Semperit: Ein österreichischer Turnaround-Kandidat

Findet das österreichische Traditions-Unternehmen Semperit zu alter Stärke zurück, winken Anlegern deutliche Kurssteigerungen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen an dieser Stelle anlässlich der Gewinn-Messe in Wien dem österreichischen Familienbetrieb Mayr-Melnhof vorgestellt.

Heute folgt nun das in der Gummi-Industrie tätige Unternehmen Semperit, das u. a. OP-Handschuhe fertigt.

Semperit: Einige Probleme kosteten in den letzten Jahren Geld und Nerven

Die an sich grundsolide Firma hat seit einigen Jahren mit verschiedenen Problemen zu kämpfen.

Das größte davon war das Joint-Venture mit dem thailändischen Partner Sri Tang, bei dem zuvor über einen sehr langen Zeitraum alles wie am Schnürchen lief.

Doch dann gab es Streit. Die Streitigkeiten dauerten Jahre und kosteten den hier vorgestellten Konzern Geld und Nerven.

Nachdem Semperit in dieser Sache bereits einige Prozesse gewonnen hatte, einigten sich beide Parteien schließlich zu Beginn dieses Jahres außergerichtlich.

Dass die Semperit AG ihre Streitigkeiten mit dem thailändischen Geschäfts-Partner Sri Tang beigelegt hat, ist aus Sicht der Aktionäre sehr zu begrüßen.

Denn nun kann sich Semperit wieder zu 100% auf das eigene Geschäft konzentrieren und erhält zudem noch eine üppige Entschädigung.

Operative Probleme halten an

Die operativen Probleme nach der Neuaufstellung sind noch nicht alle gelöst: So hat Semperit im Oktober dieses Jahres eine Gewinn-Warnung veröffentlicht.

Der Vorstand ist zu dem Schluss gekommen, dass die Ergebnis-Situation der Semperit-Gruppe „im 2. Halbjahr 2017 operativ unter den Erwartungen bleiben wird“, teilte das Unternehmen mit.

2016 hat Semperit einen bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes EBIT) in Höhe von 41 Mio. € erzielt.

Von diesem Ergebnis ist der österreichische Konzern, der u. a. Untersuchungs-Handschuhe aus Kautschuk herstellt, in diesem Jahr deutlich entfernt:

Im 1. Halbjahr 2017 waren es nur noch 6 Mio. €, im 2. dürfte es nicht besser werden:

Im Vergleich zum bereinigten EBIT der 1. Jahreshälfte ist „für das 3. und 4. Quartal 2017 auf derzeitiger Basis keine wesentliche Verbesserung aus dem operativen Geschäft zu erwarten“, hieß es in der Mitteilung.

Gründe dafür sind nach Firmen-Angaben die „Volatilität der Rohstoffpreise“ und operative Probleme, insbesondere in den Segmenten Sempermed und Sempertrans.

So reagiert Semperit auf die Probleme

Es bleibt abschließend noch die Frage zu klären, wie das Semperit-Management auf die operativen Probleme reagiert.

Dazu teilte der Konzern mit, dass der Vorstand „einen umfangreichen Analyse- und Strategie-Prozess beschlossen“ habe, der auch mit hohen Kosten verbunden sein wird.

Dieser Prozess werde voraussichtlich im 2. Quartal 2018 abgeschlossen. Bis dahin kommt es den Angaben zufolge „zu laufenden Aufwendungen“.

Mit den geplanten Maßnahmen will das Management der Österreicher die Rentabilität erhöhen und die Bilanz-Struktur stärken.

Das bedeutet: In den kommenden Quartalen ist weiterhin mit einer schwachen operativen Ergebnis-Situation zu rechnen.

Wenn jedoch die Maßnahmen greifen und Semperit 2018 zurück zu alter Stärke findet, ist mit deutlichen Kurs-Steigerungen zu rechnen.

Risikobewusste Anleger können bei Semperit auf einen Turnaround setzen und zugreifen, wenn der Aktienkurs die Bodenbildung abgeschlossen hat.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.