Schweizer Wirtschaftsklima hat sich abgekühlt

Schweiz Alpen Fahne – Kavalenkava ado

Weltkonjunktur und Welthandel verlieren an Dynamik, dieser Entwicklung kann sich auch die Schweiz nicht entziehen. (Foto: Kavalenkava / Adobe Stock)

Die Schweiz kann sich den Auswirkungen der schwächeren Weltkonjunktur nicht entziehen.

Im 2. Halbjahr 2018 verloren die Weltkonjunktur und der Welthandel stärker als erwartet an Dynamik. Darunter litt der Schweizer Außenhandel. Beim wichtigsten Handelspartner Deutschland wurde die Konjunkturprognose deutlich reduziert. Und im Rest Europas haben sich die Aussichten ebenfalls eingetrübt. Folglich verlor die Nachfrage nach Schweizer Produkten an Schwung. Diese Tendenz konnte von der Inlandsnachfrage nicht aufgefangen werden. Sie lieferte keine Wachstumsimpulse. Gleichzeitig schwächte sich die Investitionstätigkeit ab, da die Auftragseingänge verhaltener ausfielen. Daher werden die Produktionskapazitäten langsamer ausgebaut.

Konjunkturprognose verhaltener

Die Expertengruppe des Bundes (SECO) hat ihre Konjunkturprognose gemessen am BIP-Wachstum von 1,5 auf 1,1% gesenkt. Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich hat ihre Prognose in ähnlicher Größenordnung von 1,6 auf 1% korrigiert. Im Jahresverlauf wird mit einer allmählichen Erholung gerechnet. 2020 soll die Wirtschaftsentwicklung wieder anziehen; ein Plus von 1,7% wurde von SECO in Aussicht gestellt. KOF ist optimistischer und geht von 2,1% aus.

Die Wirtschaftsabschwächung spiegelt sich auch am Immobilienmarkt wider. Der Bausektor wächst langsamer. Bei den Immobilienpreisen zeichnet sich eine erste Trendumkehr ab. Sie sind tendenziell rückläufig, und die Leerstände nehmen zu. Vorm Arbeitsmarkt hat die Abschwächung ebenfalls nicht halt gemacht. Die Arbeitslosenrate verharrt mit 2,4% auf einem niedrigen Niveau. Aber die Beschäftigung und Löhne wachsen langsamer, was den privaten Konsum belastet.

Gestützt wird die reale Kaufkraft hingegen von der niedrigen Inflationsrate. Sie soll lediglich 0,4% im Jahresmittel betragen. Mit einem realen Lohnzuwachs von 0,4% (laut KOF) gehen 2019 jedoch nur geringe Impulse vom privaten Konsum aus.

Konjunkturrisiken

Damit der für 2020 prognostizierte Aufschwung eintritt, müssen eine Reihe von Konjunkturrisiken ausbleiben bzw. dürften nicht eskalieren: 1. die Handelsstreitigkeiten der USA mit wichtigen Handelspartnern dürfen sich nicht verschärfen; insbesondere der Konflikt der USA mit der EU (zum Beispiel Einführung von Strafzöllen auf deutsche Autos) würde die Schweizer Wirtschaft stark in Mitleidenschaft ziehen, 2. die Unklarheiten über den Brexit und die drohende Frankenaufwertung, 3. Italiens Wirtschaft ist in eine Rezession abgeglitten, 4. regulatorische Streitigkeiten zwischen der Schweiz und der EU (Unternehmenssteuerreform) könnten das Investitionsklima belasten, und 5. am Immobiliensektor droht eine Trendumkehr.

SMI mit neuem Höchststand, aber der Favoritenkreis ist klein

Am Schweizer Aktienmarkt ist von der Wirtschaftseintrübung nichts zu spüren. Der Leitindex, der SMI, erreichte im April mit mehr als 9.600 Punkten einen neuen Höchststand. Die neue Rekordmarke resultiert aber nicht nur aus den Gewinnfortschritten bei den Schweizer Unternehmen, sondern geht zum Großteil auf höhere Bewertungsniveaus zurück. Der Kreis interessanter Aktientitel ist daher auch überschaubar.

Bossard bleibt wie in der Vergangenheit mein Favorit. Zwar hat sich der Titel jüngst schwächer als der Vergleichsindex entwickelt, aber durch den Kursrücksetzer hat die Bewertung mit einem 2019er KGV von 14,5 ein interessantes Niveau erreicht. Operativ zeigt sich der Konzern in Bestform und eilt von Rekordergebnis zu Rekordergebnis. Allerdings dürfte das Wachstum in diesem Jahr etwas langsamer ausfallen.

Die Auftragsbestände vieler Kunden sind anhaltend hoch, aber in einigen Branchen hat der Konzern die Wirtschaftsabkühlung zu spüren bekommen. Bossard steht für Kontinuität. Daran dürfte der Wechsel an der Unternehmensspitze nichts ändern. Nach 14 Jahren tritt CEO Dean ab und kann auf eine erfolgreiche Amtszeit zurückblicken. Der Umsatz wurde um 75% erhöht, das EBIT verdreifacht, und der Aktienkurs hat sich verfünffacht.

Titlis-Bahnen ist mit einem 2019er KGV von 13,6 attraktiv bewertet. Die Investitionen in der Vergangenheit, unter anderem in die Beschneiungsanlagen, haben sich ausgezahlt und im abgelaufenen Geschäftsjahr für einen neuen Rekordwert beim Verkehrsertrag gesorgt. Der Umsatz und die Dividende erreichten Rekordwerte, und mit einer Umsatzrendite von 22,2% ist die Rentabilität hoch. Notwendige Investitionen, um die Attraktivität des Titlis zu erhöhen und der aggressiven Preispolitik der Konkurrenz entgegenzutreten, können dank einer Eigenkapitalquote von 87% problemlos aus eigener Kraft gestemmt werden.

Interroll hat meine Erwartungen klar übertroffen. Der Wachstumskurs hat sich 2018 beschleunigt, und die Marge wurde ausgebaut. Bis jetzt hat der Konzern die konjunkturelle Eintrübung nicht zu spüren bekommen. Die Auftragsbücher sind voll, sodass 2019 ein weiteres Rekordjahr werden dürfte.

Vetropacks Geschäftsentwicklung lag im Rahmen meiner Erwartungen. Umsatz, Absatz und Gewinn wurden gesteigert. Der Kapazitätsausbau hat sich ausgezahlt. Wichtige Absatzregionen legten zweistellig zu. Ein wichtiger Wachstumstreiber ist die steigende Nachfrage nach Glasverpackungen, wie zum Beispiel für Frischmilch. Auch in diesem Jahr dürften der Umsatz und der Absatz erhöht werden. Aufgrund der Aufwendungen für die Digitalisierung und Automatisierung der Produktionsprozesse dürfte die Gewinnentwicklung aber stagnieren. Die Bewertung ist im historischen Vergleich nicht zu hoch.

Bei Mobilezone bewegt sich die Bewertung am unteren Ende der historischen Spanne. 2018 konnte der Konzern den operativen Gewinn das 8. Mal in Folge steigern. Interessant ist die Aktie für dividendenorientierte Anleger. Die Dividendenrendite liegt bei 6,6%, und die Unternehmensleitung hat versichert, dass die Ausschüttungsquote auch in Zukunft auf einem hohen Niveau bleiben soll. Anleger müssen aber den operativen Cashflow im Auge behalten, der 2018 stark rückläufig war. Schließlich bildet der Cashflow die Grundlage für die Dividendenzahlungen.

Ebenfalls aus Dividendensicht interessant bleibt Burkhalter. Zwar wurde die Dividende 2018 gekürzt, aber die Rendite liegt bei rund 5%.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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