Schweizer Wirtschaft mit Aufschwung auf breiter Front

Die Schweizer Wirtschaft befindet sich in einer guten Verfassung. Die Konjunkturlage ist so gut wie seit dem Frankenschock 2015 nicht mehr. (Foto: Alexander Mak / shutterstock.com)

Die Schweizer Wirtschaft befindet sich in einer guten Verfassung. Die Konjunkturlage ist so gut wie seit dem Frankenschock, der Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015, nicht mehr.

Entsprechend hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) seine Prognose für das laufende Jahr und 2019 leicht angehoben. Dieses Jahr wird mit einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,4% und im nächsten Jahr von 2% gerechnet. Etwas konservativer veranschlagt die Konjunkturforschungsstelle KOF ihre Prognose.

Sie rechnet mit einem BIP-Wachstum von 1,9%. Bemerkenswert ist an dem Aufschwung, der im 2. Halbjahr 2017 an Fahrt gewonnen hat, dass er von einer breiteren Basis getragen wird. In der Schweiz ist der Aufschwung noch jung und erst 3 Jahre alt, während er in Europa in sein 6. Jahr geht und die USA auf den längsten Boom in ihrer Geschichte blicken.

Die Pharmabranche bleibt ein wichtiges Zugpferd der Schweizer Wirtschaft. Die Luxusgüter- und Uhrenindustrie hat die Trendwende geschafft. Wichtige Impulse liefert aber auch die Industrie. Die Exporte der Maschinen- und Elektronikbranche haben angezogen. Wichtig: die jahrelangen Rückgänge wurden gestoppt. Erstmals seit 6 Quartalen sind die Preise für Maschinen und Elektronik gestiegen. Wichtige Impulse liefern aber auch die Dienstleistungsbranche im Inland, der Arbeitsmarkt und die Investitions- und Binnenkonjunkturseite.

Da die wichtigen Frühindikatoren sowohl der Schweizer Wirtschaft als auch weltweit auf ein weiterhin positives Konjunkturumfeld schließen lassen, geht SECO von einer Fortsetzung des Wachstumspfades aus. Schweizer Produkte sind dank der guten Weltkonjunktur global gefragt. Die Exporte sollen weiter anziehen, insofern der Franken nicht stark aufwertet. SECO erwartet, dass der Außenhandel 2018 und 2019 ein wichtiger Wachstumstreiber sein wird. KOF geht ebenfalls von einem Wachstum der Exporte von 4,4% aus. Das kurbelt auch die Unternehmensinvestitionen weiter an.

Für den Inlandskonsum wird hingegen ein moderates Wachstum erwartet. Unterstützung bekommt die Binnenkonjunktur von der besseren Lage am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit soll weiter zurückgehen und in diesem Jahr nur noch 2,9% und 2019 sogar nur noch 2,8% betragen. Die Reallöhne sollen davon aber nicht profitieren. Kein Thema bleibt die Inflationsrate, die unterhalb von 1% liegt. Ein wichtiger Sektor, der etwas abkühlen könnte, ist der Bausektor. Steigende Leerstände und rückläufige Auftragseingänge deuten auf eine Abschwächung hin; damit würden sich die Bauinvestitionen aber auf einem hohen Niveau stabilisieren.

Risikoszenarien

SECO sieht aber auch Risiken, und die konjunkturelle Schönwetterlage könnte ein jähes Ende finden oder getrübt werden. Als Hemmschuh für die Weltkonjunktur könnten sich die protektionistischen Maßnahmen der USA erweisen. Von den bisher verhängten Strafzöllen auf Metallimporte ist die Schweiz nur im geringen Maße betroffen. Sollte der Streit zwischen den wichtigen Wirtschaftsmächten aber eskalieren, würde es die Schweizer Exporte sicherlich treffen.

Weitere Risiken könnten von Finanzmarktturbulenzen, angesichts der langjährigen Hausse vieler Börsenindizes ein wahrscheinlicher werdendes Szenario, ausgehen. Und schweizspezifisch könnte sich der Bausektor stärker als erwartet abkühlen.

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SPI mit neuem Höchststand

Anfang 2018 erreicht der Schweizer Aktienindex SPI einen neuen Rekordwert und übertraf mit 11.040 Punkten das alte Hoch von 2007. Im vergangenen Jahr konnten sich Anleger über ein sattes Plus von 19,9% freuen. Der historische Schnitt liegt bei 11,3%. Der Bullenmarkt geht in sein 7. Jahr. Seit August 2011 befindet sich der SPI im Aufwärtstrend.

Es ist der zweitlängste Bullenmarkt in der Schweizer Geschichte; übertroffen nur von dem Bullenmarkt von Januar 1991 bis Juli 1998. Bemerkenswert ist die Stetigkeit des Aufschwungs. Im ungünstigsten Fall hätte ein Investor 2017 gerade einmal 3,9% verloren. Anleger, die seit August 2011 dabei sind, können sich über ein Plus von 145% freuen.

Diese Entwicklung ist aber im Vergleich mit anderen Indizes als relativ moderat einzuschätzen. Ein Hauptgrund für die relativ „mäßige“ Entwicklung ist, dass die Schweizer Unternehmen noch nicht das Gewinnniveau von vor der Finanzkrise erklommen haben. Laut der Bank Vontobel brachten es die börsennotierten Schweizer Unternehmen vor der Finanzkrise kumuliert auf einen Gewinn von 93 Mrd. SFr. Für 2017 gehen Schätzungen von rund 60 Mrd. SFr aus.

Dieser Umstand hat zwei Hauptursachen: 1. Die Bankenbranche hat seit der Finanzkrise einen Großteil ihrer Gewinnkraft verloren. 2. Wichtige ausländische Währungen haben gegenüber dem Franken abgewertet und einen besseren Gewinnverlauf verhindert. Dass der SPI dennoch einen neuen Höchststand erreichen konnte, ist auf die höhere Bewertung zurückzuführen. 2007 betrug das KGV rund 16; heute sind es 26. Angesichts dieses Bewertungsaufschlags ist der Spielraum für Fehler kleiner geworden. Das sollten Anleger bei ihrer Aktienwahl berücksichtigen.

Die Luft für interessante Investments ist dünn

Trotz der guten Konjunkturaussichten befinden sich unter den 4- und 5-Sterne-Werten der Aktien-Analyse nicht viele Schweizer Unternehmen. Bossard bleibt trotz der Probleme des Großkunden Tesla unser Favorit. 2017 wurden beim Umsatz und Gewinn neue Rekordwerte erreicht. Außerdem erreichte die Umsatzrendite einen neuen Spitzenwert. Für 2018 wurden neue Rekordwerte in Aussicht gestellt. Die Bewertung bewegt sich nach dem Kursrücksetzer mit einem KGV von 18,9 auf einem moderaten Niveau.

Titlis-Bahnen gehört ebenfalls zu den Top-Werten. Der Konzern hat 2017 mit dem zweitbesten Ergebnis der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Die Terroranschläge sind in den Hintergrund gerückt; die für Titlis wichtigen chinesischen und indischen Touristen haben wieder Lust auf Skifahren in der Schweiz. Mit einem KGV von 17 liegt die Bewertung deutlich unterhalb der Marktbewertung. Burkhalter musste leider den 1. Gewinnrückgang seit dem Börsendebüt 2008 hinnehmen.

Der Elektroinstallationsmarkt ist stark umkämpft. Aus Angst vor einer Abkühlung des Bausektors versuchen sich viele Firmen noch mit Aufträgen einzudecken. Weiter angefacht wird der Preiskampf durch die traditionellen Stromanbieter, die das Geschäft mit Elektroinstallationen für sich entdeckt haben und mit Dumpingpreisen auf den Markt drängen. Mit einer Dividendenrendite von 5,3% kann Burkhalter aber für einkommensorientierte Anleger interessant sein.

Das Gleiche gilt für Sunrise. Die Aktie bietet eine Dividendenrendite von 5,1%. Von einem Niveau von 4 SFr je Aktie soll die Dividende um weitere 4 bis 6% bis 2020 angehoben werden. Allerdings ist Sunrise mit deutlich mehr Risiken behaftet als Burkhalter. Der Verkauf der Mobilfunksendemasten konnte die Bilanz etwas entlasten, es stehen aber in den nächsten Jahren hohe Investitionen an. Und in dem Investitionsplan sind noch nicht die Kosten für die neuen Mobilfunkfrequenzen des Technologiestandards 5G mit einkalkuliert.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.