Seltene Erden: Neue Chancen durch Recycling

Seltene Erden ist ohne Frage ein neuer Rohstofftrend. Die Technologiemetalle werden in immer mehr High-Tech Anwendungen benötigt. (Foto: Cinberg)

Seltene Erden ist ohne Frage ein neuer Rohstofftrend. Die Technologiemetalle werden in immer mehr High-Tech Anwendungen benötigt.

Aber auf dem Weltmarkt werden die begehrten Rohstoffe immer knapper und zudem sind die Preise schon enorm gestiegen. In diesen Zeiten ist das Recycling von Seltenen Erden eine lohnende Strategie. Aber noch steckt dieser Ansatz in den Kinderschuhen.

In einer Studie im Auftrag der Fraktion “Die Grünen/Europäische Freie Allianz” im europäischen Parlament, unter Federführung von Reinhard Bütikofer, stellt das Öko-Institut zum Recycling von Seltenen Erden nun einen Acht-Punkte-Plan auf.

Diese Studie zeigt, wie ein nachhaltiges Ressourcenmanagement für Neodym, Terbium, Lanthan & Co. aussehen kann.

„Seltene Erden brauchen wir heute, um mit energiesparender Beleuchtung, Katalysatoren und Elektrofahrzeugen in eine grüne Zukunft zu starten“, erklärt Dr. Doris Schüler, die Autorin der Studie, ihre Bedeutung. „Dabei müssen wir jedoch jetzt darauf achten, dass sie aus einer nachhaltigen Produktionskette stammen.

Hierbei spielen neben einem umweltfreundlichen Bergbau die effiziente Gewinnung und Nutzung der seltenen Erden eine große Rolle. Hier sieht das Öko-Institut noch viel Spielraum für eine Optimierung.“

Um die Vorkommen zu schonen, schlagen die Wissenschaftler des Öko-Instituts ein umfassendes Recycling von Seltenen Erden vor. Dies reduziere hohe Abhängigkeiten von knappen Rohstoffen.

Dabei kommt dem Aufbau einer europäischen Recyclingwirtschaft eine besondere Bedeutung zu. Europa gehört heute zu den weltweit größten Seltenen-Erden-Konsumenten. Mittelfristig werden deshalb bedeutende Mengen an Seltenen Erden in den zukünftigen Abfallströmen anfallen.

Das Öko-Institut stellt in der Studie eine entsprechende Strategie vor, die wichtige Schritte enthält wie beispielsweise den Aufbau eines „Europäischen Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerks“, das Erstellen einer detaillierten Stoffstromanalyse, das Durchführen von Forschungsvorhaben, das Konzipieren von Sammlung- und Behandlungsanlagen und die Anpassung der juristischen Rahmenbedingungen.

Aber zur Umsetzung eines solchen neuen Systems zur Aufbereitung müssen einige Jahre veranschlagt werden.

Nun ist das Recycling von herkömmlichem Müll schon weit verbreitet. Allerdings ist das Recycling von Elektronikbauteilen, mit einem signifikanten Anteil an Seltenen Erden, nicht mit dem üblichen Müll-Recycling zu vergleichen.

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Beim herkömmlichen Vorgang geht es um die Fokussierung auf Masse und Kosten. Das gilt für Glas oder Kunststoffe. Beim Elektronik-Recycling steht hingegen der Wert und die Gewinnung von Spurenelemente im Vordergrund. Dazu sind auch sehr viel komplexere Prozesse nötig, die nur durch metallurgische High-Tech Verfahren umsetzbar sind.

Wie der Name Spurenelemente aber schon nahe legt, gibt es viele der begehrten Metalle in den Anwendungen nur in sehr kleinen Mengen. Pro Mobiltelefon werden so ca. 250 mg Silber oder 24 mg Gold benötigt.

Zusätzlich gibt es aber auch thermodynamische Grenzen beim Recycling. Bestimmte Stoffe wie beispielsweise Tantal oder Seltenen Erden lassen sich nur sehr schwer aus den bestehenden Verbindungen lösen.

Hinzu kommt folgender Aspekt: Es gibt nur sehr wenig Firmen die auch tatsächlich das Recyling von Technologiemetallen durchführen können. So gibt es in ganz Europa nur drei Marktteilnehmer mit dem Marktführer Umicore.

Der betreibt in Hoboken bei Antwerpen in Belgien eine integrierte Metallhütte. Dort werden pro Jahr rund 300.000 Tonnen Edelmetallhaltiges Sekundärmaterial verarbeitet.

Schon 2007 lag der recycelte Metallwert nach Angaben von Umicore bei 3 Mrd. USD. Seitdem sind jedoch die Weltmarktpreise kräftig gestiegen.

In diese Anlage sind seit 1997 Neu-Investitionen von rund 400 Mio. Euro geflossen. Den Neubau einer solchen komplexen Recyclinganlage schätzen die Umicore Experten auf rund 1 Mrd. Euro.

Auch das schränkt den Markteintritt von neuen Anbietern doch erheblich ein. In diesem lukrativen Geschäft gibt es einen sehr hohen Burggraben, der die bestehenden Anbieter schützt.

Grundsätzlich bietet das Recycling von Technologiemetallen aber eine gute Chance den Angebotsengpässen mittelfristig aus dem Weg zu gehen.

Das gesamte Thema der Seltenen Erden werde ich an dieser Stelle in den kommenden Wochen aber noch intensiv beleuchten, denn auch für Investoren gibt es jetzt schon verschiedene Wege auf einen weiteren Aufschwung in diesem Sektor zu setzen.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.