Scout24: Deal-Aus auf der Zielgeraden

Stada Logo RED_shutterstock_173796929_360b

Scout24: Anleger lassen Finanzinvestoren eiskalt abblitzen. Firmenboss wertet Deal-Aus als Vertrauensbeweis und hält an Jahreszielen fest. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Satz mit X, das war wohl nichts. Es sollte die größte Übernahme eines börsennotierten Konzerns in Deutschland durch Finanzinvestoren werden. Für stolze 5,7 Milliarden Euro Firmenwert sollte der Internet-Konzern Scout24 den Besitzer wechseln. Doch daraus wird wohl erst einmal nichts. Die Aktionäre waren von dem Deal offenbar nicht überzeugt und haben zu wenig Aktien angedient. Damit blitzen Hellmann & Friedmann und Blackstone mit ihrer gemeinsamen Offerte bei dem Online-Portalbetreiber ab.

Entsprechend schwach zeigte sich in einer ersten Reaktion der Kurs. Die entweichende Übernahmephantasie sorgte für ein zwischenzeitliches Kursminus von 9%. Am Ende erholten sich die Papiere aber wieder. Einen Tag später notieren die Papiere mit leicht über 44 Euro nur knapp unter der gerade abgelehnten Offerte.

Scout24 – Platzhirsch unter den Onlineportalen

Scout24 betreibt digitale Anzeigenplattformen für den Immobilien- und Automobilmarkt. Dabei tritt das Unternehmen unter den Marken ImmobilienScout24, AutoScout24 sowie FinanceScout24 auf und agiert dabei vorwiegend in Deutschland, aber auch in weiteren europäischen Ländern. Laut eigenen Angaben ist ImmobilienScout24 die führende Plattform für digitale Immobilienanzeigen.

AutoScout24 ist ein Anzeigenportal für Gebraucht- und Neuwagen, Motorräder und Nutzfahrzeuge. Außerdem bietet die Plattform Automobilherstellern die Möglichkeit zu digitaler Werbung, sowie Services für Ersatzteilhändler, Finanz- und Versicherungsdienstleister.

Mit der im August übernommenen Online-Plattform FinanceScout24 ist der Konzern auch Finanzbereich aktiv.  Das Portal FINANZCHECK.de betreibt eine Online-Plattform für Verbraucherfinanzierung und bietet Nutzern in Echtzeit einen schnellen und effizienten Vergleich von Verbraucherkrediten. Weitere Marken der Scout24 Holding sind das Partnerportal Friends Scout 24, die Online-Börse Job Scout24 oder Travel Scout 24, das Onlinereisebüro für unterwegs und daheim.

Stada Logo RED_shutterstock_173796929_360b

Stada Aktie: Der weite Weg zum Squeeze-outDie Stada Aktie verschwindet von der Börse – doch eine hundertprozentige Übernahme durch die neuen Mehrheitseigner könnte sich hinziehen. › mehr lesen

Versüßte Offerte reißt Anleger nicht vom Hocker

Auch wenn der Scout24- Vorstand die im Februar auf 46 Euro angehobene Offerte unterstützte, bei den übrigen Anlegern stieß das Angebot auf wenig Gegenliebe. Trotz des rund 27%-Aufschlags zu den Kursen vor den Übernahmespekulationen, kam das Investorenduo zum Ende der Übernahmefrist nur auf 42,8% des Grundkapitals. Davon stammten allein 6,2% aus Aktien, die Hellmann & Friedman und Blackstone zuvor selbst am Markt eingesammelt hatten.

Unter dem Strich wurden nur 28,5% der Aktie von anderen Anlegern zu 46 Euro eingereicht. Summa summarum waren die beiden Bieter ein ordentliches Stück von der Mindestannahmeschwelle (50% + 1 Aktie) entfernt, die für ein Gelingen des Deals hätte erreicht werden müssen.

Bieter wollten Hedgefonds Wind aus den Segeln nehmen

Im Nachhinein ist klar, dass sich wohl alle Beteiligten ordentlich verschätzt haben. Dabei hatten die Finanzinvestoren bewusst auf eine Komplettübernahme verzichten wollen, um keine Hedgefonds anzulocken, die auf eine Nachbesserung (ähnlich Stada) spekulieren. Eine Anhebung des Angebots oder Verlängerung der Frist wurde von den Beteiligten vorher bereits ausgeschlossen. Damit ist die Chance, dass es einen zweiten Anlauf gibt, auch eher gering. Innerhalb der nächsten 12 Monate, so die beiden Bieter, wird es kein neues Angebot geben. Es sei denn, so die Einschränkung, dass ein alternativer Bieter mit einer Offerte auftaucht.

Scout24 zeigt sich zuversichtlich und hält Prognose fest

Scout24-Chef Tobias Hartmann zeigt sich nach der Entscheidung der Aktionäre selbstbewusst und wertet die Situation als Vertrauensbeweis seiner Investoren. Auch ohne Übernahme hält der Konzern an seinen Wachstumsplänen fest. Mit Hilfe einer Kreditlinie von 500 Millionen Euro steht vor allem auch Wachstum durch Übernahmen auf dem Programm. Unterdessen peilen die Münchener zweistellige Zuwächse an. Für das Gesamtjahr soll ein Umsatzplus von 16% und eine operative Marge von 53% erreicht werden.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.