Scout24-Aktie: Portalbetreiber geht nach Übernahmeangebot in Angriffsmodus über

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Portalbetreiber Scout24 will nach Übernahme selbst auf Einkaufstour gehen. Möglicherweise bahnt sich mit mobile.de der nächste Megadeal an. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Jetzt ist es amtlich. Nachdem die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone bereits im Februar ihre Übernahmepläne für den Internet-Konzern Scout24 bekanntgegeben haben, wurde jetzt die öffentliche Offerte vorgelegt. Aktionäre können vom 28. März bis 9. Mai ihre Aktien andienen. Wie angekündigt erhalten die Anleger 46 Euro je Anteilsschein. Dies entspricht einer Prämie von 27% auf den “unbeeinflussten” Aktienkurs des Online-Marktplatzes für Immobilien und Automobile, also des Kurses vor der Ankündigung.

Momentan ist die Aktie bei gut 46 Euro wie zementiert und handelt damit exakt auf dem Niveau des gebotenen Übernahmepreises.

Scout24 – Platzhirsch unter den Onlineportalen

Scout24 betreibt digitale Anzeigenplattformen für den Immobilien- und Automobilmarkt. Dabei tritt das Unternehmen unter den Marken ImmobilienScout24, AutoScout24 sowie FinanceScout24 auf und agiert dabei vorwiegend in Deutschland, aber auch in weiteren europäischen Ländern. Laut eigenen Angaben ist ImmobilienScout24 die führende Plattform für digitale Immobilienanzeigen.

AutoScout24 ist ein Anzeigenportal für Gebraucht- und Neuwagen, Motorräder und Nutzfahrzeuge. Außerdem bietet die Plattform Automobilherstellern die Möglichkeit zu digitaler Werbung, sowie Services für Ersatzteilhändler, Finanz- und Versicherungsdienstleister.

Mit der im August übernommenen Online-Plattform FinanceScout24 ist der Konzern auch Finanzbereich aktiv.  Das Portal FINANZCHECK.de betreibt eine Online-Plattform für Verbraucherfinanzierung und bietet Nutzern in Echtzeit einen schnellen und effizienten Vergleich von Verbraucherkrediten. Weitere Marken der Scout24 Holding sind das Partnerportal Friends Scout 24, die Online-Börse Job Scout24 oder Travel Scout 24, das Onlinereisebüro für unterwegs und daheim.

Deutliches Gewinnplus im vergangenen Geschäftsjahr

Zuletzt setzte der Münchener Konzern seinen Wachstumskurs ungebremst fort. So kletterte der Konzernumsatz 12,5% auf 531,7 Millionen Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 15,3% auf 291,5 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 165 Millionen Euro übrig und damit fast die Hälfte mehr als 2017.

Online-Werbemarkt treibt die Geschäfte

Auch für das laufende Jahr zeigt sich die Geschäftsführung zuversichtlich. Vor allem der boomende Online-Werbemarkt in Deutschland und Europa sorgt für kräftigen Rückenwind. Beim Umsatz peilt der Portalbetreiber ein Plus zwischen 15 und 17% an. Allerdings soll die operative Gewinnmarge (Ebitda) auf Grund von Investitionen in Finanzcheck.de mit 52 bis 54% unter dem Vorjahr liegen. Für Sie zum Vergleich: In 2018 erzielte Scout24 eine beeindruckende Ebitda-Marge von 54,8%.

Scout24 wird selbst zum Firmenjäger

Dass der Deal durchgeht, ist so gut wie sicher. Die Vorstandsetage zeigt sich wohlwollend und die Zustimmung der Ankeraktionäre dürfte, nicht zuletzt auf Grund des attraktiven Preises, so gut wie sicher sein. Mit starken altbekannten Großaktionären im Rücken sieht sich Scout24 auch in den kommenden Monaten selbst auf starkem Expansionskurs. Vor allem am Rivalen mobile.de, der zum Ebay-Anzeigengeschäft zählt, hat Scout24 Interesse. Die Abspaltung von Ebay wird vor allem von dem aktivistischen Hedgefondsmanager und Milliardär Paul Singer gefordert, der sich bei Ebay eingekauft hat.

Ob Scout24 mobile.de überhaupt übernehmen dürfte allerdings auf das Kartellamt ankommen. Auch wenn sich zuletzt der deutsche Autoanzeigen-Markt durch den Eintritt von Heycar, Carwow und Auto1 (wirkaufendeinauto.de) stark verändert hat, mobile.de ist und bleibt in Deutschland weiter die Nummer 1 für Gebrauchtwagen-Anzeigen im Internet.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.