“Sell in May” – ja oder nein?

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Nach dem schwachen Monatsauftakt drängt sich die Frage auf: Ist es sinnvoll, der Börsenweisheit „Sell in May and go away“ zu folgen? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Nach dem Feiertag startete der DAX gestern mit einem Tagesverlust von 3,6% in den Monat Mai. Da drängt sich für Sie als Anleger natürlich die Frage auf: Ist es womöglich ratsam, der alten Börsenweisheit „Sell in May and go away“ zu folgen und dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren? Ich gebe Ihnen heute meine Einschätzung dazu.

Im Mai auszusteigen, ist keine gute Idee

Zugegeben, ganz aus der Luft gegriffen ist die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ nicht. Tatsächlich gibt es an den Börsen häufig eine Art Sommerloch, was in den Sommermonaten meist zu geringeren Handelsumsätzen und teilweise auch zu einer schwächeren Kursentwicklung führt.

Der Mai selbst ist jedoch keineswegs ein schlechter Börsenmonat. Seit der Einführung des DAX im Jahr 1988 brachte der Wonnemonat im Schnitt sogar ein Plus von 0,5%. Den Juni beendete der DAX im langjährigen Vergleich praktisch unverändert (-0,1%). Der Juli ist mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 1,3% historisch gesehen sogar ein recht guter Börsenmonat.

Nur der August und der September bringen negative Renditen

Der Blick auf die saisonale Entwicklung des DAX zeigt: Nur in zwei Monaten verzeichnet der deutsche Leitindex im Schnitt nennenswerte Verluste. Die statistisch schlechtesten Börsenmonate sind der August mit einem durchschnittlichen Minus von 2,5% und der September mit Einbußen von durchschnittlich 2,2%.

Danach beginnt die saisonal stärkste Börsenphase. In den vergangenen 32 Jahren verzeichnete der DAX im Schlussquartal im Schnitt einen Zuwachs von 6,3%.

Damit ist klar: Dem Aktienmarkt im Mai komplett den Rücken zu kehren und erst im Herbst wieder einzusteigen, ist – statistisch gesehen – keine gute Idee. Eine Überlegung wäre allenfalls, in den Monaten August und September einen etwas höheren Cash-Anteil zu halten.

Ein höherer Cash-Anteil kann nicht schaden

Natürlich gibt es saisonale Effekte. Darauf blind zu vertrauen und sich im Sommer komplett aus dem Aktienmarkt zu verabschieden, ist dennoch nicht empfehlenswert. Zumal Sie auch die Transaktionskosten, die bei einem Verkauf und späteren Rückkauf aller Depotwerte anfallen, berücksichtigen sollten.

Es ist durchaus empfehlenswert, die Saisonalitäten im Hinterkopf zu haben. Noch wichtiger ist allerdings, sich bei seinen Investitionsentscheidungen an der aktuellen Marktlage zu orientieren. Und die hellt sich nach dem Corona-Crash langsam, aber sicher auf. Die Bodenbildung kommt nach und nach voran.

Gleichzeitig sollten Sie das Risiko eines nochmaligen Kursrückgangs auf dem Zettel haben. Deshalb ist es sinnvoll, zumindest vorerst einen etwas höheren Cash-Anteil halten und sich eventuell von Depotwerten, die sich nicht wie gewünscht entwickeln, zu trennen. Positive Signale vorausgesetzt, können Sie die Investitionsquote im Herbst, wenn die saisonal stärkste Börsenphase beginnt, wieder hochfahren.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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