Schweizer Maschinenbauer Bucher im Aufwind

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Seit der Finanzkrise 2009 wächst Bucher wieder profitabel. Auch das jüngste Zahlenwerk hat überzeugt und deutet auf eine Fortsetzung des Erfolgskurses hin. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Bucher erfüllt die Kriterien der 3-Filter- Strategie nach James O’Shaughnessy:

• Seit dem Verlustjahr 2009 ist der Gewinn kontinuierlich gestiegen.

• Bei einem für 2013 erwarteten Umsatz von 2,7 Mrd. SFr errechnet sich ein KUV von 0,9.

• Die Aktie hat den Vergleichsindex SPI in den letzten 12 Monaten geschlagen.

Ausgezeichnete Halbjahreszahlen

Nach einem kurzen, krisenbedingten Ausflug in die Verlustzone ist Bucher 2010 wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt und hat dann die beiden Folgejahre mit zweistelligen Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis abgeschlossen. In diesem Tempo wird es 2013 zwar nicht weitergehen, aber die Halbjahreszahlen deuten auf eine Fortsetzung des profitablen Wachstumskurses hin.

Der Umsatz stieg um 2,1% auf 1,41 Mrd. SFr, das Betriebsergebnis (EBIT) um 4,9% auf 140,9 Mio. SFr und der Gewinn um 6,2% auf 95,1 Mio. SFr. Geholfen haben positive Währungs- und Akquisitionseffekte sowie Kostenoptimierungen.

Noch deutlicher verbessert hat sich die Auftragslage. Die Bestellungen zogen um 13,5% auf 1,23 Mrd. SFr an und der Auftragsbestand übertraf mit 640 Mio. SFr den Vorjahreswert um 4,6%. Bucher profitierte von der hohen Nachfrage nach Landmaschinen, Kommunalfahrzeugen und hydraulischen Komponenten. Ausgezahlt hat sich vor allem der Ausbau der Präsenz in Nord- und Südamerika, wo sich die konjunkturelle Lage aufgehellt hat.

Dagegen wurde die Investitionstätigkeit in vielen Ländern Europas von der hohen Verschuldung und der allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung gebremst. Auch in China liefen die Geschäfte wegen verschiedener Maßnahmen der Regierung schlechter. Beispielhaft sei die restriktivere Kreditvergabe genannt.

Das 1. Halbjahr im Überblick Kuhn Group und Hydraulics mit profitablem Wachstum

Landtechnik der Kuhn Group hat sich erneut als Wachstumstreiber erwiesen. Gerade die Landwirte in den USA haben dank höherer Preise für Weizen und andere Agrarprodukte wieder Geld in der Tasche und können sich neue Landmaschinen leisten.

Hinzu kamen Entschädigungsleistungen von den Versicherungen für die Ernteausfälle infolge der langen Dürreperiode. Besonders das Geschäft mit Bodenbearbeitungsmaschinen boomte. In Brasilien waren dagegen Sämaschinen gefragt.

Hydraulics konnte ebenfalls alle wichtigen Kennzahlen verbessern. Die weiteren Aussichten sind gut. Mit der Akquisition der brasilianischen Eco Sistemas (Umsatz: 10 Mio. SFr), einem Hersteller hydraulischer Antriebe für Land- und Baumaschinen, Förderanlagen und andere industrielle Anwendungen hat sich die Sparte ein Standbein in Südamerika geschaffen.

Stadt Wirtschaft Kurse – newroadboy_ -shutterstock_438078676

Betriebsergebnis oder Gewinn – Unterscheiden und interpretieren könnenDie wichtigsten Unterschiede zwischen Betriebsergebnis und Gewinn einfach erklärt. Und warum es sich lohnt auf beide Kennzahlen zu achten. › mehr lesen

Daneben wurde die Produktpalette durch die Übernahme der deutschen Ölhydraulik Altenerding (Umsatz: 45 Mio. SFr) ergänzt. Das Unternehmen ist ein Spezialist für Hydraulik- Zylindertechnologien im Hochdruckbereich, die unter anderem in Baumaschinen und Kräne eingebaut werden.

Bei Municipal und Specials stimmt die Auftragslage

In der Sparte Municipal lagen Umsatz und Ergebnis erwartungsgemäß unter den hohen Vorjahreswerten, die von einem Großauftrag aus Moskau geprägt waren. Zudem wurde ein Geschäftsbereich veräußert. Immerhin sorgte der lange und kalte Winter in weiten Teilen Europas für eine hohe Nachfrage nach Schneepflügen und Streufahrzeugen. Der Auftragseingang stieg zweistellig.

In der Sparte Specials haben Umsatz- und Auftragsentwicklung überzeugt. Weniger lukrative Aufträge haben aber auf das Ergebnis gedrückt. Nach dem Erwerb der Schweizer Filtrox Engineering (Umsatz: 30 Mio. SFr) ist jedoch Besserung in Sicht.

Mit dem Spezialisten für Filtrationstechnik für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie erhält die Sparte Zugang zum Biermarkt, der besonders in Asien, Afrika und Lateinamerika stark wächst.

Restrukturierung von Emhart Glass greift

Emhart Glass hat seine Rentabilität verbessert. In China brach allerdings die Nachfrage nach Flaschen ein, was wiederum das Geschäft mit Maschinen für die Glasbehälterindustrie belastete. Viel wichtiger aber ist: Die Restrukturierungen, namentlich der Kapazitätsabbau, greifen. Bis 2015 soll die operative Marge von 3% auf 9% steigen.

Zudem sichert ein Großauftrag aus den USA über die Lieferung von Glasformungsmaschinen und Ersatzteilen die Auslastung der Produktion über einen längeren Zeitraum.

Jahresprognose angehoben

Die Landmaschinen der Kuhn Group dürften auch in der zweiten Jahreshälfte die Umsatz- und Ertragsstütze Nummer 1 im Konzern bleiben. Zudem sollte sich die starke Auftragsentwicklung in der Sparte Municipal fortsetzen. Bucher rechnet jetzt mit einer anziehenden Nachfrage nach Kehrmaschinen. Und nicht zuletzt werden erste Beiträge von den jüngsten Akquisitionen erwartet.

Vor diesem Hintergrund ist Bucher jetzt etwas optimistischer als noch im April. Das Management hat ein leichtes Umsatzwachstum sowie eine Verbesserung von Betriebs- und Nettoergebnis in Aussicht gestellt. Das operative Margenziel lautet 9 bis 10%. Im Vorjahr waren es 8,8%. Auf längere Sicht werden sich die Investitionen in die Erneuerung und Modernisierung der Produktionsanlagen auf der Kostenseite auszahlen.

Bucher hat mit seinen Halbjahreszahlen selbst die höchsten Erwartungen der Börsianer übertroffen

Der Konzern überzeugt aber nicht nur operativ, sondern auch bilanziell. Die Nettoverschuldung wurde um 21% auf überschaubare 165,4 Mio. SFr reduziert. Gleichzeitig hat sich die Eigenkapitalquote auf 41% erhöht.

Angesichts der guten Ertragsentwicklung und soliden Finanzierung erwarten wir eine Anhebung der Dividende um 10% auf 5,50 SFr pro Aktie. Bucher verfolgt eine Dividendenpolitik mit einer Ausschüttungsquote von 30 bis 35%.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.