Schweizer Nationalbank mit Milliardenverlust

Lesen Sie in diesem Beitrag unseres Börsen-Experten Rolf Morrien, wie die aktuelle Bilanz der Schweizer Nationalbank (SNB) ausfällt: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen hier über den 60. Geburtstag der Deutschen Bundesbank berichtet.

Heute möchte ich mich mit einer anderen Notenbank beschäftigen: mit der Schweizer Nationalbank (kurz: SNB).

Die Schweizer Nationalbank (SNB) muss Federn lassen

Diese hat nämlich kürzlich vermeldet, dass das Institut für das 2. Quartal des laufenden Jahres einen Verlust in Milliardenhöhe ausweisen muss.

Aufgrund von Währungs-Schwankungen entstand ein Verlust von 5,2 Mrd. Schweizer Franken (CHF).

Hinzu kommt ein Verlust in Höhe von 1,9 Mrd. CHF durch eine Abwertung der Goldreserven der SNB.

Insgesamt belief sich das Minus in den Monaten April bis Juni auf 6,7 Mrd. CHF.

Im entsprechenden Vorjahres-Zeitraum kam die Schweizer Nationalbank noch auf einen Gewinn von 15,6 Mrd. CHF.

Im 1. Quartal dieses Jahres konnte die SNB aufgrund einer guten Entwicklung an den Aktienmärkten einen Gewinn von 7,9 Mrd. CHF verbuchen.

Nun steht aufgrund des hohen Verlustes im 2. Quartal nach Ende des 1. Halbjahres nur noch ein Gewinn von 1,2 Mrd. CHF zu Buche.

Im Vorjahres-Zeitraum belief sich der Gewinn auf 21,3 Mrd. CHF.

Ergebnis stark von Währungs-Schwankungen abhängig

Das Ergebnis der SNB ist traditionell stark von den Schwankungen ihrer milliardenschweren Devisen-Anlagen (Währungs-Anlagen) abhängig.

Oder anders gesagt: Große Schwankungen zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro oder US-Dollar bedeuten große Ergebnis-Schwankungen bei der SNB.

Die Devisen-Anlagen in der Bilanz der SNB schwollen zum Ende des 1. Halbjahres 2017 auf 724,4 Mrd. CHF an (nach 696,1 Mrd. CHF per Ende 2016).

Und so waren die Devisen-Anlagen zuletzt verteilt:

  • 40% der Devisen-Reserven der SNB sind Anlagen in US-Dollar.
  • 35% werden in Euro gehalten.
  • Auf den japanischen Yen entfallen immerhin noch 8%.
  • Und auf das britische Pfund entfallen 7%.
  • Die restlichen 10% beinhalten u. a. kanadische Dollar.

Aufgrund der für die SNB unter dem Strich ungünstigen Wechselkurs-Entwicklungen verbuchte das Institut aus Währungs-Verlusten ein Minus von 11,8 Mrd. CHF.

Hinzu kamen Kursverluste von 3,6 Mrd. CHF auf Zins-Papiere und Zins-Instrumente.

Aktien entwickelten sich positiv

Im Gegenzug profitierte die Notenbank mit ihren Firmen-Beteiligungen (Aktien) vom günstigen Börsen-Umfeld; hier steht ein Plus von 9,4 Mrd. CHF zu Buche.

An Zins- und Dividenden-Erträgen fielen 4,4 bzw. 1,8 Mrd. CHF an.

Trotzdem schrumpfte der Erfolg der Fremdwährungs-Positionen im 1. Halbjahr angesichts der hohen Währungs-Verluste auf nur noch 111 Mio. CHF – nach 13 Mrd. CHF vor Jahresfrist.

Die Bilanzsumme der SNB legte von Ende Dezember 2016 bis Ende Juni dieses Jahres um 28,4 auf 774,9 Mrd. CHF zu.

Bilanz-Risiken nehmen zu

Abschließend lässt sich Folgendes sagen:

Ein Blick auf die Bilanz der SNB vermittelt einem den Eindruck, dass man es eher mit einem riesigen Hedgefonds zu tun hat als mit einer klassischen Notenbank.

Die SNB versucht den Aufwertungs-Druck auf die heimische Währung z. T. mit der Brechstange abzufedern.

Um das zu schaffen, drückt sie Franken in den Markt und kauft dafür beispielsweise Anleihen und Aktien aus anderen Währungs-Regionen.

Die Folge: In der Bilanz tummeln sich Wertpapiere für 3-stellige Milliarden-Beträge, die an sich in der Bilanz einer soliden Notenbank nichts zu suchen haben.

Die Risiko-Positionen in der Notenbank-Bilanz können im Krisenfall zu einer tickenden Zeitbombe werden.

Daher gilt leider: Auch die Schweiz und die Schweizer Währung können im Krisenfall keinen 100%igen Schutz bieten.

Der Schweizer Franken ist eine gute Beimischung im persönlichen Vermögens-Mix, aber Wunder dürfen Sie von ihm im Krisenfall nicht erwarten!

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.