Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Schwellenländer: Konjunkturabkühlung für 2019 erwartet

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Die fetten Jahre sind erst einmal vorbei, das gilt auch für die Schwellenländer. Dort werden starke Männer an der Spitze zum Problem. (Foto: Goran Bogicevic / shutterstock.com)

Finanzexperten und Wirtschaftsprofis sind sich einig: Die fetten Jahre sind vorbei. Für 2019 rechnen sie mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum als zuletzt, auch in Deutschland dürfte sich die Konjunktur abkühlen. Eine Rezession wird zwar hierzulande vorerst nicht befürchtet, doch von den Zeiten, als die Schätzungen immer wieder übertroffen wurden, muss man sich wohl fürs erste verabschieden. Gleiches gilt für die Weltwirtschaft.

Doch wie sieht es in den Schwellenländern aus, jenen besonders wachstumsträchtigen Regionen, die durch aufstrebende Infrastruktur und zunehmende Kaufkraft einer breiter werdenden Mittelschicht punkten und dadurch nicht nur interessant für Investoren, sondern auch wichtig für eben jene Weltwirtschaft sind?

Türkei: Wachstumsrate bricht ein

Jahrelang ging es steil aufwärts, vor allem China, Brasilien und die Türkei konnten punkten und verzeichneten teils immense Wachstumsraten. In letzter Zeit jedoch kühlt sich auch dort die Konjunktur spürbar ab, das jährliche Wirtschaftswachstum geht zurück.

Besonders drastisch traf diese Entwicklung zuletzt die Türkei: Dort rechnet die Zentralbank für 2019 mit gerade einmal 1,5 Prozent Wachstum, nachdem vor gar nicht allzu langer Zeit noch 7 Prozent und mehr erzielt werden konnten.

Hintergrund der Nervosität ist vor allem die starke Position und wirtschaftspolitisch teils fragwürdige Haltung des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der die Unabhängig der Notenbank de facto untergraben und die Währungshüter unter Druck gesetzt hat. Die daraus resultierende Währungs- und Zinspolitik führte zu einem extremen Absturz der türkischen Lira. Für die türkische Bevölkerung wurde das alltägliche Leben auf einen Schlag extrem teuer, profitieren konnten hingegen exportorientierte Wirtschaftszweige.

Macht statt Wachstum?

Unter einem starken Mann an der Spitze hat auch Russland zu leiden. Der politische Konfrontationskurs gegenüber den USA und der EU scheint für Wladimir Putin Priorität zu haben vor einer wirtschaftlichen Erholung seines Landes. Für 2019 erwartet das russische Wirtschaftsministerium ein Wachstum von gerade einmal 1,3 Prozent.

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Hoffnungen setzen die Finanzmärkte in Jair Bolsonaro, den frisch vereidigten rechtspopulistischen Präsidenten Brasiliens. Er hat eine deutliche Marktliberalisierung angekündigt, also den Abbau von Hürden und Regulierungen, um Investoren anzulocken. Kurzfristig kann dies durchaus gelingen, an den Märkten wurde der Amtsantritt Bolsonaros gefeiert.

Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein, denn in einem allzu deregulierten Umfeld steigt das Risiko fauler Geschäfte – und irgendwann greift die Panik um sich, Investoren flüchten und zurück bleiben allzu oft chaotische Verhältnisse.

China in der Schuldenfalle?

Mit weniger schwungvollem Wirtschaftswachstum hat auch China zu kämpfen. Jahrelang galt die Volksrepublik als globaler Konjunkturmotor, doch bereits seit Jahren entwickeln sich die Wachstumsraten rückläufig. Ein weiteres Problem ist die immense Verschuldung chinesischer Unternehmen und das gleichzeitige hohe Ausfallrisiko, das Analysten etwa einem Drittel von ihnen bescheinigen.

Die Normalisierung der Verhältnisse im Westen könnte ebenfalls dazu beitragen, die Wachstumsdynamik in den Schwellenländern abzuwürgen: So hat die US-Notenbank Federal Reserve längst damit begonnen, den Leitzins zu erhöhen. Werden Investitionen in den USA dadurch wieder attraktiver für Investoren, könnten sie ihr Kapital aus den Schwellenländern abziehen und umschichten.

Allerdings sind die Risiken derzeit in den USA auch nicht zu unterschätzen – dank eines impulsiven Präsidenten an der Spitze.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.