Scout24-Aktie: Internetportalbetreiber wird bei erhöhter Offerte schwach

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US-Finanzinvestoren schnappen sich Münchener Portalbetreiber Scout24 in milliardenschwerem Deal. Größter Buy-out Deutschlands bahnt sich an. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Bereits seit Mitte Dezember hat die Übernahmephantasie für hohe Schwankungen bei der Aktie des Onlineportalbetreibers Scout24 gesorgt. Im Januar legten dann die ehemaligen Eigentümer Blackstone und Hellmann & Friedmann eine Offerte zum Rückkauf der Anteile in Höhe von 43,50 Euro auf den Tisch. Doch Scout24 ließ das Bieterduo eiskalt abblitzen und beauftragte selbst eine Investmentbank, um nach einem möglichen Käufer zu suchen.

In Erwartung eines Bieterkampfes brachten sich zahlreiche Investoren in Stellung. Jetzt ist zwar kein neuer Käufer in Erscheinung getreten, aber die beiden US-Finanzinvestoren haben ihr Angebot versüßt und weitere 269 Millionen Euro auf ihre ursprüngliche Offerte draufgepackt. Damit bietet das Duo nun 5,7 Milliarden Euro. Geht der Deal durch, wäre es der größte Buy-Out, den es jemals in Deutschland gab.

Scout24 im Portrait

Bevor ich auf die aktuelle Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen erst noch das Geschäftsmodell des Münchener Internetportalbetreibers näher vorstellen. Scout24 betreibt digitale Anzeigenplattformen für den Immobilien- und Automobilmarkt. Dabei tritt das Unternehmen unter den Marken ImmobilienScout24, AutoScout24 sowie FinanceScout24 auf und agiert dabei vorwiegend in Deutschland, aber auch in weiteren europäischen Ländern. Laut eigenen Angaben ist ImmobilienScout24 die führende Plattform für digitale Immobilienanzeigen.

AutoScout24 ist ein Anzeigenportal für Gebraucht- und Neuwagen, Motorräder und Nutzfahrzeuge. Außerdem bietet die Plattform Automobilherstellern die Möglichkeit zu digitaler Werbung, sowie Services für Ersatzteilhändler, Finanz- und Versicherungsdienstleister.

Mit der im August übernommenen Online-Plattform FinanceScout24 ist der Konzern auch Finanzbereich aktiv.  Das Portal FINANZCHECK.de betreibt eine Online-Plattform für Verbraucherfinanzierung und bietet Nutzern in Echtzeit einen schnellen und effizienten Vergleich von Verbraucherkrediten. Weitere Marken der Scout24 Holding sind das Partnerportal Friends Scout 24, die Online-Börse Job Scout24 oder Travel Scout 24, das Onlinereisebüro für unterwegs und daheim.

Niedrige Annahmeschwelle von 50%

Im Rahmen des Übernahmeangebots wollen die beiden US-Käufer 46 Euro je Aktie zahlen. Damit kommt Scout24 auf einen Firmenwert von 5,7 Milliarden Euro inklusive 800 Millionen Euro an Nettoschulden. Das entspricht ungefähr dem 18-Fachen des erwarteten operativen Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA).

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Dabei zielen Blackstone und Hellmann & Friedmann nicht auf eine Komplettübernahme des Internetkonzerns ab. Zunächst sollen lediglich 50% plus eine Aktie übernommen werden. Mit der niedrigen Annahmeschwelle beugen die beiden Großanleger einen Einstieg von Hedgefonds vor, die sich Anteile sichern und auf Grund einer höheren Annahmeschwelle auf ein verbessertes Angebot pokern.

Wiederholungstäter am Werk

Dabei handelt es sich bei den beiden Käufern um keine Unbekannten. Die beiden Finanzinvestoren hatten vor sechs Jahren die Firmen von der Deutschen Telekom übernommen und 2015 auf das Parkett gebracht. Damals wurden die Papiere mit 30 Euro an die Anleger ausgegeben.

Auch nach dem Übernahmedeal, wenn er denn durchgeht, bleibt den Investoren die Scout24-Aktie vorerst vorhanden. Denn die Papiere bleiben weiter an der Börse notiert. Für einen Rückzug von der Börse müssten die Bieter mindesten 90 bzw. 95% aller Stimmrechte eingesammeln.

Operativ in der Spur – Prognose bestätigt

Zuletzt lief es operativ bei dem Münchener Konzern rund. Der Konzernumsatz stieg 2018 nach vorläufigen Zahlen um 12,5% im Vergleich zum Vorjahr auf 531,7 Millionen Euro. Dazu hat auch die Übernahme von Finanzcheck.de mit 12,3 Millionen Euro beigetragen. Auch die Margenentwicklung konnte sich sehen lassen. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte auf 291,5 Millionen Euro (+15,3%). Damit erreichte die EBITDA-Marge ein beeindruckendes Niveau von 54%.

Aktie hat Übernahmepreis überschritten

Am gestrigen Montag notierte die Scout24-Aktie bereits leicht über der Übernahmeofferte von 46 Euro. Das könnte darauf hindeuten, dass Anleger auf ein alternatives Angebot, vielleicht von Shibsted, Napster oder Springer setzen. Allerdings hat sich die Scout24-Führung schon positiv dem Deal gegenüber geäußert. Auch dürften die alten Verbindungen eher für den Deal sprechen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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