Sell in May: Das ist dran an der alten Börsenweisheit

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Was an der alten Börsenweisheit Sell in May and go away dran ist und wie Sie mit dieser Weisheit meines Erachtens umgehen sollten. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Nach den sehr starken Börsenmonaten März und April bröckeln die Aktienkurse im Mai wieder ab. Beim Stichwort Mai denken viele von Ihnen sicherlich an eine alte Börsenweisheit.

Sell in May and go away lautet diese alte Börsenweisheit, die die meisten von Ihnen sicherlich kennen. Für diejenigen, die die Börsenweisheit nicht kennen, hier eine kurze Erläuterung: Der Ausspruch besagt, dass Sie sich im Monat Mai von Ihren Aktien trennen sollten.

Der 2. Teil dieser Börsenweisheit lautet but don´t forget to come back in September. Sie sollen also im September wieder einsteigen. Ich möchte im heutigen Schlussgong für Sie die genannte Börsenweisheit einem Faktencheck unterziehen und untersuchen, wie Sie damit gefahren wären, wenn Sie sich in der Vergangenheit dran gehalten hätten.

DAX: Saisonalität vorhanden

Zahlen lügen nicht und belegen, dass die alte Börsenweisheit Sell in May and go away in dieser Form ins Reich der Fabeln gehört. Ein nüchterner Blick auf die Performancezahlen zeigt zwar, dass der DAX, genauso wie auch der Dow Jones, sehr wohl eine gewisse Saisonalität aufweist.

Allerdings reicht die gute Zeit im langjährigen Durchschnitt bis in den Juli hinein, so dass es eher heißen müsste Sell in July and say bye-bye (zu deutsch: verkaufe im Juli und zieh Dich dann vom Markt zurück). Denn extreme Markteinbrüche des DAX fanden auffallend häufig im Spätsommer oder im Herbst statt, sprich in den Monaten August, September oder Oktober.

Diese Saisonalität konnten wir auch im vergangenen Jahr beobachten. Insofern ist auch der 2. Teil der Börsenweisheit but don´t forget to come back in September rein statistisch gesehen und am Beispiel des DAX widerlegt.

Zu viele Ausnahmen

Stellen wir uns an dieser Stelle zunächst die Frage, woher die Börsenweisheit Sell in May and go away kommt. Wissenschaftler führen die Verbreitung dieses Ausspruchs auf das Jahr 1935 zurück, als die Formulierung erstmals in den Medien auftauchte.

Dieser Börsenweisheit zugrunde liegt die Idee, dass in den Sommermonaten die meisten Börsianer im Urlaub sind oder aus anderen Gründen weniger handeln und dass die geringere Liquidität zu größeren Schwankungen führt und sich auch sonst negativ auswirkt.

Schauen wir uns nun an, wie es statistisch aussieht: In 17 der vergangenen 30 Jahre wäre es tatsächlich eine gute Idee gewesen, den DAX Ende April zu verkaufen und Anfang September wieder einzusteigen. Doch mir ist die Anzahl der Ausnahmen viel zu hoch.

Außerdem ist der Monat Mai der Monat, in dem die meisten DAX-Werte ihre Dividende ausschütten. Diese verpassen Sie, wenn Sie Ende April verkaufen. Und wenn Sie bei den Positionen schon länger investiert sind und Ihre Dividendenrendite entsprechend hoch ist, ist es eine noch schlechtere Idee, vor der Ausschüttung zu verkaufen.

Außerdem berücksichtigt die Auswertung keine Transaktionskosten, die bei jedem Kauf und Verkauf anfallen. Wenn Sie die Kosten mit einkalkulieren, löst sich der ohnehin kleine saisonale Unterschied in Luft auf. Im Gegenzug mussten Sie aber im Frühjahr und Herbst jeweils Zeit opfern, um alle Positionen erst zu verkaufen und dann wieder zu kaufen.

Daher kann mein Fazit nur lauten: Lassen Sie sich von der Saisonalität beim DAX nicht beirren und räumen Sie keinesfalls Ihr Depot im Mai leer, um dann später wieder einzusteigen. Denn wenn Sie das tun, verzichten Sie nicht nur auf Gewinne, sondern verursachen auch noch Transaktionskosten, über die sich nur Ihre Bank bzw. Ihr Broker freut.

Meine Empfehlung: Verkaufen Sie im Frühjahr nur dann größere Aktien-Positionen, wenn Sie auch handfeste Gründe dafür sehen und nicht statisch aus rein saisonalen Gründen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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