Scientific Games: Glücksspielspezialist taumelt nach schwachen Zahlen in den Keller

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Scientific Games Corporation: Anleger schicken Aktie des Rubbellos-Erfinders nach schwachen Zahlen auf Talfahrt. Hohe Schuldenlast treibt Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Um satte 18% rauschten die Papiere des US-Konzerns Scientific Games nach Bekanntgabe der Zahlen in den Keller. Die Erwartungen der Analysten wurden verfehlt – unter dem Strich stand ein dicker Quartalsverlust in den Büchern.

Wie geht es mit dem Glücksspielspezialisten weiter? Was ist die Prognose für weiteren Jahresverlauf und wie stufen die Analysten die Perspektiven des Konzerns ein?

Scientific Games Corporation im Portrait

Scientific Games wurde 1973 gegründet und stellte im selben Jahr das weltweit erste Rubbellos vor. Bis in das Jahr 2000 war die Herstellung von Ausrüstung für den Verkauf von Rubellosen das einzige Standbein von Scientific Games, doch noch in diesem Jahr wurde das Unternehmen durch die Autotote Corporation, einem Hersteller von Hard- und Software für die Veranstaltung von Pferdewetten, übernommen. Obgleich Autotote das übernehmende Unternehmen war, wurde die fusionierte Gesellschaft ein Jahr später in Scientific Games Corporation umbenannt.

Im Jahr 2002 stand Scientific Games im Zuge eines Wettskandals im Fokus der Medien. Drei Mitarbeitern gelang es, durch ihren Zugang auf Software des Unternehmens für die Anwendung bei Pferderennen, Wetten zu manipulieren und sich so rund 3 Millionen US-Dollar auszahlen zu lassen. Zu Scientific Games gehören seit 2013 WMS Industries und seit 2014 Bally Technologies, beide sind Hersteller von Spielautomaten.

Heute fokussiert sich der Konzern auf Spieleautomaten und entwickelt digitale Plattformen für Online-Casinos.

Quartalszahlen bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück

Zuletzt konnte der Konzern bei seinen Anlegern aber nicht punkten. Im vierten Quartal ging der Umsatz auf 863 Millionen Dollar und damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,6%. Die Analysten hatten im Vorfeld der Zahlen mit 895,32 Millionen Dollar Umsatz gerechnet. Ähnlich enttäuschend fiel die Gewinnentwicklung aus. Unter dem Strich fiel ein Verlust je Aktie von 46 Cent an, was massiv (68 Cent) unter den Prognosen der Analysten lag.

Im gesamten zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei dem Unternehmen Umsätze in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar durch die Bücher, was einer leichten Steigerung zum Vorjahr entspricht (+1,1). Parallel dazu konnte der Verlust von 352 auf 118 Millionen Dollar reduziert werden.

Hohe Schuldenlast drückt

Unterdessen arbeitet Scientific Games mit Hochdruck daran, seine Verschuldungssituation zu verbessern. Zuletzt saß die Gesellschaft auf einem immensen Schuldenberg von über 8,5 Milliarden Dollar. Das entspricht dem 6,4-Fachen bereinigten operativen Ergebnis. Bis 2021 soll das Verhältnis auf 5,5 reduziert werden.

Insider decken sich mit Aktien ein

Nicht alle Aktionäre haben sich zuletzt von der aktuellen Schwächephase verunsichern lassen. Im Herbst hat der Multimilliardär und auf angeschlagene Firmen spezialisierte US-Investor Ronald Perelman weitere 350.000 Aktien im Gegenwert von 7,6 Millionen Dollar gekauft. Damit baut er seine ohnehin massive Aktienposition nochmals deutlich aus. Inzwischen hält Perelman 36,79 Millionen Aktien des Konzerns und damit über 39% aller ausstehenden Firmenanteile.

Analystenmeinungen gehen himmelweit auseinander

Ganz im Gegensatz zu Perelman scheinen sich die Analysten weniger einig zu sein. Die Kursziele der 10 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, rangieren zwischen 23 und 55 Dollar (aktueller Kurs 23,75 Dollar). Obwohl die Banker im Schnitt von einer deutlichen Gewinnverbesserung ausgehen, rät der Großteil lediglich zum Halten der Scientific Games-Papiere.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.