Schweizer Notenbank mit 38 Mrd. Franken Gewinn

Heute nach Börsenschluss eröffnet der US-Konzern Alcoa traditionell die neue Berichtssaison. Doch die beiden deutschen DAX-Werte SAP und Continental veröffentlichten bereits einige Stunden vorher sehr starke Vorabzahlen und sorgten damit – trotz schwacher US-Börsen – für gute Stimmung im DAX. Der deutsche Leitindex legte um 1,4% zu und kletterte auf 9.781 Punkte.

Aber nicht nur die börsennotierten Unternehmen präsentieren frische Zahlen, auch die Notenbanken öffnen ihre Bücher. Die Ergebnisse sind zum Teil sehr bemerkenswert und zeigen einen Mentalitätswandel: Die Risikobereitschaft steigt auch bei den Notenbanken. Es folgt hier im „Schlussgong“ ein Beispiel aus unserem Nachbarland.

Die Schweizer Notenbank hat im vergangenen Jahr einen extrem hohen Gewinn von 38 Mrd. Schweizer Franken (CHF) erwirtschaftet, der jetzt zu Diskussionen führt. Unter anderem geht es darum, was mit dem Gewinn passieren soll.

Vertreter der kantonalen (regionalen) Finanzdirektionen zeigten sich bereits erfreut. Denn: Dank des riesigen Gewinns wird die Notenbank über die reguläre Ausschüttung von 1 Mrd. CHF hinaus eine Sonderausschüttung an den Bund und die Kantone auszahlen. In welcher Höhe dieser Bonus ausfallen wird, soll in Gesprächen zwischen dem Schweizer Finanzministerium und der Notenbank geklärt werden.

Geldpolitik als Ursache des Riesengewinns

Zustande gekommen ist der riesige Gewinn der Schweizer Notenbank durch die Geldpolitik des Instituts. Die Notenbank hat sich im September 2011 dazu entschlossen, eine Franken-Kurs-Grenze festzusetzen, die bei 1,20 CHF je Euro liegt.

Der damalige Hintergrund: Die Schweizer Notenbank wollte den Franken nicht stärker aufwerten lassen, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen zu wahren.

Denn je stärker der Franken wurde, desto teurer wurden Schweizer Waren und Dienstleistungen außerhalb der Schweiz – und das wirkte sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen aus.

Die offensive (und riskante) Geldpolitik der Schweizer Notenbank hat zuletzt hohe Gewinne abgeworfen. Der Wind kann sich aber auch schnell drehen.

Bilanz der Schweizer Notenbank aufgebläht

Um die Franken-Kurs-Grenze zu verteidigen, musste die Schweizer Notenbank große Mengen an Euro erwerben. Dadurch ist die Bilanz der Notenbank extrem aufgebläht. Allein die Devisenreserven der Schweizer Notenbank belaufen sich auf fast 500 Mrd. CHF.

Daraus ergeben sich erhebliche Risken. Denn schon eine Kursschwankung nach unten von nur einem Prozent würde einen Tages-Buchverlust von 5 Mrd. CHF für die Schweizer Notenbank bedeuten.

Wenn sich der Wechselkurs auf Jahressicht um 10% zu Ungunsten der Schweizer Notenbank entwickeln würde, bedeutete das einen Verlust von 50 Mrd. CHF.

Daher sollte die Schweizer Notenbank aus meiner Sicht keinen allzu großen Teil ihres letztjährigen Gewinns von 38 Mrd. CHF ausschütten und stattdessen größere Rücklagen bilden.

So setzt sich der große Gewinn zusammen

Nach Angaben der Schweizer Notenbank steuert der Gewinn aus Fremdwährungspositionen 34 Mrd. CHF zum Ergebnis für 2014 bei. Davon stammen 12 Mrd. CHF aus Wechselkursgewinnen, 13 Mrd. CHF aus Kursgewinnen der Anleihe- und Aktienbestände sowie 9 Mrd. CHF aus Zinsen und Dividenden.

Der steigende Goldpreis verbesserte den 2014er Gewinn der Schweizer Notenbank um weitere 4 Mrd. CHF, sodass sich die Gesamtsumme auf 38 Mrd. CHF beläuft.

Fazit: Dem riesigen Gewinn stehen auch große Risiken gegenüber

Zwar konnte die Schweizer Notenbank im vergangenen Jahr einen riesigen Gewinn erwirtschaften, doch geschah dies nicht ohne erhebliche Risiken innerhalb der Bilanz des Instituts.

Sie sehen also: Nicht nur die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank Fed oder die japanische Notenbank greifen in den Markt ein und holen sich immer größere Risiken in ihre Bilanzen.

Die Geldpolitik der Schweizer Notenbank zeigt, wie risikobereit die Notenbanken, die Hüter der Währung, geworden sind. Sie sollten sich daher nicht einseitig auf Papiergeld verlassen, sondern verstärkt auf Sachwerte setzen (selbstgenutzte Immobilie, dividendenstarke Aktien etc.).

12. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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