SEPA-Lastschrift: Händler boykottieren Verfahren

Die SEPA-Lastschrift ist dem Einzelhandel ein Dorn im Auge, da es für die Händler höhere Kosten veursacht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am 02. November ist der Startschuss für die SEPA-Lastschrift (Single Euro Payments Area) gefallen.

Seit Januar vergangenen Jahres gibt es bereits die SEPA-Überweisung mit einheitlichen Regeln für 32 europäische Länder (27 EU-Staaten plus Lichtenstein, Norwegen, Island, Schweiz und Monaco).

Mit der politischen Initiative SEPA (Single Euro Payments Area) soll ein einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum geschaffen werden, um Wettbewerbsschranken und Marktbarrieren abzubauen.

Das Projekt sieht auch vor, den Kartenzahlungsverkehr zu vereinheitlichen: Jede Karte soll in allen SEPA-Ländern an den Terminals einsetzbar sein.

SEPA: Doppelt so hohe Kosten für Einzelhandel

Die SEPA-Lastschrift gefährdet allerdings das beliebte elektronische Lastschriftverfahren (ELV), weshalb es deutschen Einzelhändlern ein Dorn im Auge ist. SEPA-Zahlungen mit der EC-Karte würden derzeit etwa doppelt so viel wie eine deutsche Einzugsermächtigung kosten, erklärte ein Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) gegenüber dem Handelsblatt.

„Solange es da keine Lösung gibt, werden wir die SEPA-Lastschrift allenfalls bei Geschäften mit Lieferanten, nicht aber bei Kundenzahlungen nutzen“, so der HDE-Sprecher weiter.

Vollständige Adresse bei SEPA-Lastschrift erforderlich

Für das deutsche Lastschriftverfahren genügte bisher der unterschriebene Kassenbeleg, der vom Händler oder dem Zahlungsdienstleister bei der Kundenbank eingereicht wurde.

Dieses einfache Verfahren ist bei der europäischen Lastschrift aufgrund umfangreicher Mandatierungspflichten und Wertstellungsvorschriften nicht mehr zulässig. Bei der SEPA-Lastschrift muss der Kunde unter anderem seine vollständige Adresse angeben.

Parallelbetrieb verursacht zu hohe Kosten

Noch dürfen die SEPA-Lastschrift und -Überweisung parallel zu den jeweiligen Landesverfahren betreiben werden. Auf lange Sicht verursacht dieser Doppelbetrieb den Banken jedoch hohe Kosten. Aufgrund der hohen Umstellungskosten nutzen derzeit nur wenige Unternehmen die neuen Verfahren. Oft bringen diese keine entscheidenden Vorteile für die Firmen mit sich.

Um das SEPA-Projekt zu fördern, erwägt die EU-Kommission, die Zulässigkeit der nationalen Verfahren mit einem Enddatum zeitlich zu begrenzen. Dem Handel wäre dann das ELV-Verfahren entzogen. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels bemängelte diese Überlegung.

Einzelhandel will kein Enddatum für Abschaltung von ELV

Ein Enddatum für die Abschaltung des ELV dürfe es nicht geben, wie Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer im HDE, sagte. Das alternative Electronic-Cash-Verfahren mit PIN-Eingabe verursache dem Handel rund 250 Millionen Euro im Jahr – Kosten, für die letztendlich die Kunden aufkommen müssen, wie Genth betonte.

GeVestor.de meint: Bis zur endgültigen Einführung eines einheitlichen Zahlungsstandards in Europa wird noch viel Wasser den Rhein, die Seine, die Donau und die anderen Flüsse innerhalb der EU runterfließen.

Für Endverbraucher bedeuten diese Grabenkämpfe um maximale Margen derzeit jedoch in keiner Weise eine Umstellung: Sie können weiterhin wie gewohnt zahlen und müssen sich an keine neuen Vorschriften anpassen.

Seit dem 1. November 2009 gelten außerdem die neuen AGB der Banken – lesen Sie hier, was Sie dazu wissen müssen:

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Tino Hahn
Von: Tino Hahn.