Scout24-Aktie: Übernahmegerüchte sorgen für Höhenflug

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

Scout24-Aktie: Internetportalbetreiber wird Spielball der Spekulanten. Britisches Finanzblatt heizt Übernahmegerüchte massiv an (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Momentan brodelt die Gerüchteküche. Jetzt hat es die Aktie des Internetportals Scout24 erwischt. Spekulationen, dass ein mögliches Übernahmeangebot bevorsteht, wurden von den Anlegern in den vergangenen Tagen mit deutlichen Kurszuwächsen quittiert. In den letzten Tagen legten die Scout24-Papiere zeitweilig um mehr als 20% an Wert zu.

Scout24 – Platzhirsch unter den Onlineportalen

Bevor ich auf die jüngsten Übernahmespekulationen eingehe, möchte ich Ihnen erst noch das Geschäftsmodell des Münchener Internetportalbetreibers näher vorstellen. Scout24 betreibt digitale Anzeigenplattformen für den Immobilien- und Automobilmarkt. Dabei tritt das Unternehmen unter den Marken ImmobilienScout24, AutoScout24 sowie FinanceScout24 auf und agiert dabei vorwiegend in Deutschland, aber auch in weiteren europäischen Ländern. Laut eigenen Angaben ist ImmobilienScout24 die führende Plattform für digitale Immobilienanzeigen.

AutoScout24 ist ein Anzeigenportal für Gebraucht- und Neuwagen, Motorräder und Nutzfahrzeuge. Außerdem bietet die Plattform Automobilherstellern die Möglichkeit zu digitaler Werbung, sowie Services für Ersatzteilhändler, Finanz- und Versicherungsdienstleister.

Mit der im August übernommenen Online-Plattform FinanceScout24 ist der Konzern auch Finanzbereich aktiv.  Das Portal FINANZCHECK.de betreibt eine Online-Plattform für Verbraucherfinanzierung und bietet Nutzern in Echtzeit einen schnellen und effizienten Vergleich von Verbraucherkrediten. Weitere Marken der Scout24 Holding sind das Partnerportal Friends Scout 24,die Online-Börse Job Scout24 oder Travel Scout 24, das Onlinereisebüro für unterwegs und daheim.

Börsennotiz ade?

In der vergangenen Woche kam es erstmals zu Übernahmegerüchten. Laut Berichten der Financial Times haben mehrere Beteiligungsgesellschaften den Münchener Konzern ins Visier genommen. Einer der möglichen Bieter ist Spekulationen zufolge der US-Investor Silver Lake. Vom Anlagefokus könnte das durchaus passen. Denn Silver Lake hat sich auf Technologiefirmen spezialisiert und sich erst im Mai den britischen Internet-Immobilienmarktplatz Zoopla für 2,2 Milliarden Pund einverleibt.

Fest steht, dass es beileibe kein kleiner Deal wäre. Denn inklusive der Verbindlichkeiten müsste ein Käufer beim aktuellen Aktienkurs mindestens 5,5 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Für Scout 24 wäre es übrigens nicht der erste Eigentümerwechsel. Sie müssen wissen: Die 2004 eingestiegene Deutsche Telekom verkaufte 2013 eine Mehrheitsbeteiligung von 70% für 1,5 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Hellman & Friedman. Dieser brachte Scout24 zwei Jahre später an die Börse und trennte sich nach und nach mit Gewinn von seiner Beteiligung.

Gewinnmargen deutlich verbessert

Operativ lief es bei dem Münchener Konzern in den zurückliegenden Jahren wie geschmiert. In den letzten drei Jahren kletterten die Umsätze von 393,6 auf 479,8 Millionen Euro. Noch besser entwickelte sich parallel dazu der Gewinn, der sich auf 110,9 Millionen Euro nahezu verdoppelte. Kein Wunder, immerhin erhöhte sich die Gewinnspanne des Konzerns seither um 8,53 Prozentpunkte auf zuletzt 23,12%.

Zweistelliges Umsatzplus erwartet

Auch in diesem Jahr dürfte sich das Wachstum weiter fortsetzen. Der Konzern rechnet mit einem Umsatzplus zwischen 11,5 und 13,5%. Unter dem Strich dürften also Umsätze von mehr als 535 Millionen Euro durch die Bücher gehen.

Allerdings gab es zuletzt auch einige kritische Stimmen. Vor allem die getätigte Übernahme von Finanzcheck.de für 285 Millionen Euro und der damit verbundene Eintritt in den Finanzsektor hat nicht nur für Beifall gesorgt. Besonders der hohe Kaufpreis, der immerhin dem 8-Fachen Umsatz entsprach, wurde kritisiert.

Nahezu alle Aktien im Streubesitz

Wie steht es also um die Wahrscheinlichkeit eines Übernahmeszenarios? Zu konstatieren ist zumindest, dass es keine größeren Ankeraktionäre mehr gibt. Immerhin befinden sich 99% aller Aktien im sogenannten Streubesitz. Den Rest halten aktuelle und ehemalige Mitglieder des Managements. Lediglich einige institutionelle Investoren wie der norwegische Staat, Morgan Stanley und Fidelity halten Aktienpaket von rund 3%. Damit dürfte das Aufsammeln von Aktien am Markt ohne größere Probleme möglich sein. Bislang hat sich aber noch keine der Firmen zu den Gerüchten geäußert.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.