Schweizer Nationalbank mit milliardenschwerem Verlust

Schweizer Nationalbank RED – shutterstock_238895758

Die Schweizer Nationalbank ist eher ein Hedgefonds als eine klassische Notenbank. (Foto: Pixeljoy / shutterstock.com)

Hätten Sie das gedacht? Die an sich wirtschaftlich so solide Schweiz hat auch riskante Schwachstellen im System! Die Schweizer Nationalbank (SNB), über die ich in der Vergangenheit schon häufiger hier im Schlussgong berichtet habe, hat kürzlich einen Milliardenverlust für das zurückliegende Jahr gemeldet. Konkret: Der Verlust der SNB für das Geschäftsjahr 2018 lag bei satten 14,9 Mrd. Schweizer Franken (CHF).

In der stark aufgeblähten Bilanz der SNB verstecken sich enorme Marktrisiken. Das zeigen die kürzlich veröffentlichten Zahlen. Ein Blick auf die Ergebnisse der SNB in den verschiedenen Anlageklassen offenbart, dass vor allem die volatilen Bewegungen an den Devisenmärkten über Gewinn oder Verlust der Schweizer Notenbank entscheiden.

Das liegt daran, dass das Portfolio der SNB fast ausschließlich aus Fremdwährungen besteht. Das ist deshalb so, weil die SNB in den vergangenen Jahren in sehr hohem Maße ausländische Währungen gekauft und im Gegenzug Schweizer Franken verkauft hat, um den Aufwertungsdruck der heimischen Währung abzufedern.

Ende des vergangenen Jahres hatten die Devisenanlagen der SNB einen gigantischen Umfang von 764 Mrd. CHF. Das große Problem: Eine Absicherung ist nicht möglich. Denn sie würde die Geldpolitik direkt beeinflussen. Jede Absicherung käme einem Kauf von CHF gegen Fremdwährungen gleich, was den CHF wieder stärken würde.

Gigantischer Verlust mit Fremdwährungen

Für das zurückliegende Jahr liegt der Verlust mit Fremdwährungspositionen bei gigantischen 16,3 Mrd. CHF. Das ist vor allem auf den gegenüber dem Euro erstarkten CHF zurückzuführen. Hinzu kommt ein Verlust von 5,6 Mrd. CHF, der aus Zinspapieren stammt.

Das negative Börsenumfeld für Aktien sorgte darüber hinaus für ein Minus von 12,4 Mrd. CHF. Der Verlust aus dem Goldbestand von 0,3 Mrd. CHF fällt in Anbetracht der sonstigen Verluste kaum ins Gewicht. Der Goldbestand der SNB blieb unverändert bei 1.040 Tonnen.

Stadt Wirtschaft Kurse – newroadboy_ -shutterstock_438078676

Wie Sie im Bundesanzeiger Bilanzen einsehen und richtig lesenVeröffentlichungspflicht von Bilanzen im Bundesanzeiger - wer profitiert von den Unternehmensdaten? › mehr lesen

Positive Beiträge lieferten hingegen Zinspapiere und die aus Aktienanlagen geflossenen Dividenden. Die Zinserträge summierten sich auf 9,6 Mrd. CHF, die Dividendenerträge lagen bei 3,4 Mrd. CHF. Daneben brachten der SNB Negativzinsen gegenüber den Geschäftsbanken Erträge von 2 Mrd. CHF.

Bilanz-Risiken nehmen zu

Abschließend lässt sich Folgendes sagen: Ein Blick auf die Bilanz der SNB vermittelt einem den Eindruck, dass man es eher mit einem riesigen Hedgefonds zu tun hat als mit einer klassischen Notenbank.

Die SNB versucht den Aufwertungs-Druck auf die heimische Währung zum Teil mit der Brechstange abzufedern. Um das zu schaffen, drückt sie Franken in den Markt und kauft dafür beispielsweise Anleihen und Aktien aus anderen Währungs-Regionen.

Die Folge: In der Bilanz tummeln sich Wertpapiere für hohe Milliarden-Beträge, die an sich in der Bilanz einer soliden Notenbank nichts zu suchen haben. Die Risiko-Positionen in der Notenbank-Bilanz können im Krisenfall zu einer tickenden Zeitbombe werden.

Daher gilt leider: Auch die Schweiz und die Schweizer Währung können im Krisenfall keinen 100%igen Schutz bieten. Der Schweizer Franken ist eine gute Beimischung im persönlichen Vermögens-Mix, aber Wunder dürfen Sie von ihm im Krisenfall nicht erwarten!


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rolf Morrien. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz