und Lautsprecher für Privatkunden. Mit der Übernahme des Sennheiser Consumer Geschäfts ergänzt Sonova sein Hearing-Care-Portfolio, das unter anderem Hörgeräte und Cochlea-Implantate umfasst, um Kopfhörer und Soundbars. Sonova wird die komplementären Kompetenzen beider Unternehmen nutzen, um seine Geschäftsfelder zu stärken und weiter auszubauen.

Sennheisers Geschäft mit professionellen Kunden, das etwa Mikrofone und drahtlose Übertragungstechnik umfasse, bleibt hingegen bei der 75 Jahre alten Familienfirma.

Zukauf wirkt sich umgehend positiv auf den Gewinn aus

Der Kaufpreis soll komplett aus vorhandenen liquiden Mitteln finanziert werden und sich gleich im ersten Jahr positiv auf die Gewinnentwicklung von Sonova auswirken. Laut Sonova Firmenobss Arnd Kaldowski verwässert die Transaktion nur vorübergehend die Gewinnmargen. Die Übernahme soll bereits im zweiten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

Deal soll Wachstum ankurbeln

Mit der Übernahme will sich Sonova weitere Wachstumsquellen erschließen. Zuletzt lief vor allem das Geschäft mit sogenannten True Wireless-Geräten ausgesprochen stark. Sonova muss für die Marke Sennheiser nun aber unbefristet Lizenzgebühren bezahlen, um den Markennamen verwenden zu können. Auf der Gegenseite erhält Sonova Zugang zu neuen Kunden und Absatzkanälen.

Für die Kunden selbst ändert sich nichts. Die Geräte werden weiterhin unter dem gleichen Namen vertrieben. Dabei sollen die Produkte strikt getrennt bleiben. Laut Sonova werde es künftig keine Hörgeräte der Marke Sennheiser geben. Zwar sollen Synergien gehoben werden, aber es soll keine Verwässerung der etablierten Marken geben.

Analysten bewerten Übernahme positiv

Unterdessen stufen die Analysten in den Banken den Zukauf vor dem Hintergrund des strategischen Fits als positiv ein. Vor allem die Wettbewerbsposition gegenüber den Konkurrenten wie GN und Demant, die bereits über nicht-medizinische Vertriebskanäle verfügten, dürfte sich durch den Zusammenschluss verbessern.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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