Sell in May and go away … wenn Sie kein Geld verdienen möchten!

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Pünktlich zum 1. Mai geistert die Regel Jahr für Jahr wieder durch die Medien. Erfahren Sie hier die Wahrheit darüber! (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Alle Jahre wieder taucht sie auf: Diese ominöse Börsenregel „Sell in May and go away.“

Ins Deutsche übersetzt heißt das so viel wie: „Verkaufen Sie Ihre Aktien im Mai und halten Sie sich vom Aktienmarkt fern.“

Da die Börsenregel in dieser Form offen ließ, ob überhaupt und wenn, wann man wieder zurückkehren sollte, ergänzten findige Leute den Satz: „ … but remember, to come back in September.“ (übersetzt: „ … aber vergiss nicht, im September zurück zu kommen.“)

Sollten Sie diese Empfehlung ab dem kommenden Dienstag (dem 1. Mai 2018) beherzigen? Ich werde Ihnen diese Frage im Nachgang anhand meiner Analysen zum DAX beantworten.

Stop: Kein Handel in Deutschland am 1. Mai

Zunächst einmal müssten Sie als Deutsche(r) Ihre Verkaufspläne um einen Tag aufschieben: Der 1. Mai ist bekanntlich ein bundesweiter Feiertag und entsprechend bleiben die Börsen geschlossen.

Aber auch am 2. Mai zu verkaufen, ist nicht wirklich eine gute Idee, wie Sie gleich sehen werden. Doch vorab erst einmal ein paar Erläuterungen zu meiner Analyse:

Die Basis für meine Untersuchung

Ganz ehrlich: Die „Sell in May“-Regel hat es mir schon vor vielen Jahren angetan. Stets habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, sie zu bestätigen oder eben auch zu demaskieren.

Entsprechend habe ich meine Datenbank für den DAX 30 erweitert, um den wahren Effekt zu untersuchen und jedes Jahr zu aktualisieren. Die von mir genutzten DAX-Daten reichen zurück bis in den Januar 1960.

Die Index-Stände vor der DAX-Einführung im Juli 1988 sind zurückgerechnet: Sie basieren auf den Monatsschlusskursen des bis dahin benutzten Index der „Börsenzeitung“.

Da mir inzwischen Resultate für 58 Jahre vorliegen, halte ich die Ergebnisse meiner Untersuchung auch für repräsentativ.

So werte ich die Daten aus

Um zu vernünftigen Ergebnissen zu gelangen, habe ich folgende Vorgehensweise unterstellt:  Der DAX wird zum Schlusskurs vom April verkauft – der Wiedereinstieg erfolgt dann zum Schlusskurs vom Oktober.

Somit wäre man jeweils 6 Monate im DAX investiert – von Ende Oktober bis Ende April und hielte dann in den folgenden 6 Monaten bis Ende Oktober Bargeld auf dem Konto.

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Damit jedoch genug der Vorreden: Hier sind meine Erkenntnisse!

Also stimmt die Regel doch …?

Das Ergebnis scheint auf den ersten Blick tatsächlich FÜR den „Sell in May“-Effekt zu sprechen:

In 30 der 58 betrachteten Jahre lieferte der DAX von Ende April bis Ende Oktober ein negatives Resultat ab. Und:

In 38 von 57 Jahren (das Ergebnis für Ende Oktober 2017 bis Ende April 2018 liegt ja erst am Montag vor) wurde von Ende Oktober bis Ende April ein positives Ergebnis erzielt.

Indes…

Obwohl der DAX in der Summe zwischen Ende April und Ende Oktober -1.354 Punkte verloren hat, hätten Sie in all den Jahren dennoch insgesamt +26,55% verdienen können. Wie ist das zu erklären?

Ganz einfach: Weil es bei der prozentualen Betrachtung auf die Berechnungsbasis ankommt. Dazu ein Beispiel:

Fällt der DAX von 10.000 auf 5.000 Punkte, dann büßt er -50% an Wert ein. Steigt er jedoch wieder von 5.000 auf 10.000 Zähler, dann gewinnt er +100%!

Fazit

Wenn Sie, wie oben angenommen, jedes Jahr den DAX am letzten Handelstag im April verkaufen und ihn am letzten Handelstag im Oktober wieder kaufen, würden Sie in der Vergangenheit ein schlechtes Geschäft gemacht haben:

Tatsächlich ist die Investitionsphase von Oktober bis April mit +438,45% deutlich ertragreicher. Sie hätten per Saldo aber eben auch in dem anderen Zeitraum Geld verdient.

Die letzten größeren Verluste gab es übrigens in den Jahren 2007 / 2008 (-28,22%; Finanzkrise) und 2010 / 2011 (-18,27%; Nuklear-Katastrophe in Fukushima).

Wenn Sie also auf DAX-Gewinne verzichten wollen, dann sollten Sie der „Sell in May“-Regel auf jeden Fall folgen.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.