Scout24-Aktie: Aktionärsaktivist rückt dem Internetkonzern nach vereitelter Übernahme auf die Pelle

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Scout24: Milliardär zieht nach vereitelter Übernahme die Daumenschrauben an. Singer fordert Aufspaltung des Internetkonzerns und massive Aktienrückkäufe (Foto: 360b / shutterstock.com)

Gerade einmal drei Monate ist es her, als der größte Coup von Finanzinvestoren an der deutschen Börse gescheitert ist. Die US-Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman und Blackstone bissen sich mit ihrer gemeinsamen 5,7 Milliarden Euro schweren Kaufofferte für den Betreiber der Portale ImmobilienScout24 und AutoScout24 die Zähne an dessen Aktionären aus. Mit 42,8% verfehlten sie die angestrebte Mehrheit von mehr als 50% deutlich.

Nach dem Scheitern der Übernahme rutschte der Kurs bis auf 42 Euro und damit deutlich unter das Angebotsniveau von 46 Euro ab. Doch seither hat sich die Aktie wieder deutlich stabilisiert und notiert inzwischen bei 51 Euro auf dem höchsten Niveau seit dem Börsengang vor vier Jahren.

Das reicht dem aktivistischen Investor Elliott aus den USA aber noch lange nicht. Er erhöht über die Öffentlichkeit seinen Druck auf das Management und fordert die Zerschlagung des Konzerns. Dem Aktienkurs verleiht dies weiteren Rückenwind.

Scout24 – Platzhirsch unter den Onlineportalen

Scout24 betreibt digitale Anzeigenplattformen für den Immobilien- und Automobilmarkt. Dabei tritt das Unternehmen unter den Marken ImmobilienScout24, AutoScout24 sowie FinanceScout24 auf und agiert dabei vorwiegend in Deutschland, aber auch in weiteren europäischen Ländern. Laut eigenen Angaben ist ImmobilienScout24 die führende Plattform für digitale Immobilienanzeigen.

AutoScout24 ist ein Anzeigenportal für Gebraucht- und Neuwagen, Motorräder und Nutzfahrzeuge. Außerdem bietet die Plattform Automobilherstellern die Möglichkeit zu digitaler Werbung, sowie Services für Ersatzteilhändler, Finanz- und Versicherungsdienstleister.

Mit der im August übernommenen Online-Plattform FinanceScout24 ist der Konzern auch Finanzbereich aktiv.  Das Portal FINANZCHECK.de betreibt eine Online-Plattform für Verbraucherfinanzierung und bietet Nutzern in Echtzeit einen schnellen und effizienten Vergleich von Verbraucherkrediten. Weitere Marken der Scout24 Holding sind das Partnerportal Friends Scout 24, die Online-Börse Job Scout24 oder Travel Scout 24, das Onlinereisebüro für unterwegs und daheim.

Elliott macht sich für Zerschlagung stark

Nun erhöht der US-Fondsmanager und Milliardär Paul Singer, der hinter den Elliott-Fonds steckt, den Druck auf das Management. Aktuell hält Singer 7,5% aller Scout24-Anteile. In einem offenen Brief an den Konzern forderte er die Aufspaltung und milliardenschwere Aktienrückkäufe, um den Wert der Firma nach oben zu treiben. Konkret soll endlich ein Käufer für die Autoscout24 gefunden werden.

Der Online-Marktplatz für Gebrauchtwagen steht für rund ein Drittel der Gesamtumsätze. Laut Insidern sind mehrere Interessen an dem Portal interessiert. Unter anderem fallen immer wieder die Namen Axel Springer oder Auto1 als mögliche Käufer. Der kolportierte Kaufpreis liegt bei rund 2,5 Milliarden Euro.

5 Milliarden Euro für Immobilienscout24

Zugleich sieht Elliott den Wert des Immobilienportals „Immobilienscout24“ bei mindestens 5 Milliarden Euro. Insgesamt macht der Milliardär die aktuelle Struktur für die Unterbewertung an der Börse verantwortlich. Zwei unterschiedliche Geschäftsbereiche, die keine bedeutenden Synergien aufweisen, locken keine Anleger an, so Singer. Darüber hinaus fordert der Manager milliardenschwere Aktienrückkäufe, um dem Kurs auf die Beine zu helfen.

Operativ auf Kurs

Dabei sah es bei den Geschäftszahlen im ersten Quartal gar nicht mal schlecht aus: Scout24 hatte seinen Umsatz in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich gesteigert. Die Erlöse zogen um ein Fünftel auf 148,8 Millionen Euro an.

Damit wurden die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Die Ebitda-Marge lag bei 47,7% und somit etwas höher als im Vorjahresquartal (47,5%). Unter dem Strich ging das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis um rund 14% auf 26,1 Millionen Euro zurück. Finanzchef Christian Gisy bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll 2019 um 15 bis 17% zulegen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.