Schwierige Zeiten für die Automobilzulieferer

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Wie auch die Automobilhersteller, leiden die Autozulieferer unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. (Foto: Roman Tiraposlky / shutterstock.com)

Die Autozulieferer haben, wie auch die Automobilhersteller, derzeit nicht nur mit der Abkühlung in der Autoindustrie zu kämpfen, sondern auch noch mit der Covid-19-Pandemie. Kosten für Corona-Schutzmaßnahmen sowie Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen machen sich in der Bilanz spürbar bemerkbar. Im Oktober belasteten abermals Gewinnwarnungen von Herstellern und Zulieferern die Werte des europäischen Automobilsektors. Auch unsere Zulieferer blieben davon nicht verschont und mussten empfindliche Kurseinbußen hinnehmen.

Mit knapp 50% seit Anfang des Jahres hat es Leoni hart getroffen. Das Unternehmen versinkt in roten Zahlen. Und die deutsche Autoindustrie muss sich eingestehen, dass selbst namhafte Unternehmen keine sichere Bank mehr sind. Bei Grammer sieht es mit knapp 48% Kursverlust auch nicht viel besser aus. Als Reaktion auf die Absatzkrise hat der Vorstand umfangreiche Maßnahmen zur Liquiditätssicherung umgesetzt.

Im 3. Quartal lief es mit der Erholung der Märkte wieder besser. Mitten in der Krise legt Dr. Elmar Degenhart nach über 11 Jahren Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Vorstandsvorsitzender von Continental vorzeitig nieder. Er hat den Konzern aus einer existenzbedrohten Lage zurück in den DAX und auf eine industrieweite Spitzenposition geführt.

Besorgniserregender Reifenmarkt

Auch im 3. Quartal spiegelte sich im Reifenmarkt ein deutlicher Einfluss der Corona-Krise wider. Während von Juli bis September die Verkäufe in den Segmenten Lkw-, Landwirtschafts- und Motorrad-/Rollerreifen zwar um angefangen bei rund 3% über etwa 12% bis hin zu knapp 27% zulegen konnten, wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dennoch 2% weniger Consumer- Reifen – also solche für Pkw, SUV-Fahrzeuge und LKW – abgesetzt. Dabei lastet Letzteres umso schwerer auf der Bilanz, weil dieser Teilbereich gemessen an seinem Volumen der größte ist.

Bereits durch die Rückgänge im 1. Halbjahr fällt auch die Neunmonatsbilanz nicht positiv aus. Im Gegenteil: Die ETRMA (European Tyre & Rubber Manufacturers Association) spricht von einer für die Reifenbranche insgesamt besorgniserregenden Entwicklung.

Bei Michelin ging die Nachfrage nach PKW- und Light-Truck-Reifen um 17% zurück. Ein Rückgang von 6% im 3. Quartal zeigte aber einen robusten Aufschwung gegenüber dem Vorquartal. Bei Goodyear brach der Absatz in den ersten 9 Monaten um 24% auf 88,3 Mio. Einheiten ein. Mit einem eigenen Sortiment an Bremsbelägen, Bremsscheiben und Bremssätteln will sich Goodyear unabhängiger vom Reifenmarkt machen.

Die automobilen Megatrends haben noch Bestand

Die automobilen Megatrends wie vernetztes Fahren sowie Elektromobilität haben noch Bestand, sie werden jedoch durch rückläufige Absätze und Covid-19 stark beeinflusst. Einerseits stehen Restrukturierungs- und Kosteneinsparprogramme auf der Agenda. Aber andererseits besteht zugleich die Notwendigkeit, in Forschung und Entwicklung neuer Technologien zu investieren. Um diesen Rahmenbedingungen bestmöglich begegnen zu können, investiert Bertrandt gezielt in Infrastruktur und Know-how. Die zunehmende Überlagerung von Mobilität und IT bietet dem Unternehmen weitere Geschäfts- und Kooperationsfelder.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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